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Vermögensverwaltung in der Krise (4) Riester- und Rürup-Förderung trifft ihre Zielgruppen

02.09.2010 ·  Lebensversicherungen bleiben populär. An der mangelnden Kostentransparenz gibt es immer wieder Kritik. Das trifft auch die Vorsorgemodelle nach Riester und Rürup.

Von Philipp Kron
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Jung, viele Kinder, überdurchschnittliches Einkommen. Wenn man den Prototyp beschreiben wollte, wer Riester-Förderung bezieht, würde er etwa so aussehen. Denn in diesen Gruppen hat sie eine überdurchschnittliche Verbreitung, wie eine Analyse des Mannheimer Forschungsinstituts Ökonomie und Demographischer Wandel (MEA) zeigt, die auf einer repräsentativen Befragung zum Sparverhalten beruht. Demnach hatten im vergangenen Jahr 37 Prozent der 18- bis 35-jährigen eine Riester-Rente abgeschlossen. Unter den Befragten über 55 Jahren dagegen lag die Quote nur bei 14 Prozent.

Ähnlich zielgenau kommt die Förderung bei Familien mit mindestens drei Kindern an: Dort liegt die Quote inzwischen bei 57 Prozent. In den Haushalten ohne Kinder beträgt sie nur 26 Prozent. Hier macht sich bemerkbar, dass es zur staatlichen Zulage von 154 Euro im Jahr für jedes Kind 185 Euro zusätzlich gibt, und sogar 300 Euro, wenn es nach dem 1. Januar 2008 geboren wurde. Nur ein Ziel ist deutlich schwerer zu erreichen: die unteren Einkommensgruppen zu fördern. Unter den Wohlhabenderen werden mehr als 40 Prozent erreicht, im untersten Einkommensfünftel nur 17 Prozent, obwohl die Zulage im Vergleich zum eigenen Beitrag stärker ins Gewicht fällt.

Viele Zahlen, wenig zu Kosten von Riester-Verträgen

Inzwischen sind 13,9 Millionen Riester-Verträge abgeschlossen worden, der weit überwiegende Teil mit 10,1 Millionen in Versicherungspolicen der unterschiedlichsten Spielarten (klassisch, fondsgebunden, fondsgebunden mit Garantien). 2,7 Millionen Verträge wurden in Investmentfonds, 670.000 in Banksparplänen und 350.000 als Wohn-Riester geschlossen.

Die Kosten der Verträge, die wegen der aufwendigen Förderungsregeln höher sind als bei privaten Rentenversicherungen, werden dem Kunden bislang noch nicht allzu transparent dargestellt. So forderten Ökonomen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung jüngst in einem Gutachten, dass Abschlusskosten, Verwaltungskosten beim Versicherer und Fonds sowie die Kostenquote während der Rentenphase individualisiert vor Vertragsabschluss dargestellt werden sollten. Zudem sollten sie in eine Renditeminderung umgerechnet werden. Solange es aber dazu noch keine einheitlichen Standards gibt, helfen auch hier Kennzahlen der Branchendienste (vgl. Augen auf beim Versicherungskauf), um sich zu orientieren.

8,7 Milliarden Euro hat die staatliche Zulagenstelle deutschen Arbeitnehmern seit 2002 zur Verfügung gestellt. Allein im vergangenen Jahr wurden 2,5 Milliarden Euro ausgezahlt - hinzu kommen die gewährten Steuervorteile. Denn bis zu einer Höhe von 2100 Euro im Jahr kann man Beiträge in eine Riester-Rente von der Steuer absetzen.

Zweifel an der Rürup-Rente

Obwohl die Rürup-Rente nicht als Konkurrenzprodukt zur Riester-Rente erdacht wurde, sondern als weiterer steuerbegünstigter privater Ersatz für die gesetzliche Rente (vom Jahr 2025 an sind bis zu 20.000 Euro steuerlich absetzbar), erfreut sie sich wegen ihrer rigiden Bedingungen nicht allzu großer Beliebtheit.

Sie kann nicht gekündigt werden, auch eine Kapitalauszahlung statt einer Rente ist nicht möglich. Die 1,2 Millionen Kunden mit einer Rürup-Rente sind deswegen zum großen Teil Selbstständige, die von der Riester-Förderung ausgeschlossen sind.

Finanzvertriebe müssen deshalb auch nach sehr speziellen Konstruktionen suchen, um ihren Kunden eine Rürup-Rente schmackhaft zu machen. So empfiehlt beispielsweise MLP manchen Kunden, ihren Berufsunfähigkeitsschutz (BU) auf einem solchen Vertrag mitlaufen zu lassen, damit sie die Beiträge aus unversteuertem Einkommen nehmen können - sofern die BU nicht mehr als die Hälfte des Gesamtbeitrags ausmacht. Ob es sich aber lohnt, dafür auch die rigiden Vertragsbedingungen in Kauf zu nehmen, ist fraglich.

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