Home
http://www.faz.net/-gv6-6vcyu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Teure Auktion Italien muss Rekordzinsen für kurzfristiges Geldleihen zahlen

25.11.2011 ·  Italien leiht sich 10 Milliarden Euro und muss für zweijährige Anleihen eine durchschnittliche Verzinsung von 7,8 Prozent bieten. Soviel, wie noch nie seitdem es den Euro gibt.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (6)

Vorschusslorbeeren gibt es nicht: Unter dem neuen Ministerpräsidenten Mario Monti muss Italien Rekordzinsen zahlen sogar, um sich kurzfristig Geld leihen zu können. Am Freitag nahm das Land insgesamt 10 Milliarden Euro auf. Für Schatzwechsel sechsmonatiger Laufzeit musste das Land eine durchschnittliche Verzinsung von 6,5 Prozent zahlen, für eine zweijährige Anleihe sogar 7,8 Prozent. Ein so hohe Verzinsung habe das Land noch nie bieten müssen seitdem es den Euro gibt und Italien Mitglied der europäischen Währungsunion ist. Während der vorangegangenen entsprechenden Auktionen im Oktober musste Italien noch durchschnittliche Zinsen von 3,5 und von 4,5 Prozent zahlen.

So wie Monti nun erging es in dieser Woche berieits dem neuen spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy, der am Sonntag eine merkliche Mehrheit in der Parlamentswahl erringen konnte. Spanien musste für die Plazierung neuer Schatzwechsel mit drei Monaten Laufzeit am Dienstag eine durchschnittliche Verzinsung von mehr als 5 Prozent zahlen - damit verlangte der Markt von dem Land einen höheren Zins in dieser Laufzeit als das letzte Mal von dem hochverschuldeten und in einer wesentlich schlechteren Situation steckenden Griechenland.

Deutschland auf einem Niveau mit Großbritannien

Zum Wochenschluss gerieten die Kurse von Staatsanleihen europäischer Länder abermals unter Druck. Deutsche Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren rentierten am Freitag mit 2,24 Prozent etwas höher als am Tag zuvor. Ungefähr auf demselben Niveau rentieren entsprechenden britische Anleihen, obwohl das Land wirtschaftlich und finanziell wesentlich schlechter dasteht als Deutschland. Marktbeobachter führen diese Situation auf darauf zurück, dass die Bank of England stark am Markt eingreift und sich im Vergleich zur Europäischen Zentralbank klar als „Gläubiger der letzten Instanz“ (lender of last resort) für Großbritannien etabliert hat.

Italienische Zehnjährige rentierten am Freitag mit 7,2 Prozent, Anleihen der drittgrößten Volkswirtschaft des Euroraums mit zwei Jahren Restlaufzeit sogar mit 7,7 Prozent. Dass die kurzfristigen über den langfristigen Zinsen liegen deutet auf die angespannte Lage am Markt hin. Spanische Zehnjähgrige rentierten mit 6,6 Prozent, französische mit 3,6 Prozent, belgische mit 5,7 Prozent und portugiesische mit 11,7 Prozent. Die Kreditwürdigkeit des südwesteuropäischen Landes  wurde am Donnerstag von der Ratingagentur Fitch auf „Ramsch-Niveau“ herabgesetzt.

Nach Angaben von Marktteilnehmern versuchte die Europäische Zentralbank (EZB) offenbar unmittelbar vor der italienischen Auktion am Freitag, durch den Kauf italienischer Staatsanleihen am Markt die Zinsen zu drücken. Italien weist aktuell eine Staatsverschuldung von rund 120 Prozent seiner jährlichen Wirtschaftsleistung auf, gilt aber aufgrund seiner industriellen Basis und wirtschaftlichen Größe und des Vermögens seiner Bürger als durchaus in der Lage, seine Probleme in den Griff zu bekommen, wenn es das will.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%