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Übernahmen Wall Street hofft auf anschwellende Fusionswelle

 ·  Nach einer Dürrephase von gut drei Jahren rechnen Investmentbanker an der Wall Street für das kommende Jahr mit einer steigenden Zahl von Fusionen und Übernahmen.

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Investmentbanker an der Wall Street rechnen für das kommende Jahr mit einer steigenden Zahl von Fusionen und Übernahmen. Nach einer Dürrephase von fast drei Jahren gab es in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres eine vorsichtige, aber spürbare Erholung in diesem Geschäft.

Die Flaute hatte mehrere Ursachen. Bilanzskandale, der Krieg im Irak, eine unsichere Konjunkturlage und die daraus resultierende Schwäche des Aktienmarktes waren Anlaß für die Zurückhaltung der verantwortlichen Manager in den Unternehmen. Die Geschäftsführer konzentrierten sich in den vergangenen Jahren eher darauf, die Bilanz in Ordnung zu bringen und ihren Konzern durch die Schwächephase zu steuern, als auf Wachstum durch potentiell risikoreiche Akquisitionen zu setzen. Zudem minderte die Baisse den Wert der Akquisitionswährung Aktie. Im Gegenzug waren Aktionäre von Übernahmekandidaten auch nicht immer bereit, zu einem niedrigen Preis zu verkaufen.

Bessere Bedingungen

Die seit März steigenden Aktienkurse und die Konjunkturerholung verbessern aber nun die Bedingungen für Fusionen. "Es gibt einige Unternehmen, die sich in den vergangenen Jahren mit Transaktionen zurückgehalten haben, bis sich die Konditionen für den Markt und das Geschäft wieder verbesserten", sagt Steven Baronoff, der bei der Investmentbank Merrill Lynch für Fusionen und Übernahmen (M&A) zuständig ist. Das Niveau der laufenden Gespräche und die Zahl der geplanten Transaktionen signalisierte eine merkliche Erholung in diesem Jahr.

Im vergangenen Jahr war das Volumen der weltweit angekündigten Transaktionen um 10 Prozent auf 1330 Milliarden Dollar gestiegen. Das liegt immer noch deutlich unter dem Fusionsvolumen des Jahres 2000, als Unternehmen Fusionen im Wert von 3400 Milliarden Dollar besiegelt hatten. Auf die Vereinigten Staaten entfielen 2003 rund 520 Milliarden Dollar, ein Anstieg um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Goldman Sachs an der Spitze

Weltweit die Spitzenposition bei der Beratung rund um Fusionen und Übernahmen hält die Investmentbank Goldman Sachs, gefolgt von den Konkurrenten Morgan Stanley und Citigroup.

Knapp 40 Prozent des Fusionsvolumens entfielen im vergangenen Jahr auf das vierte Quartal. Dazu gehörte die Übernahme der großen Regionalbank Fleet Boston Financial durch Bank of America für 49 Milliarden Dollar. Diese Transaktion war Ende Oktober angekündigt worden. Nur drei Wochen später machte der Versicherer St. Paul Cos. mit der geplanten Übernahme des Konkurrenten Travelers Property Casualty Corp. für 16 Milliarden Dollar Schlagzeilen.

Diese Fusionen waren klare Wetten auf Größe und steigende Marktanteile. Die erste Jahreshälfte wurde dagegen von Transaktionen dominiert, in denen Unternehmen einzelne Geschäftsbereiche abstießen, um sich auf ihre Kernbereiche zu konzentrieren. So verkaufte die Warenhauskette Sears, Roebuck & Co. ihr Kreditkartengeschäft für 3 Milliarden Dollar an die Citigroup. Ebenfalls auffällig war das starke Engagement von Beteiligungsgesellschaften, die Transaktionen im Wert von über 50 Milliarden Dollar umsetzten.

Investmentbanker setzen auf weiteren Konsolidierungsbedarf

Die Hoffnung der Investmentbanker richtet sich jetzt auf Branchen mit weiterem Konsolidierungsbedarf. Dazu gehören Unternehmen etwa aus der Finanzbranche und dem Gesundheitswesen. "Verwaltungsräte und Management-Teams schenken möglichen Akquisitionschancen so viel Aufmerksamkeit, wie ich es in den vergangenen 24 Monaten nicht mehr gesehen habe", sagte Cary Kochman, M&A-Chef für die Amerika-Regionen bei der Investmentbank Credit Suisse First Boston.

Wie sich 2004 für Fusionen anläßt, könnte von der Reaktion der Wall Street auf die ersten Transaktionen abhängen. Die Übernahme von Fleet Boston ist von den Investoren nicht begrüßt worden. Anleger hielten den Aufschlag von 40 Prozent, den die Bank of America zahlte, für zu hoch.

Die Folge: Der Aktienkurs der Bank of America brach ein. Die Skepsis im Markt gilt einigen Fachleuten als Grund, warum weitere Fusionsgespräche im vergangenen Jahr wie die zwischen den großen Telefongesellschaften Bell South und AT&T ergebnislos abgebrochen worden waren.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.01.2004, Nr. 8 / Seite 19 , nks.
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