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Thyssen-Krupp verkauft 50 Millionen Aktien

07.07.2011 ·  Dem Stahlkonzern fließen durch den Verkauf eigener Aktien 1,6 Milliarden Euro zu. Mit dem Erlös sollen Schulden getilgt werden.

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ala. Frankfurt, 7. Juli. Der deutsche Stahlkonzern Thyssen-Krupp hat knapp 49,5 Millionen eigene Aktien verkauft und damit rund 1,63 Milliarden Euro eingenommen. Dies teilte das Unternehmen am Donnerstag in einer Pflichtmitteilung mit. Die Aktien wurden im Handelsverlauf zum Preis von 32,95 Euro je Stück plaziert. Sie seien sowohl von deutschen als auch von internationalen institutionellen Anlegern gekauft worden. "Wir sind mit dem Ergebnis und dem schnellen Verlauf der Plazierung zufrieden", sagte ein Konzernsprecher. Die aus dem Aktienverkauf zugeflossenen Mittel sollen verwendet werden, um die Schulden des Unternehmens zu verringern.

Der Kurs der Thyssen-Aktie lag am Nachmittag bis zu 6 Prozent unter seinem Vortagesschlussstand. Thyssen war damit der schwächste Wert sowohl im 100 Aktien umfassenden F.A.Z-Index als auch im Dax, die beide mit mehr als einem halben Prozentpunkt fester tendierten. Von Marktteilnehmern wurde der Aktienverkauf dennoch überwiegend begrüßt, zumal sich die mit den schon zuvor in Umlauf befindlichen Thyssen-Aktien verbrieften Anteile an dem Unternehmen durch die nun erfolgte Plazierung im Gegensatz zu einer Kapitalerhöhung nicht verwässern. Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ist mit einem Anteil von 25 Prozent an Thyssen-Krupp nach wie vor der größte einzelne Aktionär des Unternehmens.

Thyssen-Krupp hatte in drei Schritten im Sommer 2006 und im Frühjahr und Sommer 2008 eigene Aktien zurückgekauft, insgesamt 51 Millionen, die 9,9 Prozent des Grundkapitals ausmachten. Rund 1,5 Millionen Stück aus diesem Paket sind nach Angaben von Thyssen-Krupp seither im Rahmen von Mitarbeiterprogrammen verkauft worden. Die übrigen 49,5 Millionen Aktien hat der Konzern nun wieder verkauft und mit der Plazierung die Deutsche Bank, die Commerzbank und HSBC Trinkaus & Burkhardt beauftragt. Dabei lag der erzielte Preis von 32,95 Euro je Aktie am unteren Ende der zuvor genannten Preisspanne von 32,95 Euro bis 33,95 Euro. Er war allerdings zugleich höher als die 30,92 Euro, die Thyssen durchschnittlich je Aktie im Rahmen der Rückkäufe gezahlt hatte.

Der Kursabschlag infolge der Plazierung erklärt sich wesentlich daraus, dass sich der Gewinn des Unternehmens künftig auf nun wieder mehr ausstehende Aktien verteilt und mithin je Aktie dadurch zunächst geringer ausfiele. Der Gewinn je Aktie könnte infolge der höheren Anzahl umlaufender Aktien um 7 Prozent sinken, lautet eine Schätzung am Markt. Das Verhältnis aus erwartetem Gewinn je Aktie und Aktienkurs ist wiederum ein aus der Sicht von Marktteilnehmern wichtiger Indikator für die Aktienbewertung. Diesem Effekt gegenüber steht die Erwartung, dass Thyssen-Krupp künftig weniger Zinsen zahlt, weil die durch den Aktienverkauf eingenommenen Mittel verwendet werden sollen, um die Schulden abzubauen. Darüber hinaus könnte sich die Zinslast auch dadurch reduzieren, dass die Kreditwürdigkeit von Thyssen besser eingeschätzt wird - die Ratingagentur Standard & Poor's stuft die Anleihen des Konzerns derzeit unterhalb des "investitionswürdigen" Bereichs ein.

Die Nettofinanzschulden des Konzerns beliefen sich nach eigenen Angaben am Ende des vergangenen Geschäftsjahres 2010/2011 (Stichtag 31. März) auf 6,5 Milliarden Euro. Wie sie sich im aktuellen Geschäftsjahr verändern, hängt neben dem nun vollzogenen Aktienverkauf davon ab, wie schnell sich die vom neuen Konzernchef Heinrich Hiesinger im Mai angekündigte Unternehmensstrategie umsetzen lässt. Hiesinger will mehrere Geschäftsbereiche abstoßen, die zusammengenommen für 10 Milliarden Euro Umsatz stehen und 35 000 Beschäftigte. Dazu zählt auch die Edelstahlsparte. Welche Preise Thyssen erzielen kann, ist eine viel diskutierte Frage am Markt - der geplante Verkauf des zivilen Schiffbaus der Traditionswerft Blohm + Voss misslang vergangene Woche.

An der Börse kamen der neue Vorstandsvorsitzende und sein Konzept bisher dennoch gut an. Die Aktie liegt inklusive des aktuellen Kursrückgangs seit Jahresanfang rund 6 Prozent im Plus. Damit schnitt sie wesentlich besser ab als die Titel bedeutender Wettbewerber.

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