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Tesla-Kommentar : Musks gefährliche Überheblichkeit

Etwas mehr Nachdenklichkeit könnte Elon Musk vielleicht gut tun. Bild: Reuters

Der Tesla-Gründer verspottet die Analysten, denen er Rede und Antwort stehen sollte. Das könnte sich für Elon Musk noch rächen.

          Es ist schon verblüffend, wie Selbstbewusstsein und Leistungsnachweis auseinanderklaffen können. Keine 30.000 Autos hat der Elektrofahrzeughersteller Tesla im ersten Quartal ausgeliefert, 3,4 Milliarden Dollar umgesetzt und insgesamt mehr als eine Milliarde Dollar an Geld verbrannt. Ford hat hingegen 1,67 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert, 42 Milliarden Dollar umgesetzt und dabei rund 1,7 Milliarden Dollar frische Mittel vereinnahmen können.

          Dennoch führt sich Tesla-Gründer Elon Musk in einer Art und Weise auf, wie man es zwar auch nicht von ihm unbedingt erwartet hätte, aber von Ford-Chef Jim Hackett wohl auch nicht zu sehen bekäme.

          Trocken, langweilig und „nicht cool“ seien die Fragen von Analysten nach Details von Verkaufszahlen. Empörend die Frage nach Unfallzahlen selbstfahrender Fahrzeuge. Und über möglichen Kapitalbedarf wollte der Milliardär schon gar nicht reden.

          Viel lieber ließ sich Musk von Privatanlegern auf Youtube feiern. Musk habe das Unmögliche geschafft, er habe die Telefonkonferenz zu Geschäftszahlen „cool“ gemacht, hieß es da. Und Musks Satz, wem die Aktie zu volatil sei, der solle sie nicht kaufen, heißt es „Gute Unterhaltung“ und „Ich liebe die Ehrlichkeit.“ Der Erfolg war da. „Elon“ habe eine Mission und den Antrieb eine bessere Zukunft zu erschaffen. Er tue das nicht für Geld, schrieb eine Nutzerin. Er werde definitiv Tesla-Aktien kaufen, ein anderer.

          Donald Trump lässt grüßen

          Musk weiß eben, wo er ankommt. Bei Privatanlegern, die Heilsversprechen höher schätzen als wirtschaftliche Erfolge und die sich genauso wenig wie er mit Details befassen wollen. Im Grunde ein Verhalten, wie es auch der Präsident des Landes an den Tag legt: Gelangweilt von Details, genervt von Kritik, nimmt man das Bad in der Menge dort, wo Zustimmung und Applaus gewiss sind. Womöglich empfindet Musk kritisches Nachfragen wie das Mobbing, dem er in seiner Kindheit ausgesetzt gewesen sein soll.

          Musk offenbart eine Mischung aus Realitätsverleugnung und Berechnung. Die eher negativen Aspekte hoher Verluste und der Geldvernichtung blendet er aus. Stattdessen verspricht er Gewinne in der zweiten Jahreshälfte, an die aber die wenigsten der nervigen Analysten glauben. Verspricht, künftig weitgehend ohne das wegen Kinderarbeit in Kongo umstrittene Kobalt in Batterien auszukommen und verweist auf die niedrigsten Kosten je Kilowattstunde unter allen Herstellern. Präsentiert sich als Visionär und nicht als Unternehmer. Der Gipfel der Geringschätzung des Kaufmännischen war aber wohl sein verunglückter Aprilscherz, als er per Twitter den Bankrott des Unternehmens verkündete.

          Enfant terrible oder verblendet?

          Diese Geringschätzung, ja regelrechte Verspottung des Kapitalmarkts, könnte vor allem dann seinen Fall bedeuten, falls er den Kapitalmarkt (unvorhergesehen) brauchen sollte. Musk geht davon nicht aus, etliche der brüskierten Finanzmarktexperten schon. Und Investoren sind auch Menschen, die sich nicht gern vorführen lassen.

          Das Vertrauen auf Charisma und eine modische Zukunftsidee mag bis zu einem gewissen Grad genügen, aber man muss auch irgendwann liefern. Am Finanzmarkt schätzte man Musks Verhalten am Mittwoch nicht sonderlich: Der Aktienkurs, der sich bis zu den Vorkommnissen während der Konferenz trotz des Rekordverlustes eigentlich recht gut gehalten hatte, fiel danach letztlich 5 Prozent bis auf 287,46 Dollar.

          Ob Musk nur ein Enfant terrible ist, das dennoch sein Projekt zum Erfolg führen kann oder ob der Milliardär schon von seinem medialen Erfolg verblendet alles glaubt, was über ihn an Elogen geschrieben wird, muss sich erst zeigen. Wünschenswert wäre sicher für alle Beteiligten das Erstere.

          Allein auf eine Fangemeinde zu vertrauen, könnte ein bisschen zu wenig sein. Denn deren Mittel sind begrenzt. Aber vielleicht ist es Musk ja auch egal, weil er Tesla aus seinem eigenen Vermögen ohne Verbesserungen wohl noch mindestens drei Jahre durchfüttern könnte. Und ohne die Überzeugung, wie einst das Dotcom-Unternehmen Zip2 und Paypal zum Erfolg führen zu können, auch Tesla triumphieren zu lassen, braucht man ein solches Projekt wohl nicht zu beginnen. Doch bis zur Hybris und zur Selbstüberschätzung ist es immer nur ein Schritt.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

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