06.06.2003 · Angestellte behutsam von ihrer Entlassung zu unterrichten ist im Grunde genommen eine aussichtslose Aufgabe. In London aber greifen Umgangsformen um sich, die Zweifel an jeglichem guten Willen aufkommen lassen.
Beschäftigte schonend von ihrer Entlassung zu unterrichten ist im Grunde genommen eine unmögliche Aufgabe. In der Londoner City aber greifen Umgangsformen um sich, die Zweifel an jeglichem guten Willen aufkommen lassen.
Mike Newman, Aktienbroker bei ABN Amro, freute sich am 23. Mai auf ein schönes Wochenende, als er von der Parkgarage aus den Heimweg antreten wollte. Doch er konnte mit seinem Motorrad die Garagenschranke nicht passieren, weil sein elektronischer Paß versagte. Nach kurzer Recherche stieß er auf den Grund: Er sollte am kommenden Dienstag entlassen werden, und ein besonders eifriger Mitarbeiter hatte offenbar zu früh den Garagenpaß sperren lassen. "Das ist ein bedauernswerter Fehler. Wir haben eine Untersuchung eingeleitet, um sicherzustellen, daß so etwas nicht mehr vorkommt", sagt ein Sprecher von ABN Amro in London.
"Ich glaube, die Sitten verfallen"
Ein Einzelfall? Nur wenn man auf die Nuancen achtet. Denn zuvor sind schon Fälle bekanntgeworden, in denen Angestellte anderer Unternehmen von ihrer Entlassung erfuhren, als sie morgens nicht mehr in die Parkgarage hineinkamen. Die Ausfahrt zu blockieren dagegen war neu. "Ich glaube, die Sitten verfallen", sagt Nick Wood, Wirtschaftsprüfer beim Insolvenzverwalter Begbies Traynor in London. "Mit Emails und Textmessages und all diesem Zeug, denken wir immer weniger an die Menschen", meint er. Nach britischem Recht gibt es für die Arbeitgeber keine Anforderungen, wie sie Beschäftigte von ihrer Entlassung informieren sollen. Kündigungsfristen sind zwar vorgeschrieben, doch vor allem bei Insolvenzen nutzen diese den Betroffenen nur wenig, weil die Gehaltszahlungen in der Regel sofort unterbleiben.
Die bankrotte Finanzgesellschaft Accident Group kam kürzlich in die Schlagzeilen, als die Insolvenzverwalter Price Waterhouse Cooper einen Großteil der 2400 Mitarbeiter über Textbotschaften auf ihre Handys von der Entlassung unterrichtete. Die Betroffenen waren aufgebracht, und durch die Presse ging ein Aufschrei. Price Waterhouse will offiziell dazu keine Stellung nehmen, doch im Umkreis des Unternehmens heißt es: "2400 Leute zu einem Treffen einzuberufen, ist logistisch sehr schwierig. Es ging aber darum, die Leute möglichst schnell zu verständigen, daß sie kein Geld mehr bekommen. Lastschrifteinzugverfahren auf den Kontos müssen beispielsweise gestoppt werden. Einige Mitarbeiter waren wahrscheinlich im Urlaub und konnten nur auf diese Art erreicht werden."
Handy-Kündigung noch die feinfühlige Variante
Verglichen mit anderen Fällen gehört die Handy-Kündigung noch zu den feinfühligen Varianten des Personalabbaus. Insolvenzverwalter Wood berichtet von einer Firma in der Londoner City, die eines Tages den Feueralarm auslöste, damit alle Mitarbeiter das Gebäude verlassen.
Später wurden jene nicht mehr hineingelassen, deren Arbeitsplatz gestrichen worden war. In einem anderen Fall soll eine amerikanische Investmentbank eine Lotterie unter den Mitarbeitern veranstaltet haben. Wer die Nummer null gezogen hatte, bekam freilich keinen Preis, sondern das Kündigungsschreiben. Wood will keine Firmennamen nennen, besteht aber auf dem Wahrheitsgehalt dieser Geschichten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |