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Das Verfahren gegen Carsten Kengeter, Chef der Deutschen Börse, soll fallengelassen werden. Bild: dpa

Deutsche-Börse-Chef : Staatsanwaltschaft fordert halbe Million Euro

  • Aktualisiert am

Das Verfahren wegen Marktmanipulation gegen den Chef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, soll eingestellt werden – gegen eine Zahlung von 500.000 Euro. Eine Anklage ist aber weiter möglich.

          Die Staatsanwaltschaft Frankfurt fordert von Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter 500.000 Euro für die Einstellung des Insiderverfahrens gegen ihn. Das sagte der Vizepräsident des Amtsgerichts Frankfurt, Frank Richter am Mittwoch. Das Gericht muss in der Affäre um Insiderhandel und Marktmanipulation einem Handel zwischen Börse und Staatsanwaltschaft noch zustimmen. Richter rechnet damit „in den nächsten Wochen“. Die Deutsche Börse wollte sich nicht äußern.

          Stimmt das Gericht nicht zu, müsse die Behörde eine andere Möglichkeit finden, das Verfahren zu beenden. Eine Anklage gegen Kengeter sei deshalb immer noch denkbar. Die zwei Bußgeldverfahren gegen das Unternehmen Deutsche Börse will die Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen eine Zahlung von insgesamt 10,5 Millionen Euro einstellen.

          Man teile die erhobenen Vorwürfe nach wie vor nicht, bekräftigte die Deutsche Börse vergangene Woche. Man gehe davon aus, „dass das laufende Ermittlungsverfahren gegen den Vorstandsvorsitzenden der Deutsche Börse AG, Carsten Kengeter, gegen Auflagen eingestellt werden wird“, hieß es bei dem Konzern. Als Auflage war da bereits ein mittlerer sechsstelliger Betrag im Gespräch, den Kengeter aus seinem Privatvermögen zahlen müsste.

          Aktienkauf war „moralische Pflicht“

          Kengeter hatte Mitte Dezember 2015 für 4,5 Millionen Euro 60.000 Deutsche-Börse-Aktien gekauft, die er nicht vor Ende 2019 veräußern darf. Der Konzern packte in dem speziell für ihn geschnürten Vergütungsprogramm 69.000 weitere Anteilsscheine drauf. Gut zwei Monate nach diesem Geschäft machten Deutsche Börse und London Stock Exchange (LSE) ihren Fusionsplan öffentlich, was die Kurse trieb.

          Die Ermittler werfen Kengeter vor, bereits im Sommer 2015 mit der LSE-Führung Gespräche über einen Zusammenschluss geführt und das lukrative Aktiengeschäft in diesem Wissen getätigt zu haben. Der Deutsche-Börse-Aufsichtsrat hatte die Vorwürfe schon kurz nach deren Bekanntwerden als haltlos bezeichnet. Kengeter selbst sprach jüngst von einer „moralischen Pflicht“, die Aktien zu kaufen: Hätte er das Programm nicht genutzt, wäre ihm das womöglich als Misstrauensvotum ausgelegt worden.

          Das Gericht will nach Richters Worten vor seiner Entscheidung zunächst eine Stellungnahme der Finanzaufsicht BaFin einholen. Die Behörde wollte sich dazu nicht äußern. Die BaFin und die hessische Börsenaufsicht prüfen in dem Verfahren nach wie vor die Vertrauenswürdigkeit des Vorstands der Börse. Bis wann sie darüber entscheiden, ist derzeit völlig offen.

          Quelle: makl./Reuters/dpa

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