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Versicherungen Versicherer riskieren wieder mehr

18.11.2003 ·  Die Versicherer kaufen wieder Aktien. Zumindest beobachten die Analysten, daß die Versicherer ihre Aktienquote angehoben und ihre Absicherungsgeschäfte reduziert haben. Ein Trend?

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Die deutschen Versicherungsgesellschaften werden auf dem Aktienmarkt wieder mutiger. Nach Einschätzung von Händlern und Analysten sind vor allem die Lebensversicherer dabei, ihre Aktienquote anzuheben. Bis zum Jahresende könne die gewichtete durchschnittliche Quote von zuletzt 7,2 auf rund zehn Prozent steigen, sagt Carsten Zielke, Analyst bei der WestLB. Das würde einer Umschichtung in der Größenordnung von etwa 13 Milliarden Euro entsprechen. Auch Marco Metzler, Kreditbewerter bei der Rating-Agentur Fitch, vermutet die Lebensversicherer eher auf der Käuferseite.

Wie sich die Versicherer verhalten, ist für den Aktienmarkt von großer Bedeutung. Sie zählen zu den wichtigsten Anlegergruppen. Am Ende des Jahres 2002 verwalteten die deutschen Versicherungsgesellschaften Kapitalanlagen von rund tausend Milliarden Euro. Davon entfielen auf die Lebensversicherer rund 600 Milliarden Euro, die damals zu etwa 15 Prozent in Aktien investiert waren. Seitdem ist die Aktienquote laut Schätzung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft auf sieben bis acht Prozent gefallen, weil die Versicherungsaufsicht bei vielen Gesellschaften eine Reduzierung des Anlagerisikos erzwang und auch die Rating-Agenturen darauf drängten.

Weniger Sicherungsgeschäfte

Das tatsächliche Aktien-Engagement der Versicherer dürfte auf ein noch niedrigeres Niveau zurückgegangen sein. Denn die meisten Gesellschaften haben sich auf dem Höhepunkt der Krise mit Derivaten gegen weitere Kursverluste abgesichert. Bis in den Juli hinein seien mit Terminkontrakten und Optionen Leerverkaufspositionen aufgebaut worden, was den Markt belastet habe, berichten Frankfurter Händler. In den vergangenen drei Monaten seien diese Sicherungsgeschäfte dagegen reduziert worden.

Ein gängiges Absicherungsgeschäft sah im Juli bei einem Dax-Stand von 3.200 Punkten so aus: Der Versicherer kaufte mit einer Put-Option das Recht, in der Zukunft Aktien zu Kursen zu verkaufen, die einem Dax-Stand von 3000 Punkten entsprechen. Wäre der Kurs der Aktien in der Folge gefallen, hätte die Option an Wert gewonnen. Um die Kosten der Put-Option zu finanzieren, verkaufte der Versicherer gleichzeitig mit einer Call-Option das Recht, daß ein anderer Investor bei ihm Aktien zu einem Preis kaufen darf, der einem Dax-Stand von 3.400 Punkten entspricht. Dafür erhielt der Versicherer als Stillhalter eine Prämie, die die Kosten der Put-Option deckte.

Warten auf den Konjunkturaufschwung

Doch inzwischen sind die Aktienkurse stark gestiegen. Das hat für Versicherer, die Derivate eingesetzt haben, Folgen: Ihr Aktienportfolio gewann zwar an Wert. Aber auf der anderen Seite sind die Put-Optionen nun weitgehend wertlos und die verkauften Call-Optionen belasten: Je mehr die Kurse steigen, desto kostspieliger ist diese Stillhalterposition. Sie frißt einen Teil der Aktiengewinne wieder auf. Deshalb hätten viele Versicherer inzwischen die Absicherungsgeschäfte stark reduziert, was den ohnehin positiven Trend der Aktienmärkte verstärkt habe, berichten Händler.

"Mit der Erhöhung der Aktienquote handeln die Versicherer wieder prozyklisch", warnt Heiner Leisten, Leiter des deutschen Versicherungsgeschäfts der Unternehmensberatung Boston Consulting Group. Sie schielten dabei in manchen Fällen zu sehr auf den über die Überschußbeteiligung ausgetragenen Wettbewerb. Doch nicht für jede Gesellschaft sei ein höheres Anlagerisiko ratsam, denn die Ausstattung mit Eigenkapital und anderen Sicherheitsmitteln sei bei vielen Versicherern noch angespannt.

Die Tendenz zu einem erhöhten Aktienengagement ist allerdings nicht bei allen Versicherern gleichermaßen zu beobachten. Die Branchenführerin Allianz Leben hat ihr Engagement schon zu Jahresbeginn neu ausgerichtet. "An der Aktienquote, die zwischen elf und zwölf Prozent liegt, werden wir vorerst nichts ändern", sagt Maximilian Zimmerer, Finanzvorstand der Allianz Leben. Die Aussichten auf dem Aktienmarkt seien zwar kurzfristig günstig, doch wolle die Gesellschaft abwarten, wie tragfähig der erhoffte Konjunkturaufschwung ist.

ruh. FRANKFURT, 18. November. Die deutschen Versicherungsgesellschaften werden auf dem Aktienmarkt wieder mutiger. Nach Einschätzung von Händlern und Analysten sind vor allem die Lebensversicherer dabei, ihre Aktienquote anzuheben. Bis zum Jahresende könne die gewichtete durchschnittliche Quote von zuletzt 7,2 auf rund 10 Prozent steigen, sagt Carsten Zielke, Analyst bei der WestLB. Das würde einer Umschichtung in der Größenordnung von etwa 13 Milliarden Euro entsprechen. Auch Marco Metzler, Kreditbewerter bei der Rating-Agentur Fitch, vermutet die Lebensversicherer eher auf der Käuferseite.

Wie sich die Versicherer verhalten, ist für den Aktienmarkt von großer Bedeutung. Sie zählen zu den wichtigsten Anlegergruppen. Am Ende des Jahres 2002 verwalteten die deutschen Versicherungsgesellschaften Kapitalanlagen von rund 1000 Milliarden Euro. Davon entfielen auf die Lebensversicherer rund 600 Milliarden Euro, die damals zu etwa 15 Prozent in Aktien investiert waren. Seitdem ist die Aktienquote laut Schätzung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft auf 7 bis 8 Prozent gefallen, weil die Versicherungsaufsicht bei vielen Gesellschaften eine Reduzierung des Anlagerisikos erzwang und auch die Rating-Agenturen darauf drängten.

Das tatsächliche Aktien-Engagement der Versicherer dürfte auf ein noch niedrigeres Niveau zurückgegangen sein. Denn die meisten Gesellschaften haben sich auf dem Höhepunkt der Krise mit Derivaten gegen weitere Kursverluste abgesichert. Bis in den Juli hinein seien mit Terminkontrakten und Optionen Leerverkaufspositionen aufgebaut worden, was den Markt belastet habe, berichten Frankfurter Händler. In den vergangenen drei Monaten seien diese Sicherungsgeschäfte dagegen reduziert worden. Ein gängiges Absicherungsgeschäft sah im Juli bei einem Dax-Stand von 3200 Punkten so aus: Der Versicherer kaufte mit einer Put-Option das Recht, in der Zukunft Aktien zu Kursen zu verkaufen, die einem Dax-Stand von 3000 Punkten entsprechen. Wäre der Kurs der Aktien in der Folge gefallen, hätte die Option an Wert gewonnen. Um die Kosten der Put-Option zu finanzieren, verkaufte der Versicherer gleichzeitig mit einer Call-Option das Recht, daß ein anderer Investor bei ihm Aktien zu einem Preis kaufen darf, der einem Dax-Stand von 3400 Punkten entspricht. Dafür erhielt der Versicherer als Stillhalter eine Prämie, die die Kosten der Put-Option deckte.

Doch inzwischen sind die Aktienkurse stark gestiegen. Das hat für Versicherer, die Derivate eingesetzt haben, Folgen: Ihr Aktienportfolio gewann zwar an Wert. Aber auf der anderen Seite sind die Put-Optionen nun weitgehend wertlos und die verkauften Call-Optionen belasten: Je mehr die Kurse steigen, desto kostspieliger ist diese Stillhalterposition. Sie frißt einen Teil der Aktiengewinne wieder auf. Deshalb hätten viele Versicherer inzwischen die Absicherungsgeschäfte stark reduziert, was den ohnehin positiven Trend der Aktienmärkte verstärkt habe, berichten Händler.

"Mit der Erhöhung der Aktienquote handeln die Versicherer wieder prozyklisch", warnt Heiner Leisten, Leiter des deutschen Versicherungsgeschäfts der Unternehmensberatung Boston Consulting Group. Sie schielten dabei in manchen Fällen zu sehr auf den über die Überschußbeteiligung ausgetragenen Wettbewerb. Doch nicht für jede Gesellschaft sei ein höheres Anlagerisiko ratsam, denn die Ausstattung mit Eigenkapital und anderen Sicherheitsmitteln sei bei vielen Versicherern noch angespannt.

Die Tendenz zu einem erhöhten Aktienengagement ist allerdings nicht bei allen Versicherern gleichermaßen zu beobachten. Die Branchenführerin Allianz Leben hat ihr Engagement schon zu Jahresbeginn neu ausgerichtet. "An der Aktienquote, die zwischen 11 und 12 Prozent liegt, werden wir vorerst nichts ändern", sagt Maximilian Zimmerer, Finanzvorstand der Allianz Leben. Die Aussichten auf dem Aktienmarkt seien zwar kurzfristig günstig, doch wolle die Gesellschaft abwarten, wie tragfähig der erhoffte Konjunkturaufschwung ist.

Quelle: (ruh.) Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.11.2003, Nr. 269 / Seite 27
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