03.10.2005 · Amerikas Zentralbank macht den Dollar zu einer begehrten Hochzinswährung, während die Europäer am Niedrigzins festhalten. Der Dollar steigt auch gegenüber dem Yen.
Von Folker DriesSind die Jahre stetiger Wertzuwächse an den Rentenmärkten nun vorüber? Es ist nicht das erste Mal in diesem Konjunkturzyklus, daß Fachleute die Wende an den Zinsmärkten einläuten wollen.
Doch ihre Argumente haben an Schwere gewonnen. Denn die Inflationszahlen der zurückliegenden Wochen sind zumindest beunruhigend, wenn nicht alarmierend. In Amerika sind die Verbraucherpreise in den vergangenen zwölf Monaten um 3,6 Prozent gestiegen, im Euro-Raum und Deutschland um 2,4 beziehungsweise 2,5 Prozent - Tendenz: weiter steigend.
Optimisten mögen darin Trost finden, daß die Kerninflation, also die um Nahrungsmittel- und Energiepreise bereinigte Preisentwicklung, vergleichsweise stabil ist. Die sogenannten Zweitrundeneffekte steigender Energiepreise sind bisher also ausgeblieben. Je mehr sich jedoch der Eindruck festigt, daß der starke Ölpreisanstieg dauerhafter Natur ist, desto größer werden die Ängste, daß die höheren Energiekosten früher oder später auch auf die Kerninflation durchschlagen werden.
Amerikanischer Leitzins wird steigen
Zumindest von den amerikanischen Währungshütern wird die von stark steigenden Energiepreisen ausgehende Gefahr jetzt sehr ernst genommen. Obwohl die Konjunkturentwicklung der Vereinigten Staaten zuletzt an Dynamik verloren hat, wollen die Vertreter der Notenbank von ihrem Kurs stetiger Zinserhöhungen nicht abgehen.
Sie sorgen sich mehr um die steigende Inflation als um eine wahrscheinlich nur temporäre Wachstumsverlangsamung durch die Wirbelstürme Katrina und Rita. Im Geldhandel wird daher unterstellt, daß die Fed bei ihren beiden nächsten Sitzungen am 1. November und 13. Dezember wieder um jeweils 25 Basispunkte an der Zinsschraube drehen wird. Damit würde der Leitzins auf 4,25 Prozent steigen und wäre dann mehr als doppelt so hoch wie der europäische Leitzins.
Auch Vertreter der Europäischen Zentralbank dürften nach ihrer Sitzung am kommenden Donnerstag einen schärferen Ton anschlagen. Schließlich steigen die Preise im Kernland Deutschland so schnell wie seit vier Jahren nicht mehr. Seit Juni 2003 hat die EZB den Leitzins nicht mehr angerührt. Die Impulse der EZB bestanden seither darin, daß ihr Präsident einmal mehr und einmal weniger sorgenvoll die Rahmenbedingungen analysierte.
Euro bleibt Niedrigzinswährung
„Das Problem dieser Politik ist, daß sie irgendwann stumpf wird und die Notenbank aus Glaubwürdigkeitsgründen den Worten Taten folgen lassen muß“, sagt Peter Müller, Zinsexperte der Commerzbank. Damit rechnen die Märkte allerdings frühestens für das nächste Jahr. Solange sich im Euro-Raum keine nachhaltige Konjunkturerholung einstellt, ist eine Politikwende der EZB höchst unwahrscheinlich, lautet das gängige Credo.
Der Euro bleibt somit vorerst eine Niedrigzinswährung, während der Dollar zunehmend zur Hochzinswährung mutiert. Es ist schon ein Kuriosum, daß der amerikanische Geldmarktzins inzwischen höher ausfällt als die Verzinsung dreißigjähriger Anleihen in Deutschland.
Die Wirbelstürme Katrina und Rita hatten das amerikanische Zinserhöhungsszenario nur vorübergehend in Frage gestellt. Das unterstreicht die Entwicklung im Devisenhandel. Der Euro ist am Montag wieder unter die Marke von 1,20 Dollar gefallen und nähert sich damit seinem Jahrestief von 1,1869 Dollar. Gegenüber dem Yen ist der Dollar sogar auf das höchste Niveau seit Mai 2004 gestiegen.
Japan läßt Deflation hinter sich
Die Stärke des Dollar gegenüber dem Yen ist ein erstaunliches Phänomen, da sich Japan derzeit anschickt, eine der großen Konjunkturhoffnungen der Weltwirtschaft zu werden. Der jüngste Tankan-Bericht dürfte zwar die Konjunktureuphorie wieder etwas dämpfen. Gleichwohl ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt auf gutem Weg, ihre langjährige Deflationsperiode hinter sich zu lassen.
Fachleute rechnen damit, daß die Veränderungsrate der Verbraucherpreise noch in diesem Jahr ein positives Vorzeichen bekommen wird, nachdem die Preise in den vergangenen zwölf Monaten nur mehr um 0,1 Prozent gefallen sind. Die Notenbank hat auch schon signalisiert, daß sie im nächsten Jahr ihre Nullzinspolitik beenden wird.
Der Stimmungsumschwung zeigt sich am ehesten am Aktienmarkt: Der Topix-Index ist in der vergangenen Woche erstmals seit 2001 über die Marke von 1.400 Punkten gestiegen. Seit Frühjahr sind die japanischen Aktienkurse um mehr als 25 Prozent geklettert, womit Tokio unter den großen Aktienmärkten der Welt die beste Wertentwicklung aufweist.
Daß sich dieser Optimismus nicht in einer Aufwertung des Yen niederschlägt, erklären Fachleute zum Teil mit den hohen Ölimporten Japans. Der Anteil der Öleinfuhren an den gesamten Importen liegt in Japan inzwischen bei 17 Prozent, was sich mit Werten von 7 Prozent für Amerika und 5 Prozent für den Euro-Raum vergleicht.
Die Angst vor Inflation wiegt schwerer als die Wachstumsskepsis
Jürgen Roth (Pol)
- 04.10.2005, 10:10 Uhr
Bleibt Europa beim Niedrigzins?
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 04.10.2005, 16:22 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |