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Unternehmensanleihen Richtungslose Schwellenmärkte

11.09.2006 ·  Anleger in Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern sind abhängig von der Entwicklung der Konjunktur in den Vereinigten Staaten. Unterbewertete Währungen begrenzen das Risiko für ausländische Investoren.

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Anleger in Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern werden in dieser Woche mehr als sonst auf die amerikanischen Konjunkturdaten achten und mit Unruhe auf die Sitzung der Federal Reserve am kommenden Mittwoch warten. „Wir können im Moment kaum sagen, in welche Richtung der Markt tendieren wird. Es hängt davon ab, wie sich die Konjunktur in den Vereinigten Staaten entwickelt und welche Zinspolitik die Federal Reserve verfolgt“, sagt Peter Eerdmans, Portfoliomanager der südafrikanischen Investmentgesellschaft Investec.

„Die Märkte werden in den kommenden Monaten mit Blick auf die amerikanische Konjunktur nervös reagieren“, sagt Marcel Cassard, Anlagestratege für Schwellenländer bei der Deutschen Bank. „Es gibt sogar ein hohes Risiko, daß wir es angesichts der Entwicklung in Amerika noch einmal erleben, daß der Markt so risikoavers reagiert wie im Mai und Juni.“

Scharfe Korrektur im Mai

Insgesamt geht Cassard aber davon aus, daß die Renditedifferenzen an den Anleihemärkten der Schwellenländer vorerst auf dem derzeitigen Niveau bleiben, möglicherweise sogar noch enger zusammenlaufen. Nach der scharfen Korrektur im Mai haben sich die Anleihemärkte der Schwellenländer wieder deutlich erholt. Im Juni war die Risikoprämie von Unternehmensanleihen der Schwellenländer zwar in die Höhe geschossen. Die Renditedifferenz (Spread) dieser Anleihen gegenüber amerikanischen Staatsanleihen lag deutlich über den Spreads amerikanischer Unternehmensanleihen.

Aber im Juli und August baute sich dieser Risikoaufschlag deutlich ab, Anlagekapital floß in die Märkte zurück und bei Unternehmensanleihen mit der Bonität „BB“ fällt bei Papieren aus den Schwellenländern praktisch kein Renditeaufschlag gegenüber amerikanischen Unternehmensanleihen mehr an. Bei Papieren der Bonität „BBB“ sind es nur noch wenige Basispunkte.

Schwellenländer derzeit besser gewappnet

Cassard ist optimistisch. Die Schwellenländer seien derzeit besser gewappnet, mit einer globalen Schwächephase fertig zu werden als in den vergangenen Jahren: Politisch seien viele Schwellenländer stabiler als früher, Länder wie die Türkei, Brasilien und die Philippinen verfolgten eine verantwortliche Fiskalpolitik. Zudem erzielten viele Länder Leistungsbilanzüberschüsse und verbuchten gleichzeitig mehr Direktinvestitionen aus dem Ausland. Die Währungen vieler Schwellenländer seien zudem unterbewertet - sie bieten damit für ausländische Anleger, die Anleihen in lokaler Währung erwerben, eine Art Sicherheitspolster.

Gleichzeitig werden die Renditen von Unternehmensanleihen an den Schwellenmärkten stark von den Renditen amerikanischer Unternehmensanleihen beeinflußt. Cassard sieht diesbezüglich keine Gefahren für die Kurse. Denn die Bilanzen der amerikanischen Unternehmen seien gesund und derzeit relativ wenig Konkurse zu beobachten. Die meisten Unternehmen kämen mit der schwächeren Konjunktur in Amerika gut zurecht.

Schwächere Nachfrage Amerikas

Trotz des Optimismus tüfteln Portfoliomanager an Anlagestrategien, die unterschiedliche globale Konjunkturszenarien ins Kalkül ziehen: Sollte die Federal Reserve ihre Zinserhöhungen nun doch fortsetzen, wären Länder mit hohen Leistungsbilanzdefiziten wie Ungarn, Südafrika und die Türkei am meisten gefährdet, aber auch Länder, die auf hohe ausländische Kapitalzufuhr angewiesen sind wie Ecuador und Brasilien. Anders hingegen wäre es bei einem ausgeprägten Konjunktureinbruch in den Vereinigten Staaten; dies würde die Anleihemärkte in Venezuela, Mexiko und Brasilien stärker in Mitleidenschaft ziehen, warnt Cassard.

Auch asiatische Anleihemärkte, die dann von der schwächeren Nachfrage Amerikas betroffen wären, würden leiden. „Die Frage ist jedoch, ob das Wachstum zum Beispiel in China und Indien nicht weiter für eine starke Rohstoffnachfrage sorgt, mithin die Märkte in Mexiko, Brasilien und Chile sogar stützt“, gibt Eerdmans zu bedenken. Er hat verstärkt Anleihen dieser Märkte in sein Portfolio genommen.

Bessere Kreditwürdigkeit der Unternehmen

„Wer immer Unternehmensanleihen aus Schwellenländern auswählt, muß sich die Erklärungen zu den Ratings genau ansehen, vor allem wenn das Rating gerade heraufgesetzt wurde“, warnt Anne J. Milne, Analystin im Bereich Schwellenländer der Deutschen Bank. „Oft drückt das Rating nicht das aus, was man als Anleger erwartet hat.“

Nur 42 Prozent der Bonitätsbewertungen von lateinamerikanischen Unternehmensanleihen, die zum Beispiel seit Anfang 2005 heraufgesetzt wurden, hatten überhaupt etwas mit der besseren Kreditwürdigkeit der Unternehmen zu tun. Meistens ging die Anpassung auf eine Änderung der Bewertungskriterien zurück oder sie war lediglich eine Folge der verbesserten Bonität des Staatsschuldners.

Quelle: bes. / F.A.Z., 12.09.2006, Nr. 212 / Seite 21
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