Home
http://www.faz.net/-gv6-xxdo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Trotz Kapitalverlusten Versicherer geben sich gelassen

09.01.2010 ·  Trotz einer strengen Bilanzierungssauflage der EU-Kommission blicken deutsche Versicherer unaufgeregt auf drohende Verluste, die ihnen aus Investitionen in Genussscheine entstehen könnten. Gleichwohl ist auch Kritik an der Brüsseler Vorgabe zu hören.

Von Philipp Krohn
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Wachsam, aber unaufgeregt - so blicken deutsche Versicherer auf drohende Verluste aus Investitionen in Genussscheine und andere Hybridkapitalformen, die sie von staatlich gestützten Banken gekauft haben. „Ökonomisch bringt uns diese Anlageklasse nicht in die Bredouille“, war am Freitag aus der Versicherungsbranche zu hören. Von den Kapitalanlagen der Assekuranz (rund 1,1 Billionen Euro im vergangenen September) machen Genussscheine einen Anteil von 0,8 Prozent aus - das sind etwa 8,7 Milliarden Euro. Unter ihnen stammt der geringere Anteil von Landesbanken. Eine genaue Quote nannte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft nicht.

Genussscheine zählen wie stille Einlagen zum Hybridkapital, einer Anlageform mit Eigenschaften sowohl von Eigen- als auch von Fremdkapital. Im Falle der Landesbanken LBBW, Bayern LB, West LB und HSH Nordbank besteht die EU-Kommission darauf, dass Anleger, die in solche Titel investiert haben, zum Ausgleich von Bilanzverlusten herangezogen werden müssen. Um dies zu vermeiden, hatten die Banken bisher auf Reserven zurückgegriffen, um in ihrer Bilanz noch einen Gewinn auszuweisen. Die strenge Auflage kann die Behörde allerdings machen, weil sie die staatliche Unterstützung, die seit Ende 2008 geflossen ist, beihilferechtlich prüft ().

Kritik an Einmischung der EU-Kommission

Unabhängig von ihrer Rechtsform berichteten verschiedene Versicherer, dass sie für die Jahresberichte des aktuellen Geschäftsjahres Abschreibungen einplanen, die wegen der geringen Anlagesummen aber nicht allzu hoch ausfielen. Die genaue Höhe der Wertberichtigungen könne erst bestimmt werden, wenn die Banken ihre Verlustzuweisungen festlegen, erklärte eine Sprecherin der Huk-Coburg, eines Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit. Gelassenheit ist auch unter den Versicherungs-Aktiengesellschaften zu vernehmen. Und selbst im Lager der öffentlichen Versicherer, die wegen ihrer Verflechtung mit Landesbanken und Sparkassen nach Angaben aus der Branche stärker investiert sind, ist von einem „verschwindend geringen Gesamtvolumen“ die Rede. Bei der Provinzial Nordwest machen Genussscheine und anderes Hybridkapital von Landesbanken 0,3 Prozent ihrer Kapitalanlage aus. „Auf unsere Nettoverzinsung werden die Verluste kaum Auswirkungen haben“, sagte ein Sprecher. Die Versicherungskammer Bayern bezifferte die Abschreibungen auf 29 Millionen Euro, davon 12 Millionen für ausgefallene Zinszahlungen. Der öffentliche Versicherer verwaltet insgesamt Anlagen von 34 Milliarden Euro.

Das größte Problem stellen für die Unternehmen Papiere dar, deren Laufzeit bald endet. Für sie können sie kaum damit rechnen, dass zukünftige Gewinne die Wertverluste wieder ausgleichen. Für langfristige Anlagen dagegen sieht das Bilanzierungsrecht die Option vor, auf Abschreibungen zu verzichten, wenn die Wertminderung als vorübergehend eingestuft wird. Aus der Branche ist auch Kritik an der EU-Kommission zu hören. „Sie kommt als unsichtbarer Dritter ins Spiel und greift nachträglich in einen laufenden Vertrag ein“, bemängelte ein Versicherungsvorstand. Ähnliche Eingriffsrechte hatte die Finanzaufsicht Bafin im Sommer bekommen. Sie kann verhindern, dass die Zinsen aus Hybridkapital bedient werden, wenn sie die Eigenkapitalausstattung der Bank als kritisch ansieht. Die Bafin hat aber signalisiert, davon äußerst restriktiv Gebrauch zu machen. Dass sie sich auch einmischen kann, wenn eine Bank Zinsen für Nachrangkapital auszahlen will, hat die Assekuranz erfolgreich bekämpft.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1977, Redakteur in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge

25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%