25.07.2006 · Private-Equity-Fonds stemmen immer größere Übernahmen. Das nötige Geld bekommen sie problemlos. Doch manche in der Branche stellen sich die Frage: Wie werden wir unsere milliardenschwere Beteiligung wieder los?
Die großen angelsächsischen Beteiligungsfonds manövrieren sich mit immer größeren Firmenkäufen in eine selbstgestellte Ausstiegsfalle. Mit zahlreichen Übernahmen im Wert von mehr als 5 Milliarden Dollar riskieren amerikanische und britische Finanzinvestoren, in ein paar Jahren keine Abnehmer für diese Unternehmen zu finden. Denn nur selten lassen sich derart große Brocken an einen Wettbewerber verkaufen. „Die Börse ist oft der einzige Ausstiegskanal. Das birgt aber das großes Risiko, daß die Finanzmärkte einige Jahre lang nicht aufnahmefähig sind“, warnt Peter Laib, Geschäftsführer des Schweizer Dachfonds Adveq.
Die zunehmende Abhängigkeit von den Kapitalmärkten dürfte allerdings den Investoren der Beteiligungsgesellschaften - unter anderem Pensionsfonds, Stiftungen, Versicherungen - keine Freude bereiten. Denn sie suchen gerade nach lukrativen Anlagechancen, die sie unabhängiger von Aktien und Anleihen machen. Fachleute rechnen ohnehin mit sinkenden Renditen in der Branche. Nach einem Projektionsmodell des Münchener Forschungsinstituts Center of Private Equity Research (Cepres) könnten die Renditen im Segment für fremdfinanzierte Unternehmenskäufe (Buyouts) in den nächsten Jahren von 17 Prozent auf Werte im oberen einstelligen Bereich abrutschen.
„Quick Flipps“ liegen im Trend
Auf den ersten Blick macht sich unter manchen Beteiligungsfonds schon eine Art Torschlußpanik breit. Beispielsweise bereiten die Finanzinvestoren Clayton Dubilier & Rice (CD&R), Carlyle Group und Merrill Lynch Global Partners derzeit den Börsengang des für 15 Milliarden Dollar erworbenen Autovermieters Hertz vor - gerade einmal sieben Monate nach dem Einstieg. Und angeblich planen Apax sowie die Texas Pacific Group (TPG) nach nur einem Jahr den Verkauf des griechischen Telekomkonzerns Tim Hellas. Diese im Branchenjargon als „Quick Flipps“ bezeichneten raschen Ein- und Ausstiege aus einem Unternehmen liegen im Trend.
„Man wird das in Zukunft häufiger sehen“, sagt Hermann Prelle, Leiter des deutschen Investmentbankings der UBS. Je größer das Unternehmen, desto geringer das Wertsteigerungspotential. Ein kleines, schnell wachsendes Technologieunternehmen kann seinen Wert durchaus binnen einiger Jahre verzehnfachen, bei einem Unternehmen wie Hertz ist das unmöglich. Eine hohe Rendite erzielen die Finanzinvestoren somit, indem sie das Unternehmen möglichst schnell an der Börse abladen. „Es gab in den vergangenen 18 Monaten ein paar Fälle, wo in einem Jahr Haltezeit außerordentlich hohe Renditen erzielt wurden“, sagt Laib.
Übernahmen mit mehr als zwei Dritteln Fremdkapital
Noch bereitet der Ausstieg den Finanzinvestoren keine größeren Schwierigkeiten. Neben der aufnahmefähigen Börse bietet der ungewöhnlich liquide Fremdfinanzierungsmarkt einen Weg, sich rechtzeitig die Rendite zu sichern. Das Stichwort heißt Rekapitalisierung. Dabei laden die Beteiligungsfonds dem Unternehmen weitere Schulden auf und genehmigen sich mit diesem Geld eine Sonderdividende. Ein Brancheninsider erzählt von einem Unternehmen, bei dem der Finanzinvestor durch einen „Recap“ nach sechs Monaten das Doppelte seines Eigenkapitaleinsatzes wieder eingespielt hat und trotzdem noch zu 100 Prozent der Eigentümer ist. Private-Equity-Fonds finanzieren die Übernahmen üblicherweise zu mehr als zwei Dritteln mit Fremdkapital. Diesen Schuldenberg muß das gekaufte Unternehmen dann selbst abtragen.
Dank der riesigen Beteiligungsfonds werden die Käufe und damit das Ausstiegsdilemma immer größer. Gab es bis zum Jahr 2004 nur drei Unternehmenskäufe durch Private Equity im Wert von mehr als 5 Milliarden Dollar, so kamen seither 15 weitere hinzu. Und das Rad dreht sich immer schneller. Allein am Montag wurden drei Übernahmen in dieser Größenordnung bekannt. Mit dem Erwerb des Krankenhausbetreibers HCA durch Bain Capital, KKR und Merrill Lynch für 33 Milliarden Dollar wurde nun die bislang weltgrößte Private-Equity-Übernahme knapp in den Schatten gestellt.
Milliardenschwere Unternehmenskäufe
Die größten 15 Fonds haben allein in den Jahren 2005 und 2006 mehr als 100 Milliarden Dollar eingesammelt. Mehr als die Hälfte davon werde voraussichtlich in börsennotierte Konzerne fließen, erwartet Laib. UBS-Banker Prelle rechnet damit, daß in Deutschland in den nächsten sechs bis zwölf Monaten ein großes börsennotiertes Unternehmen von mehreren Finanzinvestoren gekauft wird. Anders als öffentlich häufig angenommen, gehen den großen Fonds somit nicht die Anlageziele aus. Blackstone beispielsweise hatte mehr als ein Viertel seines 15,6 Milliarden Dollar schweren Fonds schon vor dem offiziellen Zeichnungsschluß investiert.
Das Nadelöhr ist freilich der Ausstieg. Beteiligungsmanager wie Blackstone-Gründer Stephen Schwarzman verweisen selbst auf den geringeren Wettbewerb bei den milliardenschweren Unternehmenskäufen - was beim Einstieg positiv ist, beim Ausstieg aber zum Problem werden kann. Jon Moulton, Gründer des kleineren Beteiligungsfonds Alchemy Partners, bezichtigte die großen Fonds auf einer Konferenz in Frankfurt des Gigantismus und nannte sie die „Dinosaurier der Finanzbranche“. Dem entgegnete TPG-Gründer David Bonderman, die Dinosaurier hätten Millionen Jahre existiert, bevor sie ausgelöscht wurden. Die großen Beteiligungsfonds seien aber erst in ihrem zweiten Jahrhundert.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.748,76 | −0,08% |
| FAZ-INDEX | 1.506,09 | +0,04% |
| TecDAX | 773,61 | +1,29% |
| MDAX | 10.316,30 | +0,10% |
| SDAX | 4.965,37 | +0,82% |
| REX | 421,06 | −0,60% |
| Eurostoxx 50 | 2.512,92 | −0,05% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,97 | +0,04% |
| Dow Jones | 12.884,00 | +0,04% |
| Nasdaq 100 | 2.545,72 | +0,54% |
| S&P500 | 1.349,96 | +0,22% |
| Nikkei225 | 9.002,24 | −0,15% |
| EUR/USD | 1,3296 | +0,36% |
| Rohöl Brent Crude | 117,65 $ | −0,17% |
| Gold | 1.746,00 $ | +1,28% |
| Bund Future | 137,62 € | −0,09% |