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Versicherung Niedrige Überschüsse und Intransparenz bei Lebensversicherungen

14.01.2004 ·  Lebensversicherungen melden Rekordgeschäfte. Dabei sind Mindestverzinsung und Überschußbeteiligungen so niedrig wie noch nie. Intransparenz und fallende Steuervorteile sind auch keine guten Verkaufsargumente.

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Die Überschußbeteiligung, das war die längste Zeit das Pfund, mit dem Versicherungsvertreter, Makler und Banken beim Verkauf von Kapitallebensversicherungen wuchern konnten. Denn neben den Steuervorteilen der Produkte war sie in Zeiten boomender Börsen und hoher Zinsen das Salz in der Suppe.

So rechneten sie ihren Kunden recht gerne vor, welch schöne Rendite er mit dem Kauf einer Kapitallebensversicherung erzielen könne. Denn die Anlageprofis der Versicherungsunternehmen schlügen sich an den Kapitalmärkten so gut, daß sie deutlich mehr als nur die magere Mindestverszinsung bieten könnten. Der Anleger dürfte deswegen mit Ablauf seines Versicherungsvertrages mit einer überraschend hohen Sonderausschüttung rechnen können, argumentierten sie nicht selten.

Mindestverzinsung und Überschußbeteiligungen werden uninteressanter

Diese Zeiten sind längst vorbei. Denn die Versicherungen sind in den 90er-Jahre nicht nur spät in die damals boomenden Aktienmärkte eingestiegen und haben in der folgenden Baisse einen großen Teil der Werte schlicht und einfach „verzockt“, sondern gleichzeitig sind auch die Zinsen beinahe weltweit auf historische Tiefsstände gefallen. Aus diesem Grund läßt sich auch an den Rentenmärkten mit Anlagen nicht mehr sonderlich viel verdienen.

Diese Kombination führte dazu, daß der Gesetzgeber in den vergangenen Monaten nicht nur die sowieso schon magere Garantieverzinsung für Lebensversicherungen nach unten auf 2,75 Prozent angepaßt hat, sondern die Versicherungsunternehmen reduzieren nun eins nach dem anderen auch die Überschußbeteiligungen. Selbst bekannte Unternehmen wie die Allianz oder auch die Axa scheinen daran nicht vorbeizukommen.

Nach einer Untersuchung der Rating-Agentur Assekurata liegt die Überschußbeteiligung der Lebensversicherer für das Jahr 2004 nach einer dritten Senkung in Folge mit durchschnittlich 4,43 Prozent auf einem historisch niedrigen Stand. Dabei sind vor allem die weiterhin relativ ungewissen Schlußüberschüsse wichtig für eine renditestarke Altersvorsorge. Sie machen knapp ein Drittel der Überschüsse aus. Intransparenz bei einigen Anbietern erschwert zudem eine Übersicht über die tatsächliche Höhe der Überschußbeteiligung.

Manche Anbieter sind intransparent

Nur 37 Prozent aller Anbieter geben allen Kunden eine laufende Gesamtverzinsung in gleicher Höhe. Wer mehrere Lebensversicherungen bei einem Versicherer wie der Gothaer oder der Victoria abgeschlossen hat, kann sich in den nächsten Wochen wundern. Werden doch je nach Art der Absicherung - Kapitalleben, private Rente oder Riesterrente - und je nach Höhe der Garantieverzinsung verschiedene Überschüsse angegeben. Dabei sind Unterschiede bis zu einem Prozentpunkt beim gleichen Anbieter möglich. Nur 37 Prozent aller Anbieter geben allen Kunden eine laufende Gesamtverzinsung in gleicher Höhe. Nach Ansicht von Dr. Will, Geschäftsführer der Assekurata, führt dies zu einer zunehmenden Intransparenz zu Lasten der Kunden.

Riester-Renten werden benachteiligt

Dies betrifft auch die Riester-Renten. Anbieter wie zum Beispiel Cosmos oder Debeka machen zwar keinen Unterschied, ob mit Riester oder mit einer einfachen privaten Rente vorgesorgt wird. Doch ein Viertel der untersuchten Anbieter haben für die staatlich geförderte Vorsorge Sonderkonditionen. Meist zu Ungunsten der Riester-Rente.

Unsichere Schlußüberschüsse mit hoher Bedeutung

In zwei aktuellen Studien hat Assekurata die aktuellen Überschußbeteiligungen unter die Lupe genommen. Die Senkung der durchschnittlichen laufenden Gesamtverzinsung von 4,84 Prozent im Jahr 2003 auf 4,43 Prozent im Jahr 2004 wird dabei als notwendiger Schritt erkannt. Ansonsten wäre mit einem hohen Anteil unplausibler Angebote zu rechnen. Die weiterhin hohe Bedeutung der Schlußüberschüsse, die für den Kunden mit Unsicherheiten verbunden ist, macht wie im Vorjahr knapp ein Drittel der gesamten Überschußbeteiligung aus. Anders als die laufende Gesamtverzinsung oder der Ansammlungszins - die üblichen Formen der Verzinsung - stehen Schlußüberschüsse unter Vorbehalt und können gegebenenfalls wieder gekürzt werden. Wenn auch noch die Steuervorteile der Produkte fallen sollte, dürften langsam die Argumente für den Verkauf ausgehen.

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