26.01.2005 · Im vergangenen Jahr standen 200 Börsendebüts an der New Yorker Wall Street ebenso viele Abgänge entgegen. Der Grund: die neuen Bilanzregeln sind zu teuer.
Die schärfer gewordenen Bilanzgesetze in den Vereinigten Staaten sorgen für eine zunehmende Abkehr kleiner Unternehmen von der Wall Street. Der Grund dafür ist in vielen Fällen der gestiegene Aufwand für die Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben. Während im vergangenen Jahr 216 Unternehmen in Amerika an die Börse gegangen waren, haben sich schätzungsweise ähnlich viele wieder von den großen Aktienmärkten verabschiedet.
Nach Erhebungen von Alexander Triantis, einem Finanzprofessor an der Universität von Maryland, hatten 2003 rund 200 Unternehmen einen Antrag auf Einstellung ihrer Notierung (Delisting) gestellt. Für 2004 schätzt Triantis die Zahl der Abgänge ähnlich hoch ein. Im Jahr 2002, also dem Jahr, in dem das Sarbanes-Oxley-Reformgesetz als Reaktion auf zahlreiche Bilanzskandale verabschiedet worden war, hatten sich nur 67 Unternehmen von der Börse zurückgezogen.
Kleine Unternehmen wollen sparen
Bei den Aktiengesellschaften, denen die Kosten zu hoch sind, handelt es sich zumeist um Unternehmen mit niedrigem Börsenwert. So hat die kleine Regionalbank Fidelity Federal Bancorp aus Evansville im Bundesstaat Indiana im vergangenen November das Delisting von der Computerbörse Nasdaq beantragt. Für Fidelity-Vorstandschef Donald Neel steht die Qualität der Rechnungslegung der Bank außer Frage. Aber Neel will die 300 000 Dollar im Jahr sparen, die die Erfüllung der Sarbanes-Oxley-Auflagen erfordert. Für Fidelity, die eine Bilanzsumme von 200 Millionen Dollar haben, ist das eine substantielle Summe. "Sarbanes-Oxley wurde konzipiert, um zusätzliche Transparenz und Sicherheit für Anleger zu schaffen. Anstelle dessen sorgt es dafür, daß Unternehmen wie wir weniger transparent werden", sagte Neel.
Das Sarbanes-Oxley-Gesetz fordert von den Unternehmen unter anderem die persönliche Haftung von Spitzenmanagern für die Bilanz. Dazu müssen Unternehmen jedes Jahr nachweisen, daß ihre internen Finanzkontrollen angemessen und wirkungsvoll sind. "Die Bürden in Zusammenhang mit der Börsennotierung wiegen jegliche Vorteile auf", sagte auch Michael Scharf vom Stahlproduzenten Niagara, der erst kürzlich seine Notierung an der Nasdaq aufgab. Die ebenfalls an der Nasdaq gelistete regionale Restaurantkette Max & Erma's Restaurants aus Ohio erwartet Einsparungen von 450 000 Dollar im ersten Jahr nach ihrer geplanten Deregistrierung. Das Unternehmen hatte im vergangenen Geschäftsjahr 1,1 Millionen Dollar verdient.
Weniger als 300 Aktionäre sind notwendig
Die Personalberatung Korn/Ferry hat die zusätzlichen Kosten für die Erfüllung der Sarbanes-Oxley-Auflagen in einer Studie auf durchschnittlich 5,1 Millionen Dollar im Jahr beziffert. Großkonzerne, darunter auch deutsche Unternehmen, die an amerikanischen Börsen notiert sind, kalkulieren mit einem Aufwand in zweistelliger Millionenhöhe. Damit ein freiwilliger Rückzug von der Börse ein Unternehmen auch aus den Pflichten von Sarbanes-Oxley befreit, muß es allerdings weniger als 300 Aktionäre haben. Ansonsten muß es weiter bei der Börsenaufsicht SEC registriert bleiben, deren Publizitätspflichten und damit die Auflagen von Sarbanes-Oxley erfüllen. Das gilt auch für ausländische Gesellschaften mit amerikanischem Börsenlisting.
Für die ausländischen Konzerne zeichnet sich aber Entspannung ab. Der SEC-Vorsitzende William Donaldson hatte angesichts der Kritik an Sarbanes-Oxley und dem schwierigen Delisting ausländischen Konzernen Entspannung signalisiert (F.A.Z. vom 26. Januar). Unternehmen, die sich von Börsen wie der New York Stock Exchange oder der Nasdaq zurückziehen, müssen allerdings mit negativen Konsequenzen rechnen. So wird die Aufnahme von Kapital für weiteres Wachstum erschwert. Das gilt auch für Akquisitionen per Aktientausch. Der Handel mit Aktien der abtrünnigen Unternehmen wird nicht eingestellt, diese werden im unregulierten Freiverkehr gehandelt, den sogenannten "Pink Sheets". Im Gegensatz zum Börsenlisting gibt es für die Notierung im Freiverkehr keine Mindestanforderungen für Transparenz.
Revidierte Bilanzen steigen
Das Sarbanes-Oxley-Gesetz sorgte auch für eine deutlich gestiegene Zahl von Bilanzkorrekturen. Nach Angaben der Unternehmensberatung Huron ist in den Vereinigten Staaten 2004 die Zahl von Bilanzen, die revidiert werden mußten, um 28 Prozent auf 414 gestiegen. Das resultierte aus Problemen, die wegen der von Sarbanes-Oxley geforderten verschärften internen Kontrolle aufgetaucht waren.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |