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Unternehmen Britische Kartellbehörde gibt keinen Freibrief für LSE-Kauf

29.07.2005 ·  Bedenken äußert die britische Wettbewerbsbehörde gegenüber einer Übernahme der London Stock Exchange durch einen ausländischen Börsenbetreiber. Die Euronext beeindruckt das aber derzeit noch wenig.

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Nach Ansicht der britischen Wettbewerbsbehörde würde eine Übernahme der Londoner Börse LSE durch die Deutsche Börse oder Euronext den Wettbewerb beträchtlich verringern. Dies hat die Competition Commission in einer vorläufigen Stellungnahme am Freitag bekanntgegeben. Das Votum der Behörde wird aber nicht als ein Hindernis für weitere Verhandlungen zwischen der LSE und Euronext gewertet.

Die Competition Commission begründet die Einschränkung des Wettbewerbs damit, daß beide potentiellen Käufer Kontrolle über die dem Handel nachgelagerte Abwicklung der Wertpapiergeschäfte (Clearing) besitzen. Börsen, die mit der LSE konkurrieren wollen, brauchen dafür einen Zugang zu diesen Dienstleistungen. Dieser wäre aber schwer zu bekommen. Denn Euronext ist an LCH.Clearnet beteiligt, die für die LSE abwickelt. Die Deutsche Börse besitzt vollständig die Eurex Clearing AG, die für den deutschen Markt zuständig ist. Bei einer Fusion mit der LSE hätte sie aber eventuell auch für den Londoner Markt aktiv werden sollen.

Brautwerbung nach altem Muster

Die Behörde hat vorgeschlagen, bei einer Fusion sollte der Interessent die Kontrolle über das Clearing abgeben. Als einziger echter Interessent gilt derzeit nur Euronext, die französisch dominierte Fünf-Länder-Börse. Die Deutsche Börse hatte im Dezember zwar ein inoffizielles Übernahmeangebot vorgelegt, dieses aber wegen des Widerstands angelsächsischer Aktionäre im März zurückgezogen. Sie bat dennoch um eine wettbewerbsrechtliche Prüfung, weil sie sich die Option eines abermaligen Angebots offenhalten will.

Euronext nahm ebenfalls im Dezember Verhandlungen auf und hält weiter an den Übernahmeplänen fest. Die LSE wiederholte am Freitag ihre Aussage, sie habe weiter Vertrauen in die Wachstumsaussichten als unabhängige Börse. Unter den richtigen Bedingungen könnte aber auch ein Zusammenschluß mit einer großen Börse sinnvoll sein.

Die Deutsche Börse begrüßte, daß die Competition Commission die wettbewerbsrechtliche Position für sie und Euronext gleich bewertet. Im Gegensatz zu Euronext biete die Deutsche Börse derzeit keine Clearing-Dienstleistungen für den Londoner Markt an. Daher stelle sich für sie nicht die Frage eines generellen Rückzugs aus Clearing-Aktivitäten. Allerdings ignoriert sie damit die Tatsache, daß bei einer Fusion der Einstieg von Eurex Clearing auch für den Londoner Markt vorgeschlagen werden sollte.

Feilschen um Pence

Euronext teilte offiziell nur mit, daß sie eng mit der britischen Wettbewerbsbehörde sowie „den anderen betroffenen Marktakteuren zusammenarbeiten“ wolle. In Unternehmenskreisen sowie unter Marktbeobachtern herrschte indes die Ansicht vor, daß die Anforderungen der Competition Commission erfüllbar sind. Euronext hat vor zwei Jahren die Mehrheit von LCH. Clearnet abgegeben und die verbleibende Beteiligung im Gegensatz zur Deutschen Börse mit Eurex Clearing nie als Kernelement der Geschäftsstrategie angesehen.

Heute hält Euronext noch knapp 42 Prozent des Kapitals, wobei die Stimmrechte auf knapp 25 Prozent beschränkt sind. Vier von achtzehn Board-Sitzen werden von Euronext besetzt, wovon einen die LSE-Chefin Clara Furse besitzt. Ein weiterer Abbau der Beteiligung, eine zusätzliche Beschränkung des Einflusses auf LCH.Clearnet oder ein Verkauf der ganzen Beteiligung, wenn man einen Käufer findet, gelten als möglich.

Insofern sieht Euronext seine Chancen auf eine Übernahme der LSE gestiegen. Die Frage jedoch bleibt, zu welchem Preis. Bis zum Ende der Untersuchung, die sich bis in den Herbst hinziehen kann, dürften keine Verhandlungen aufgenommen werden. In Kreisen von Euronext wurde jetzt schon einmal kolportiert, daß man 700 Pence je Aktie nicht hinnehmen werde. Dieser Preis soll einmal von der LSE genannt worden sein, hieß es in Finanzkreisen.

Die Deutsche Börse hatte 530 Pence geboten. Der Hedge-Fonds TCI, der die Rebellion bei der Deutschen Börse anführte, ist auch bei Euronext investiert. TCI-Chef Chris Hohn hat betont, daß er kein Angebot für mehr als 400 Pence akzeptieren werde. Die Frage ist, ob er in seinem Widerstand Verbündete findet. Alain Dupuis, Analyst bei Oddo Securities, hält es für möglich, daß Euronext über 600 Pence gehen könnte.

Der Aktienmarkt geht nach dem Beschluß der Behörde davon aus, daß eine Fusion weiter möglich ist. Denn der Kurs der LSE stieg am Freitag zeitweise um mehr als drei Prozent auf 531 Pence. der von Euronext um 2,5 Prozent auf 31,70 Euro.

Quelle: F.A.Z., 30.07.2005, Nr. 175 / Seite 19
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