15.01.2009 · Wer heute Geld zu verleihen hat, kann sich vor Angeboten kaum retten. Die Banken brauchen es, die Unternehmen brauchen es, die Staaten sowieso. Und endlich taut der Markt für Neuemissionen wieder auf.
Von Stefan Ruhkamp und Martin HockAnders als in früheren Belebungsphasen seit Beginn der Finanzkrise sind Unternehmensanleihen wieder im größeren Stil im Angebot. Innerhalb von fünf Tagen wurden mehr als 13 Milliarden Euro eingesammelt, mehr als im gesamten ersten Quartal des Jahres 2008. Für Zinsinvestoren sind diese einen Blick wert, auch wenn das Risiko von Zahlungsausfällen stark gestiegen ist, und die Wirtschaftskrise noch vor uns liegt. Aber Staatsanleihen scheinen nicht mehr attraktiv (vgl. Staatsanleihen scheinen ausgereizt).
Inflation macht lange Laufzeiten weniger interessant
Steigende Inflationsraten wären zwar auch für Unternehmensanleihen eine schwere Belastung, aber angesichts immer noch hoher Risikoprämien und attraktiver Zinsen wäre das besser auszuhalten. Kurze und mittlere Laufzeiten von Emittenten mit gutem Ruf können deshalb auch für an Sicherheit interessierte Anleger eine Option sein.
Die Deutsche Telekom hat eine achtjährige Anleihe über zwei Milliarden Euro begeben, die mit 6 Prozent verzinst ist. Die Mindestanlage von 1000 Euro ist für Privatanleger erschwinglich. Die Telekom hat zwar kein erstklassiges Rating, aber sie erwirtschaftet hohe Mittelzuflüsse, und dürfte zu den Unternehmen zählen, die der Staat im Fall der Fälle nicht untergehen lassen würde. Allerdings spricht wegen des Inflationsrisikos die lange Laufzeit gegen diese Anleihe.
Auto-Anleihen: Die Wette aufs Überleben
In dieser Hinsicht sind die Anleihen der Autohersteller BMW und Daimler freundlicher. Die neue BMW-Anleihe bindet den Anleger nur für dreieinhalb Jahre. Sie ist mit gut 6,3 Prozent verzinst. Die Daimler-Titel laufen fünf Jahre und ermöglichen Käufern eine Rendite von gut 7,6 Prozent. Bei solchen Zinsen ließe sich eine Phase mit hohen Teuerungsraten ganz gut aussitzen.
Die Rolle des Gläubigers von Autoherstellern einzunehmen erfordert derzeit allerdings besonders gute Nerven. Denn der Branche steht ein Schreckensjahr bevor. Die Abwrackprämie der Bundesregierung dürfte sich wohl bald als wirkungslos herausstellen (vgl. Autoindustrie jubelt über Abwrackprämie).
Es ist also absehbar, dass der Absatz der Hersteller wegbrechen wird. Es stehen verlustreiche Jahre bevor, und der Anleihekauf ist schlicht eine Spekulation darauf, dass die großen deutschen Hersteller überleben werden. Es gibt schlechtere Wetten.
Bertelsmann lockt
Der Markt hält derzeit sogar einige Raritäten bereit. So hat der Medienkonzern Bertelsmann eine neue Anleihe mit einem Volumen von 500 Millionen Euro begeben. Kleinanleger sind mit einer Mindestanlage von 1000 Euro offenbar willkommen. Überhaupt scheinen die Emittenten die private Kundschaft als Geldquelle wiederzuentdecken. Etwa die Hälfte der neuen Anleihen ist seit Jahresbeginn mit der für Kleinanleger freundlichen Stückelung begeben worden.
Bertelsmann lockt mit einem Kupon von knapp 7,8 Prozent für eine fünfjährige Anleihe. Da der Kurs schon über den Nennwert gestiegen ist, können Käufer inzwischen mit einer Rendite von gut 7,5 Prozent rechnen.
Das ist immer noch erheblich mehr als Anleihen von Schuldnern derzeit bieten, die mit Bonitätsnoten von „Baa1“ bzw. „BBB+“ ähnlich solide eingestuft werden wie Bertelsmann. Unter anderem gehört dazu die Deutsche Telekom, deren neue achtjährige Anleihe anderthalb Prozentpunkte unter dem Bertelsmann-Papier rentiert.
Erstklassiges von amerikanischen Universitäten
Nicht nur als solide, sondern als besonders clever galten die amerikanischen Universitäten. Sie legten ihr Geld so erfolgreich an, dass das Stiftungsvermögen jährlich um zweistellige Prozentraten wuchs. Das war vor der Finanzkrise. Jetzt verflüchtigt sich das Vermögen in atemberaubenden Tempo, denn die ehrwürdigen Universitäten haben an die Wunder der Hedge-Fonds geglaubt. Nun sollen Anleihen frisches Geld beschaffen (siehe Eliteuniversitäten zapfen Anleihenmarkt an).
Das Interesse auf Investorenseite ist groß, da kaum die Gefahr von Zahlungsausfällen gesehen wird. Schließlich verfügen die Bildungseinrichtungen über vielfältige Einnahmequellen wie Studiengebühren, Spenden oder den Verkauf von Vermögenswerten.
Princetons zehnjährige Anleihe wird mit 4,95 Prozent verzinst, die dreißigjährige Tranche mit 5,7 Prozent. Harvard zahlt für für gleiche Laufzeiten 6 bzw. 6,5 Prozent.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |