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Traditionelle Sommerpause Freuden an der Wall Street

28.08.2010 ·  Sorgen und Differenzen scheinen vergessen: Goldman-Chef Blankfein versucht, die jüngsten Turbulenzen beim Schwimmen hinter sich zu lassen und Robert Wolf, Chef der Schweizer Bank UBS in Amerika, spielte mit Präsident Barack Obama Basketball.

Von Norbert Kuls, New York
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Die Krise scheint fast vergessen. Die Wall Street macht dieser Tage ihre traditionelle Sommerpause und ihre wichtigsten Spieler treffen sich wie jedes Jahr in den Hamptons, einer Enklave der reichen New Yorker auf Long Island. Die Aktienkurse an der New York Börse dümpeln dahin, der amerikanische Häusermarkt schwächelt, aber aus den Hamptons dringen gute Nachrichten. So ist in East Hampton gerade ein Anwesen für 25,5 Millionen Dollar verkauft worden - obwohl es keine Sicht auf das Meer hat. Aber die Adresse ist dennoch gut. Zu den Nachbarn des Käufers gehören der milliardenschwere Finanzier Carl Icahn und die Unternehmerin Martha Stewart, die vor ein paar Jahren wegen Insiderhandels im Gefängnis gesessen hat.

Auch Lloyd Blankfein, Vorstandschef der führenden Wall-Street-Bank Goldman Sachs, bemüht sich, die jüngsten Turbulenzen hinter sich zu lassen. Der 54 Jahre alte Blankfein gewann jetzt für einen wohltätigen Zweck ein Ausdauerschwimmen im noblen Southampton Bath & Tennis Club, berichtet der „New York Observer“. In einer Stunde schwamm der Chef der Bank, die wegen weitverzweigter politischer und finanzieller Verbindungen von Kritikern gerne als „Vampirkrake“ bezeichnet wird, beeindruckende 134 Bahnen. Blankfein, dessen Institut sich kürzlich wegen Betrugsvorwürfen nach anfänglichem Widerstand für 550 Millionen Dollar mit der Börsenaufsicht verglich, soll eine exzellente Rollwende zu seinem Vorteil genutzt haben. Ausdauer kann Blankfein nutzen. Nachdem Goldman in Washington zum Prügelknaben der Wall Street geworden war, wird in der Branche ohnehin spekuliert, wie lange sich Blankfein noch halten kann.

Die jüngsten Differenzen schienen vergessen

Die wirklich guten politischen Verbindungen haben momentan andere Banker. Etwa Robert Wolf, der Chef der Schweizer Bank UBS in Amerika. Wolf spielte auf der Insel Martha's Vineyard Basketball mit Präsident Barack Obama, der dort gerade Urlaub macht. An der Wall Street wird das bereits als Affront gegen Jamie Dimon gewertet, den Chef der Großbank J.P. Morgan Chase. Dimon galt nämlich eine Weile als Obamas Lieblingsbanker. Zudem war Dimon in der Schule Kapitän der Basketballmannschaft gewesen.

Präsidentenberater Wolf gehörte freilich zu den größten Spendensammlern für Obama im Wahlkampf und hat deswegen auch schon ein paar Runden Golf mit ihm gespielt. Unter den Körben von Martha's Vineyard schienen auch die jüngsten Differenzen zwischen der amerikanischen Steuerbehörde und der UBS vergessen, die zunächst Daten von potentiellen Steuersündern nicht herausgeben wollte.

Finanzgrößen wie Henry Kravis von der Beteiligungsgesellschaft KKR oder Stephen Schwarzman vom Konkurrenten Blackstone, die ganz offensichtlich nicht zum engen Zirkel Obamas gehören, gingen unterdessen in Southampton ins Kino. Dort wurde der Film „Wall Street: Money Never Sleeps“ vorgestellt, der erst Ende September in die normalen amerikanischen Kinos kommen wird. Zentrales Thema des Streifens ist die Finanzkrise. Die Hauptfigur Gordon Gekko, der schon in der ersten Auflage von „Wall Street“ Ende der achtziger Jahre die Exzesse der Finanzbranche verkörperte, kommt in der Fortsetzung gerade aus dem Gefängnis. Wie die anwesende Martha Stewart teilten auch einige der anderen Gäste diese Erfahrung. Hedge-Fonds-Gründer Jeffrey Epstein war erst im Juni entlassen worden. Er sei dennoch herzlich begrüßt worden, hieß es.

Nur eine der wichtigsten Figuren der Finanzkrise ließ sich nicht blicken: Richard Fuld, der ehemalige Chef der vor knapp zwei Jahren zusammengebrochenen Investmentbank Lehman Brothers, befindet sich in einer Art Exil. Er wurde - abseits von erzwungenen Auftritten vor Untersuchungsausschüssen des Kongresses - nur selten gesehen, als er zum Haus seiner Frau auf Jupiter Island in Florida flog. Auch Jupiter Island ist ein Ort für Superreiche. Fuld könnte dort zwar nicht mit Obama, jedoch mit seinem Nachbar Tiger Woods golfen. Der Golfprofi hat gerade auch andere Probleme.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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