06.07.2006 · Kurzfristig orientierte Investoren spielen eine immer größere Rolle bei Übernahmen und Börsengängen. Die Erwerber der Unternehmen ziehen aus dem Ansturm der Hedge-Fonds allerdings oft finanzielle Nachteile.
Hedge-Fonds bestimmen immer mehr über das Wohl und Wehe von Übernahmen börsennotierter Unternehmen. Bei zahlreichen Großübernahmen der vergangenen Monate haben sich diese Investoren in die beteiligten Unternehmen mit viel Geld eingekauft. Im Fall der Akquisition des britischen Industriegaseherstellers BOC durch die Wiesbadener Linde AG seien in den 30 Tagen nach der Ankündigung des Übernahmevorhabens 85 Prozent der Aktienkäufe über die Börse auf das Konto von Hedge-Fonds gegangen, berichtet Kai Tschöke, Managing Director der Investmentbank Morgan Stanley. Bei dem Erwerb des Pharmakonzerns Schering durch den Wettbewerber Bayer seien es sogar 88 Prozent gewesen.
Diese Präsenz der häufig gerügten Hedge-Fonds sei für eine Übernahme grundsätzlich positiv, sagt Tschöke. Denn sie erhöhe die Wahrscheinlichkeit dafür, daß die Transaktion zu einem angemessenen Preis zustande komme. Dies hätten die Unternehmen mittlerweile erkannt und kommunizierten mehr als früher mit derartigen Investoren. Dem Erwerber des Unternehmens gereicht ein derartiger Ansturm der Hedge-Fonds jedoch meistens zum Nachteil.
„Merger Arbitrage“ als erfolgreichste Strategie
Denn die Hedge-Fonds spekulieren bei den Übernahmen auf eine Aufstockung des Gebotes oder einen entstehenden Bieterkampf. Sind sie nicht mit der Höhe der Übernahmeofferte einverstanden, dann gehen sie auf die Barrikaden. Wie etwa bei der Düsseldorfer Zeitarbeitsgesellschaft DIS. Dort verlangt der amerikanische Hedge-Fonds Elliott Associates vom Mehrheitsaktionär Adecco ein höheres Abfindungsangebot für die verbleibenden Aktionäre.
Diese „Merger Arbitrage“ genannte Anlagestrategie zähle mit einer Rendite von 8,3 Prozent im ersten Quartal zu den derzeit erfolgreichsten in der Hedge-Fonds-Branche, sagt Tschöke. Gelegenheiten für diese Strategie bieten sich den Hedge-Fonds reichlich: Der Markt für Übernahmen und Fusionen (M&A) nähert sich Rekordhöhen. Nach Zahlen von Thomson Financial wurden im zweiten Quartal weltweit Transaktionen im Wert von 930 Milliarden Dollar angekündigt, das dritthöchste Volumen der Geschichte.
Übernahmen „mehr oder weniger feindlich“
Die jüngste Kurskorrektur an den Aktienmärkten werde den Übernahmedrang der Konzerne nicht stoppen, sagt Carsten Dentler, Leiter des deutschsprachigen Investmentbankings von Morgan Stanley. Vielmehr steuere der M&A-Markt darauf zu, den Rekordwert des Jahres 1999 von 3,2 Billionen Dollar zu übertreffen. Denn der Markt für Fremdfinanzierungen sei weiterhin sehr liquide und die Bargeldkassen der Unternehmen noch gut gefüllt.
Ebenso wie in Gesamteuropa sind in Deutschland laut Tschöke drei Trends zu beobachten. Die Übernahmen würden größer, seien zunehmend grenzüberschreitend und häufiger als früher „mehr oder weniger feindlich“ - wie zuletzt der Versuch von Merck gezeigt hatte, Bayer im Rennen um Schering auszustechen und den Wettbewerber gegen den Willen des Managements zu übernehmen.
Schwierigkeiten für die Neuemissionen
Auch bei Börsengängen sind Hedge-Fonds nicht selten Zünglein an der Waage. Nach Daten von Morgan Stanley haben diese in ihrer Anlagestrategie weitgehend freien Fonds im vergangenen Jahr bei europäischen Aktienemissionen 40 Prozent des Volumens gezeichnet. Mit dieser wichtigen Rolle erklären Fachleute zum Teil die Schwierigkeiten für die Neuemissionen der vergangenen Wochen, weil viele Hedge-Fonds nach den Kurseinbrüchen ihre Investitionen verringern mußten und deshalb keine neuen Aktien zeichnen konnten.
Dirk Notheis, ebenfalls Leiter Investmentbanking für Deutschland und Österreich von Morgan Stanley, rechnet trotz der jüngsten Durststrecke für das zweite Halbjahr mit einigen Börsengängen in Deutschland. „Es werden wohl nicht so viele wie im ersten Halbjahr an die Börse gehen, aber eine zweistellige Zahl sollte möglich sein.“ Dabei werde der Immobiliensektor in den Vordergrund rücken, aus dem eine Reihe von Unternehmen in den Startlöchern stehe. Diese strebten an die Börse, unabhängig davon, ob zum Jahresbeginn 2007 die steuerbegünstigten Immobilienaktiengesellschaften (Reits) eingeführt werden oder nicht. Manche würden dann im kommenden Jahr vielleicht in eine Reits-Struktur wechseln.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |