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Technische Analyse Der Euro Stoxx 50 mit perfekten Signalen

Eine Hausse des führenden europäischen Aktienindex wird auch den Dax auf neue Höhen mitziehen. Die technische Analyse.

© dpa

Der Euro Stoxx 50 ist der Leitindex im Euroraum. Er umfasst die 50 wichtigsten Aktien aus den Ländern, die den Euro bereits eingeführt haben. Auch die führenden Werte aus dem Dax sind dort vertreten. Derzeit sind das Allianz, BASF, Bayer, BMW, Daimler, Telekom, Eon, RWE, SAP, Siemens und VW. Ein Blick auf den Euro Stoxx 50 ist also immer auch ein Blick auf den Dax. Eine völlig losgelöste Rally des Dax ohne den Euro Stoxx 50 ist trotz der im europäischen Index auch vertretenen Repräsentanten der europäischen Krisenländer grundsätzlich nur schwer vorstellbar - und umgekehrt.

Strahlkraft für den Dax

Gerade vor diesem Hintergrund kann die jüngste Entwicklung beim Euro Stoxx 50 und die damit verbundene Strahlkraft auf den Dax kaum überschätzt werden. Der europäische Aktienindex hat binnen kurzer Zeit erst den langfristigen Abwärtstrend und danach, jetzt zur Wochenmitte, den bedeutenden Widerstand bei 2600 Punkten überwunden. Viel mehr kann man sich als technischer Analyst für eine positive Prognose eines Index kaum wünschen. Beide Signale zusammen sind in etwa acht von zehn Fällen gute Hinweise auf weiter steigende Kurse.

Infografik / Der Euro Stoxx 50 © F.A.Z. Vergrößern

Die Wahrscheinlichkeit für einen weiter steigenden Euro Stoxx 50 ist deshalb sehr hoch. Im ersten Schritt ist mit einem Anlauf an die Widerstandszone um rund 2850 Punkte zu rechnen. Dort wird es wahrscheinlich im nächsten Jahr zu einer Konsolidierung kommen. Danach aber wird der Euro Stoxx 50 diese Zone überwinden und mein eigentliches, ab sofort gültiges Kursziel von 3030 Punkten ansteuern. Diese Prognose bleibt in Kraft, solange der Euro Stoxx 50 mit Kursen unter 2400 Punkten nicht wieder - wider Erwarten - entscheidend unter den langfristigen Abwärtstrend zurückfällt.

Ähnliche Entwicklung im CAC 40

Eine ganz ähnliche Entwicklung wie der Euro Stoxx 50 hat übrigens auch der französische Leitindex, der CAC 40, vollzogen. Er konnte den massiven Widerstand bei rund 3600 Punkten hinter sich lassen und auch damit ein beachtenswertes Aufbruchssignal in den Chart schreiben. Für den CAC 40 dürfte damit der Weg bis zu dem technischen Widerstand bei 4100 Punkten frei sein.

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Ein Anstieg des CAC 40 von rund 10 Prozent vom aktuellen Niveau aus ist, gemessen an der Volatilität der letzten Jahre, nicht unbedingt richtig viel. Ihm kommt aber überragende analytische Bedeutung zu. Er könnte der erste Schritt zurück ins richtige Leben für die französischen Aktien sein. Diese sich jetzt ankündigenden Kursgewinne haben das Potental, den Beginn eines stabilen und stetig steigenden Trendmarktes zu markieren. Eine Entwicklung, die ich als Analyst sehr zu schätzen wüsste. Fortan müsste ich nicht mehr in allererster Linie die Frage stellen, ob ein anstehender Kursrückgang schon wieder der Auftakt zu einer großen Krise ist, sondern dürfte mit einiger Berechtigung davon ausgehen, dass der grundsätzlich stabile Pfad nach oben nicht gefährdet ist. Je mehr ich drüber nachdenke und gerade nach den Erfahrungen der letzten Jahre: Wie wunderbar wäre eine solche Welt!

Dax mit Potenzial

Auch der Dax ist in den vergangenen beiden Wochen zur Höchstform aufgelaufen. Von außerordentlicher analytischer Bedeutung ist, dass er drauf und dran ist, mit diesem neugewonnenen Schwung das Jahreshoch von 2011 bei 7600 Punkten dauerhaft hinter sich zu lassen. Die nächsten bedeutenden Widerstände finden sich erst wieder im Bereich meines strategischen Kursziels von 8000 Punkten. Dieses Niveau ist zwar in den insgesamt verbleibenden sieben Handelstagen im zu Ende gehenden Jahr 2012 nur dann noch zu schaffen, wenn es ab sofort jeden Tag extrem weihnachtlich zugehen und der Heilige Abend inklusive Bescherung gleich mehrmals hintereinander stattfinden sollte. Aber Anfang 2013 wird es so weit sein: Der Dax wird wieder auf dem Niveau notieren, an dem er in den vergangenen fast 13 Jahren so oft gescheitert ist.

Wird er dieser schon fast unendlichen Geschichte ein weiteres Scheitern hinzufügen? Das ist unwahrscheinlich. Der Dax wird momentan von klassischen Hausse-Faktoren getragen: schlechte Stimmung, ein Mangel an sinnvollen Anlagealternativen, geringe Investitionsquoten institutioneller Anleger und eine reichlich vorhandene Liquidität. Hinzu kommt eine unterm Strich zwar noch immer faszinierend schlechte Nachrichtenlage, die sich aber, das ist entscheidend, unter Schwankungen jeden Tag ein wenig verbessert.

In einem solchen Umfeld setzt sich der gerade existierende Trend in etwa 8 von 10 Fällen wenigstens in den nächsten Monaten per Saldo fort. Der Dax wird 2013 die alte historische Bestmarke bei 8150 Punkten hinter sich lassen. Aber auch dann, wenn es gerade am schönsten ist, wäre es, wie schon auch beim Euro Stoxx 50 geschrieben angedeutet, nicht zu verantworten, jedwede Disziplin hintanzustellen. Deshalb gilt: Diese sehr zuversichtliche Einschätzung gilt nur, solange der Dax nicht unter den im Juli 2012 begonnenen Aufwärtstrend und damit unter 6800 Punkte zurückfällt. Aber damit rechne ich auch weiterhin explizit nicht.

Der Autor leitet die Staud Research GmbH in Bad Homburg.

Quelle: F.A.Z.

 
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