„Man kann es nicht anders als >Desaster< nennen“, meint Peter Luxton, leitender Volkswirt bei Standard & Poor's (S&P) in London zu den amerikanischen Arbeitsmarktdaten. Zwar hätten die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe bereits einen verhangenen Himmel angekündigt, aber sowohl die sinkende Zahl der Beschäftigten als auch die effektive Arbeitslosenquote sei deutlich über den Erwartungen der Finanzmärkte ausgefallen.
Für Luxton haben die robusten Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal, die in der vergangenen Woche noch einmal die Hoffnungen auf ein Soft Landing der amerikanischen Wirtschaft genährt hätten, nur kurzfristig über die bedenkliche Lage in Amerika hinweg täuschen können. Nun seien die Märkte wieder zurück in der Rezessionsdebatte. Auch wenn vor allem die Amerikaner das R-Wort meiden wie die Pest, so sprechen die Fakten für sich. De facto braucht es zwar zwei Quartale mit negativem Wachstum, um von Rezession zu sprechen, aber angesichts des Höhenflugs im vergangenen Jahr müsse man nun doch das hässliche Wort aussprechen.
Noch 75 Basispunkte nach unten
Nach Meinung von Luxton wird die Federal Reserve Bank beim kommenden Treffen des Offenmarktausschusses am 15. Mai den Leitzins noch einmal um 50 Basispunkte senken, was Luxton bereits an den Finanzmärkten als eingepreist sieht. Darüber hinaus rechnet S&P mit einem weiteren kleinen Zinsschritt von 25 Basispunkten bis zum Juli. Die ebenfalls gestiegenen Stundenlöhne wird die Fed derzeit vernachlässigen, meint Luxton. „Die Fed steuert anders als die EZB sowohl die Beschäftigung als auch die Inflation. Und jetzt brennt die Beschäftigung, da dürften Preisrisiken außer Acht gelassen werden.“
Im Vergleich zu Europa stehen die Amerikaner mit einer Arbeitslosenquote von 4,5 Prozent auf dem ersten Blick noch immer gut da. Immerhin sind dies Raten, nach denen sich europäische Politiker die Finger lecken. „Aber die absoluten Zahlen sind nicht zu vergleichen“, meint Luxton. Dies liege zum einen an den Berechnungsmethoden, die stark abweichen, aber auch an der Grundrichtung der Wirtschaft. „Die amerikanische Wirtschaft ist wesentlich volatiler und daher auch anfälliger. Der Anstieg der Arbeitslosenrate in den vergangenen Monaten ist schon ein Debakel für die Konjunktur“, meint Luxton. Dagegen sei die europäische Wirtschaft viel stetiger und damit auch „etwas langweiliger“.
