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Technische Analyse Gute Aussichten für den Hang Seng

Der Ferne Osten ist auch für deutsche Anleger sehr oft sehr fern. Was sich dort an den Finanzmärkten zuträgt, wird alltäglich von unserem heimischen Dax um ein Vielfaches überstrahlt. Das gilt auch dann, wenn das, was dort gerade passiert, richtig spannend und verheißungsvoll sein sollte.

© AFP Vergrößern

Korea, Japan, Indonesien & Co. sind für uns im Regelfall einfach viel zu weit weg. Selbst China und die ehemalige britische Kronkolonie Hongkong machen da keine wirkliche Ausnahme. Dabei hat deren Aktienindex, der Hang Seng, noch kurz vor dem Jahreswechsel seinen langfristigen Abwärtstrend gebrochen. Für einen technischen Analysten ist das nach wie vor ein äußerst bemerkenswertes Ereignis. Gebrochene Abwärtstrends, vor allem dann, wenn sie mittel- oder sogar langfristiger Natur waren, beenden in acht von zehn Fällen die vorangegangene Misere endgültig und machen darüber hinaus den Weg für signifikante weitere Kursanstiege frei.

Hang Seng gerade richtig in Schwung

Das gilt auch für die aktuelle technische Situation des Hang Seng-Index. Allein der Bruch des langfristigen Abwärtstrends hätte ausgereicht, um mit weiteren signifikanten Kursanstiegen rechnen zu können. Aber dem Hang Seng gelang sogar das Kunststück, noch in derselben Bewegung erst vor wenigen Tagen zusätzlich die Widerstandszone von 22 500 Punkten zu überwinden. Beides zusammen schafft nur ein Index, der gerade richtig in Schwung ist und für den deshalb die Gefahr einer Trendumkehr besonders gering ist.

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Mein Ziel für den Hang Seng-Index ist zunächst die Widerstandszone bei 26 200 Punkten. Nimmt man aber zusätzlich auch die langfristige Vorgeschichte dieses Trendbruchs unter die Lupe, die Drittelung des Index in den Jahren 2007 bis 2008 und das Muster der nachfolgenden Auferstehung, dann darf, ja dann muss man wohl dieses Ziel als ein konservatives ansehen.

Im Normalfall führen solche Entwicklungen zu neuen historischen Bestmarken. Aus Gründen der immer gebotenen analytischen Vorsicht will ich aber hier nicht den zweiten Schritt vor dem ersten tun. Sobald der Index bei 26 200 Punkten notiert, gilt es die Situation erneut zu bewerten und erst dann - nach dem heutigen Stand der Analyse - ein höheres Kursziel auszurufen. Mein analytisches Stop-Loss liegt derzeit auf dem ungefähren aktuellen Niveau des gebrochenen Abwärtstrends: Sollte der Hang Seng-Index wider meiner expliziten Erwartung wieder unter 21 000 Punkte zurückfallen, dann dürften die aktuellen Pessimisten das bessere Ende für sich haben.

Wieder etwas mehr Schwung im Dax

Nach drei Wochen mehr oder weniger gepflegter Langeweile scheint in den letzten Tagen wieder so etwas wie Schwung in den Dax gekommen zu sein. Markant war vor allem die Entwicklung am zurückliegenden Dienstag. Nach einem Kurseinbruch von mehr als 100 Punkten in nicht einmal zwei Handelsstunden und einem neuen Jahrestief konnte er sich in den nachfolgenden Stunden deutlich stabilisieren. Er ging deshalb nur mit einem vergleichsweise kleinen Minus in den Feierabend. Genau dieses und ähnliche Kursmuster beenden in etwa 7 von 10 Fällen ein Auf-der-Stelle-Treten des Marktes und liefern damit das entscheidende neue Aufbruchssignal.

Ein beachtenswertes Argument für diese Zuversicht liefern auch die Charts vieler Einzelwerte im Dax. Lässt man die ewigen, allerdings hoch gewichteten Krisenkandidaten Eon, Deutsche Telekom und RWE außer Acht, dann gibt es nur wenige Aktien, die in ihrer aktuellen technischen Verfassung nicht noch ein paar weitere Prozente drauflegen könnten.

Vieles spricht dafür, dass der Dax wohl noch im Januar neue Jahreshochs erzielen und damit dem Kursziel von 8000 Punkten einen, vielleicht sogar den entscheidenden Schritt näher kommen wird. Irgendwo in diesem Bereich dürfte dann allerdings eine länger anhaltende Konsolidierungs- beziehungsweise vielleicht sogar Korrekturphase beginnen. Kurse um oder knapp über 8000 Punkten werden wahrscheinlich bei vielen Marktteilnehmern äußerst unangenehme Erinnerungen an die letzten 13 Jahre wecken und sie sich deshalb veranlasst fühlen, wesentliche Bestände zu räumen.

Dow hat Höchststände im Vsier

Hinzu kommt die Entwicklung an der Wall Street: Sie ist derzeit äußerst angenehm und verspricht langfristig relativ sicher weitere deutliche Zugewinne. Zuvor wird der Dow Jones Industrial Average allerdings die bei rund 14 200 Punkten lauernden historischen Höchststände aus dem Jahr 2007 überwinden müssen. Aber genau das dürfte für ihn ein hartes Stück Arbeit werden. Die Investoren an der Wall Street schlagen sich mit denselben Erinnerungen wie wir hierzulande herum, und dies dürfte ihre Bereitschaft, ihre Positionen im Bereich dieser Höchstmarken nicht in Frage zu stellen, relativ gering ausfallen lassen.

Die deutsche Umlaufrendite ist in den vergangenen zwei Wochen ziemlich ereignislos auf der Stelle getreten und deshalb bislang das entscheidende Signal für eine Zinswende schuldig geblieben. Auch wenn schon noch ein wenig Wasser den Rhein und den Main bis zu diesem entscheidenden Schritt hinunterfließen kann: Technisch spricht fast alles dafür, dass er grundsätzlich unvermeidbar geworden ist.

Der Autor leitet die Staud Research GmbH in Bad Homburg.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 24.01.2013, 17:30 Uhr

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