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Versicherungen Garantiemodelle werden immer komplexer

02.09.2010 ·  Die Investitionsstruktur von Lebensversicherungen wird zunehmend komplizierter. Damit wollen die Versicherer den Bedürfnissen den Kunden entgegen kommen, doch die Vergleichbarkeit leidet. Eine Brancheninitiative will für mehr Übersichtlichkeit sorgen.

Von Philipp Kron
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In der Finanzkrise ist die Skepsis gegenüber riskanteren Geldanlagen gewachsen. Fondsgebundene Lebensversicherungen verkauften sich entsprechend schlechter als zuvor. Im Jahr 2009 sank die Zahl neu geschlossener Verträge um 28 Prozent, damit fiel der Anteil der fondsgebundenen an allen Lebensversicherungsverträgen im Neugeschäft von 27 auf 21 Prozent. Aus vielen Vertrieben ist zudem eine Botschaft zu hören: Wenn die Kunden ihr Geld noch in Fonds anlegen wollen, verlangen sie nach einer Garantie, die ihnen etwa eine Monatsrente sicherstellt, aber meist geringer ist als bei klassischen Policen.

Statische Hybride, variable Annuitäten

Für solche Garantien haben die Versicherer in ihrer Wirkung schwer vergleichbare Modelle entwickelt. Als erste Variante kamen schon Anfang des vergangenen Jahrzehnts statische Hybride auf den Markt. Bei ihnen wird das Kundengeld in festen Proportionen in eine freie Fondsanlage und das stark regulierte Sicherungsvermögen (früher Deckungsstock) des Versicherers verteilt, mit dem die Garantie erwirtschaftet wird.

Weil die Aufteilung in die Töpfe schon bei Vertragsabschluss starr festgelegt wird, kann die Police nicht auf Kapitalmarktentwicklungen reagieren. Deshalb haben Versicherer mit Hilfe von Fondsgesellschaften dynamische Hybride erdacht, von denen sie sich eine effizientere Bereitstellung der Garantien versprechen. Bei ihnen kann das Vermögen zwischen Deckungsstock und Fonds umgeschichtet werden. Verliert der Fonds an Wert, wird zur Sicherung Geld in den Deckungsstock umgeschichtet. Im unglücklichsten Fall entwickelt sich der Markt so schlecht, dass das gesamte Vermögen im Deckungsstock verharrt und nur noch Neubeiträge in die chancenreichere Anlage investiert werden können.

Eine ähnlich komplexe Variante sind Variabel Annuities. Hier entnimmt das Unternehmen dem Fondsvermögen jährlich einen vorher festgelegten Anteil. Mit diesem sichert es sich gegen Risiken wie einen Aktiencrash und sinkende Zinsen mit Hilfe von Derivaten ab. Anders als bei den Hybriden schmälert dieser Abzug auf jeden Fall die Rendite. Die Axa hat mit zwei Varianten ihres Produkts im Krisenjahr 2008 die Erfahrung gemacht, dass das Hedging in bestimmten Kapitalmarktsituationen so teuer wurde, dass sie Verluste aus dem Eigenkapital ausgleichen musste. Aus dieser Erfahrung hat sie für Neuverträge die Tarife neu kalkuliert und gewährt nun geringere Garantien. Für den Kunden aber verharrt der Anteil seines Fondsvermögens, der nicht für die Garantie verwendet wird, im riskanten Teil der Anlage und nimmt Kursgewinne mit.

Auf dem Weg zur Vergleichbarkeit

Wie gut sich diese Garantien bewähren, lässt sich nicht pauschal für eine Gattung sagen. Denn je nach Vertrag gibt es große Unterschiede etwa in den Kosten, den Bedingungen, unter denen umgeschichtet wird, und ob man den Anspruch auf die Garantie beispielsweise verlieren kann, wenn man vorübergehend die Beitragszahlung aussetzt.

Die Policen sind auch deshalb schwer vergleichbar, weil mal eine Rente, mal eine Ablaufleistung garantiert ist. Um dem Kunden eine bessere Übersicht zu vermitteln, koordiniert die Produktratingagentur Morgen & Morgen eine Brancheninitiative. Sie erarbeitet eine Software, die jeden einzelnen Tarif durch 10.000 immer gleiche Kapitalmarktszenarien laufenlassen kann.

Daraus lässt sich ein Rendite-Risiko-Profil erstellen, das die Frage beantwortet, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine bestimmte Beitragsrendite, die auch negativ sein kann, eintritt. Die Agentur strebt ein einheitliches Schaubild an, das dem Kunden ermöglicht, gemäß seinem eigenen Risikoprofil zu entscheiden. 18 Versicherer arbeiten an der Initiative mit. Am Ende kommt es aber auch hier auf den Anlageerfolg der Unternehmen an, der nicht vorhersehbar ist, und auf die tatsächlichen Kosten.

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