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Vanguard trennt sich von MSCI Indexanbieter im heftigen Preiskampf

 ·  Die amerikanische Fondsgesellschaft Vanguard will Lizenzgebühren sparen und wechselt zahlreiche Indizes von MSCI aus. Mit CRSP aus Chicago kommt ein neuer Spieler auf den Markt.

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© AFP Wer zeigt am günstigsten, wie es Amerikas Börse geht?

Unter den großen internationalen Anbietern von Aktienindizes zeichnet sich ein Preiskampf ab. Die größte amerikanische Investmentfondsgesellschaft Vanguard beendet ab Januar für 22 ihrer Indexfonds die Verträge mit der amerikanischen Gesellschaft MSCI, die besonders für internationale Aktienmarktbarometer bekannt ist. Die betroffenen Vanguard-Fonds, die insgesamt 537 Milliarden Dollar verwalten, werden sich zukünftig an den Messlatten des britischen Anbieters FTSE Group sowie der Universität von Chicago (CRSP) orientieren.

Vanguard will damit die Kosten für die Anteilseigner der Fonds drücken. Fondsgesellschaften zahlen Indexanbietern Lizenzgebühren für die Nutzung ihrer Produkte. „Wir haben Lizenzverträge für diese Marktindizes verhandelt, von denen wir uns einen bedeutenden Wertzuwachs für unsere Anteilseigner und langfristig niedrigere Kostenquoten erwarten“, sagte Gus Sauter, der die Anlagen von Vanguard verantwortet.

Indexsparte am profitabelsten

Der Aktienkurs von MSCI reagierte am Dienstag an der New Yorker Börse mit einem Rückgang um 27 Prozent und erholte sich am Mittwoch nur leicht von den Einbußen. Die Gesellschaft war 2007 von der Investmentbank Morgan Stanley abgespalten worden. Neben der Indexabteilung beraten weitere Tochtergesellschaften von MSCI institutionelle Investoren bei der Risikoanalyse sowie bei der Stimmvergabe auf Hauptversammlungen.

Analysten der Kreditbewertungsagentur Standard & Poor’s bezifferten die erwarteten Einbußen für MSCI wegen der Vertragskündigung durch Vanguard auf nur 24 Millionen Dollar und damit rund 3 Prozent der Gesamteinnahmen. „Es ist ein kleiner Teil der gesamten Einnahmequellen“, kommentierten die Analysten. Allerdings ist die Indexsparte am profitabelsten.

Die heftige Reaktion an der Börse signalisiert zudem, dass Anleger angesichts eines sich abzeichnenden Preiskampfs mit weiteren Einbußen rechnen. Vanguard, obwohl in Deutschland kaum bekannt, spielt nämlich eine große Rolle in den Vereinigten Staaten im Bereich Indexfonds und könnte einen Trend auslösen. Die Gesellschaft hatte 1976 den ersten Aktienindexfonds für Privatanleger aufgelegt und diese Anlagen in den vergangenen Jahrzehnten überaus populär gemacht.

Da diese Fonds einen Aktienindex abbilden und keine Fondsmanager bezahlt werden müssen, die die Auswahl und Gewichtung der Wertpapiere bestimmen, sparen Anleger Gebühren. Dazu gelingt es nur einer Minderheit von Fondsmanagern, mit aktivem Management die Entwicklung von Aktienindizes langfristig zu übertreffen. In den vergangenen Jahren haben börsengehandelte Fondsanteile (Exchange Traded Funds, ETF) an Popularität gewonnen. Vanguard ist in diesem Markt die Nummer drei hinter dem großen Vermögensverwalter Blackrock und der Bank State Street.

16 Vanguard-Fonds nutzen zukünftig CRSP-Indizes

Blackrock will an MSCI festhalten. „MSCI ist der Goldstandard für globale und internationale Aktienindizes“, sagte Mark Wiedman, der Leiter von iShares, der ETF-Sparte von Blackrock. Nach Einschätzung von Marktkennern bringt der Rückzug von Vanguard Blackrock nun in eine gute Position, um günstigere Lizenzgebühren mit MSCI auszuhandeln.

Die Fonds von Vanguard verwalten insgesamt knapp 2 Billionen Dollar. Der Tausch der Indexanbieter betrifft also etwas mehr als ein Viertel der Vermögenswerte. Der größte Indexfonds der Gesellschaft, der Vanguard Total Stock Market Index Fund, ist ebenfalls darunter. Der Fonds verwaltet rund 197 Milliarden Dollar und bildet bisher den amerikanischen Aktienmarkt gemessen am MSCI U.S. Broad Market Index ab. In diesem Index sind fast alle an amerikanischen Börsen notierten Aktiengesellschaften enthalten.

Dieser Fonds und die entsprechenden ETF-Anteile werden sich zukünftig am CRSP US Total Market Index ausrichten. CRSP ist die Abkürzung für „Center for Research in Security Prices“, einem auf die Preisfindung bei Wertpapieren spezialisierten Forschungszentrum der Universität Chicago. Seit 2009 kooperierte die Einrichtung mit Vanguard, um einen Serie von Indizes zu entwickeln, die von Fondsgesellschaften genutzt werden können. Vanguard ist der erste Fondsanbieter, der diese Barometer einsetzt. Insgesamt werden 16 Vanguard-Fonds statt MSCI zukünftig CRSP-Indizes nutzen.

Die restlichen sechs Fonds, darunter der auf Schwellenländer ausgerichtete 67-Milliarden-Dollar-Fonds Vanguard Emerging Markets wechseln zu Indizes der FTSE Group. Da die FTSE Group im Gegensatz zu MSCI Südkorea nicht als Schwellenland klassifiziert, könnten die Aktienkurse koreanischer Aktiengesellschaften unter Druck geraten. Vom Tausch und einer höheren Gewichtung profitieren könnten dagegen die Kurse brasilianischer, indischer und russischer Unternehmen.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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