10.12.2003 · Der Marktführer Allianz Leben gibt mit der Rückführung der Gesamtverzinsung der Sparanteile für das kommende Jahr von 5,3 auf 4,5 Prozent den Takt vor. Die Bafin überprüft das neue Verteilungsmodell.
Die deutschen Lebensversicherer werden das dritte Jahr in Folge die Überschußbeteiligung für ihre Versicherten zum Teil drastisch senken. Von dem am Mittwoch vollzogenen Schritt des Marktführers Allianz Leben, die Gesamtverzinsung der Sparanteile für das kommende Jahr von 5,3 auf 4,5 Prozent zurückzuführen, wird wie schon in den Jahren zuvor eine Signalwirkung für die gesamte Branche ausgehen. Große Anbieter wie Aachener-Münchener, Hamburg-Mannheimer und Axa haben die Bekanntgabe ihrer neuen Überschußbeteiligung für die kommenden Tage angekündigt. Insgesamt betrachtet rückt immer mehr das Garantiezinsniveau in Sichtweite, welches noch vor nicht allzu langer Zeit lediglich als zu vernachlässigende statistische Größe galt.
Allianz Leben begründete die neue Absenkungsrunde mit dem historisch niedrigen Zinsniveau. Vor einem Jahr sei man noch von höheren Renditen ausgegangen, die mit festverzinslichen Wertpapieren zu erzielen seien, heißt es in einer Mitteilung. Der Zinsmarkt wäre entscheidend, weil hier der größte Teil der Kapitalanlagen investiert sei. "Aus heutiger Sicht ist es längerfristig auch im Interesse unserer Kunden, wenn wir unsere Gesamtverzinsung an die Entwicklung am Zinsmarkt heranführen", sagte der Vorstandsvorsitzende von Allianz Leben, Gerhard Rupprecht. Allein im Jahr 2002 erwirtschaftete die Allianz Leben 1,8 Prozentpunkte weniger Ertrag am Kapitalmarkt, als sie gleichzeitig ihren Kunden als Guthabenverzinsung gewährte. Die Deckungslücke muß aus den Reserven gefüllt werden, die branchenweit inzwischen dramatisch zusammengeschmolzen sind.
Neue Denkmodelle
Immerhin liegt der größte deutsche Lebensversicherer mit seiner Gesamtverzinsung am oberen Ende der vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erwarteten Spanne zwischen 4 und 4,5 Prozent. Interessant wird es jedoch für die Lebensversicherer und deren Kundschaft, bei denen die Gesamtverzinsung unter die Marke von 4 Prozent fällt. Das ist etwa bei der Victoria der Fall, die ihre Überschußbeteiligung für das kommende Jahr auf 3,4 Prozent gesenkt hat. In einem solchen Fall kommt es nämlich innerhalb einer Gesellschaft zu unterschiedlichen Überschußzahlungen, weil nunmehr der Mechanismus der Garantieverzinsung greift. Für Victoria-Versicherte, die ihren Vertrag vor dem 1. Juli 2000 abgeschlossen haben, heißt das beispielsweise: Sie können die Absenkung auf 3,4 Prozent getrost ignorieren. Denn abhängig vom Zeitpunkt des Abschlusses haben sie Anspruch auf ihre Garantieverzinsung von 3,5 beziehungsweise 4 Prozent (siehe Grafik).
Die Annäherung an das Garantiezinsniveau bringt aber auch ganz neue Denkmodelle in den Gesellschaften in Gang. So will etwa die Alte Leipziger die Gesamtverzinsung künftig vom Zeitpunkt des Vertragsabschlusses abhängig machen. Das Modell sieht vor, daß bei Altverträgen mit einem Garantiezins von 4 Prozent die Gesamtverzinsung mit 4,15 Prozent niedriger ausfällt als bei Verträgen, die im kommenden Jahr zu dem neuen Garantiezins von 2,75 Prozent abgeschlossen werden. Hier will die Alte Leipziger eine laufende Verzinsung von 4,4 Prozent gewähren. Als Begründung führt die Gesellschaft an, daß angesichts des aktuellen Zinsniveaus weniger Geld aus den Altverträgen für riskantere Anlagestrategien zur Verfügung steht und hierbei folglich mit geringeren Kapitalerträgen zu rechnen ist. Bei den neueren Verträgen hätte man dagegen mehr Risikospielraum.
Dieses Modell, die Überschüsse in Abhängigkeit vom Garantiezins zu verteilen, trägt nicht nur zur zusätzlichen Verwirrung der Kundschaft bei. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) prüft nach Angaben eines Sprechers derzeit auch, ob diese Ungleichbehandlung der Kundengruppen überhaupt zulässig ist. In der Branche wird das Ergebnis dieser Untersuchung aufmerksam beobachtet. Einzelne Lebensversicherer haben schon signalisiert, diesem Verteilungsmodell aufgeschlossen gegenüber zu stehen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |