24.09.2007 · Im Zuge der Kreditkrise sind die Aktien deutscher Großbanken weiter gefallen. Neben der Deutschen Bank ist besonders die Commerzbank betroffen. Denn diese ist stark am amerikanischen Markt für zweitklassige Hypothekenkredite mit niedriger Bonität engagiert.
Die große Unsicherheit über die Verluste deutscher Großbanken aus der Kreditkrise hat am Montag deren Aktien abermals belastet. Der Kurs der Deutschen Bank fiel um mehr als 2 Prozent, derjenige der Commerzbank gar um mehr als 4 Prozent, nachdem Gerüchte und Analystenschätzungen über deren mögliche Einbußen im dritten Quartal bekannt wurden.
In einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters wurde ohne nähere Angaben von Quellen spekuliert, auf die Deutsche Bank kämen im dritten Quartal Abschreibungen auf von ihr zugesagte Kredite an Beteiligungsfonds von 1,2 bis 1,7 Milliarden Euro zu. Die Deutsche Bank wollte dies am Montag nicht kommentieren.
Die Ergebnisse amerikanischer Investmentbanken sowie Hinweise von Investmentbankern deuten allerdings in eine andere Richtung. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hatte vergangene Woche in einer Fernsehsendung gesagt, die Bank habe Akquisitionskredite von 29 Milliarden Euro auf den Büchern. Weil diese Kredite nicht mehr plaziert werden könnten, müssten sie anders bewertet werden, und „das belastet unsere Erfolgsrechnung im dritten Quartal“. Analysten schätzen den Abschreibungsbedarf für weitaus niedriger ein, als nun in dem Agenturbericht suggeriert wird.
„Verluste sind für die Bank leicht verkraftbar“
Matthew Clark von der britischen Keefe, Bruyette & Woods kommt beispielsweise auf einen Wert von 605 Millionen Euro, JP-Morgan-Analyst Kian Abouhossein schätzt den Verlust bei einer vollständigen Bewertung nach Marktpreisen auf 625 Millionen Euro. Für die Schweizer Bank Credit Suisse kommt Abouhossein mit 600 Millionen Euro auf einen ähnlich hohen Wert.
Die amerikanischen Investmentbanken Goldman Sachs, Morgan Stanley, Lehman Brothers und Bear Stearns hätten ihre Übernahmekredite (“Leveraged Loans“) im Schnitt um 5 Prozent abgeschrieben, sagt Clark. Darin sind jedoch Absicherungen gegen derartige Verluste nicht berücksichtigt. Seit Ende August - dem Bilanzstichtag der amerikanischen Banken - hat sich der Markt für Leveraged Loans freilich schon wieder ein wenig beruhigt. Dies ist im CDX-NAHY-Index abzulesen, der die Preise von Ausfallversicherungen für die besonders betroffenen amerikanischen Leveraged Loans spiegelt.
Legte der Index Ende August noch Abschläge von um die 5 Prozent nahe, so sind es aktuell nur noch 2,3 Prozent. Clark kalkuliert daher für die Deutsche Bank mit einem Abschlag von 3 Prozent. Rund 30 Prozent dieser Kredite seien zudem gegen mögliche Abschläge abgesichert, schätzt Clark. „Jede dieser Verluste sind für die Bank sehr wahrscheinlich leicht verkraftbar.“
Blick in die Glaskugel
Letztlich gleiche die Vorhersage des tatsächlichen Verlusts aber einem Blick in die Glaskugel, sagt ein Investmentbanker. Solange Ackermann nicht offenlege, welche Kredit-Tranchen die Deutsche Bank auf dem Buch halte, sei keine Transparenz hergestellt. Dann werde die Vertrauenskrise bis zur Veröffentlichung der Quartalszahlen Ende Oktober andauern. Ackermann hatte bisher nur die allgemeine Aussage getroffen, die Kredite hätten eine „gute Qualität“. Erfahrungsgemäß waren beispielsweise vor der Kreditkrise ein Sechstel der Leveraged Loans vollständig endfällige Tranchen, die in der Fachsprache PIKNotes genannt werden.
Seit den Finanzmarktturbulenzen bietet aber keine Bank mehr diese riskanten Kreditpapiere an. Dementsprechend hoch sind derzeit die Abschläge auf solche Schuldentitel. Investmentbanker äußerten sich denn auch verwundert darüber, dass gerade Ackermann öffentlich von den Banken mehr Transparenz gefordert habe. Der Manager hatte die anderen Banken vor einigen Wochen dazu aufgefordert, sämtliche mit der aktuellen Kreditkrise zusammenhängenden Risikopositionen zu Marktpreisen zu bewerten.
Subprime-Papiere mit hohen Abschlägen
Ob der Wettbewerber Commerzbank diesem Wunsch nachkommt, ist unklar. Die zweitgrößte deutsche Bank hat schon Ende Juli bekanntgegeben, im amerikanischen Markt für zweitklassige Hypothekenkredite (“Subprime“) mit 1,2 Milliarden Euro engagiert zu sein. Bislang hält der Commerzbank-Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller an Abschreibungen in Höhe von 80 Millionen Euro fest.
Analysten gehen allerdings von weitaus höheren Verlusten aus, weil mehr als drei Viertel der von der Commerzbank gehaltenen Papiere eine Bonitätsnote von „A“ oder schlechter haben. Alle Subprime-Papiere, die nicht die Bestnote „AAA“ haben, werden derzeit am Markt mit hohen Abschlägen gehandelt. Analyst Thomas Rothäusler von Sal. Oppenheim rechnet daher mit einem Bewertungsabschlag von 450 Millionen Euro. Allerdings werde das die Commerzbank nicht im dritten Quartal verbuchen, erwartet er.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |