28.10.2008 · Die Zahlungsfähigkeit der Ukraine scheint im Zuge der Finanzkrise, die das schwache Bankensystem des Landes stark gebeutelt hat, bedroht. Ein Kredit des IWF könnte das strauchelnde Land stabilisieren.
Die Renditen der mit „B1“ bzw. B bereits ursprünglich schwach bewerteten Anleihen der Ukraine kletterten von Mitte September auf Spitzenwerte von bis zu 129 Prozent für die 2011 fällige und mit 6,875 Prozent verzinste Anleihe.
Seit Montag haben sich die Renditen wieder etwas erholt. Warf die 2015 fällige und mit 4,95 Prozent verzinste Euro-Anleihe am 21. Oktober noch eine Rendite von 27,5 Prozent ab, so ist diese mittlerweile auf 21,9 Prozent gefallen.
IWF sorgt für Entspannung
Mit zu der Erholung beigetragen haben dürfte die Tatsache, dass der Internationale Währungsfonds dem Land einen Kredit in Höhe von 16,5 Milliarden Dollar gewähren wird. Analysten zufolge zeigt die unerwartete hohe Summe, dass die Zahlungsfähigkeit und die Währung der Ukraine stark bedroht sind. Immerhin beläuft sich die Finanzspritze auf etwa die Hälfte der Währungsreserven des Landes.
Ziel des Kredits sei eine Stabilisierung der Situation des Landes. Regierungschefin Julia Timoschenko will das Geld vor allem zur Unterstützung der Banken einsetzen. Nun soll das Parlament rasch ein Maßnahmenpaket verabschieden. Die Hilfe des IWF ist an einen Ausgleich des hoch defizitären Staatshaushaltsgeknüpft.
Am Montag hatte bereits der stellvertretende Regierungschef Grigorij Nemyria harte und unpopuläre Maßnahmen aufgefordert. Die Ukraine werde sich außerdem um einen Kredit der Weltbank bemühen.
Abhängig vom Auslandskapital
Noch stärker als Rumänien ist die Ukraine von ausländischem Kapital abhängig. Die Hälfte aller Kredite sind Fremdwährungskredite. In der Tschechischen Republik ist es rund ein Achtel.
Die Nationalwährung Hrywna hat seit September deutlich an Wert eingebüßt. Um einen Bankensturm und einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu vermeiden, hatte die Nationalbank Mitte des Monats die Kreditvergabe der Banken, den Handel mit ausländischen Währungen und vorfristige Abhebungen von Termingeldern untersagt.
Analysten haben aber Hoffnung, dass sich die Situation stabilisiert. „Das IWF-Geld ist wie ein Sicherheitskissen und hat vor allem eine psychologische Wirkung“, sagte der Kiewer Wirtschaftsexperte Igor Burakowski. Die Regierung wertet den IWF-Kredit als Vertrauensbeweis.
Alle kann der IWF nicht retten
Maryan Zablotskyy, Analyst der Ersten Bank, sieht gute Chancen für eine langfristige Rückkehr des Vertrauens. Die projizierte Staatsverschuldung von acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts sei die niedrigste in ganz Osteuropa, die kurzfristige Auslandsverschuldung voll ständig von den Währungsreserven gedeckt. Auch dem Abwärtstrend der Hrywna kann er angesichts des Leistungsbilanzdefizits durchaus positive Aspekte abgewinnen.
Indes könnte die Dynamik der Finanzkrise zur Vorsicht mahnen. So hat Großbritanniens Premierminister Gordon Brown Länder mit großen Währungsreserven zur Aufstockung der finanziellen Mittel des IWF aufgerufen. Mit Blick auf die wachsenden Erschütterungen durch die Finanzkrise sagte der britische Premierminister am Dienstag, die die dem IWF zur Verfügung stehenden Mittel seien möglicherweise nicht ausreichend.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |