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Tausende Stellenstreichungen In der Londoner City fällt die Axt

09.01.2012 ·  In London werden immer wieder Tausende von Stellen gestrichen. Die Regierung rügt die hohen Gehälter von Vorstandsvorsitzenden.

Von Bettina Schulz, London
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Keine Woche ohne Kündigungen. In der Londoner City wird die Axt geschwungen. In den kommenden Tagen wird die Geschäftsführung der Royal Bank of Scotland (RBS) verkünden, dass das globale Aktiengeschäft des Investmentbankings mit seinen 1200 Mitarbeitern entweder verkauft oder geschlossen wird. Schritt für Schritt hat die Bank unter der neuen Geschäftsführung von Stephen Hester seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 mehr als 30.000 Stellen gestrichen. Dass der Chef des Investmentbankings der RBS, John Hourican, im April dennoch einen Bonus von mehr als 4 Millionen Pfund einstreichen könnte, erregt den Zorn der Kritiker - allen voran der Protestbewegung „Occupy London“, die am Montag vor dem Gebäude der Londoner Finanzaufsicht in Canary Wharf eine „Bürgerdiskussion“ über die Gier der Banker lancierte.

Das Thema erhält derzeit Nahrung von der britischen Regierung und Opposition, die schärfer gegen die extrem hohen Gehaltsschecks nicht nur von Bankern, sondern auch Vorständen britischer Unternehmen vorgehen wollen. In den vergangenen 12 Jahren sind die Vorstandsbezüge jährlich um 13,6 Prozent gestiegen gegenüber der durchschnittlichen Gehaltssteigerung von Arbeitern und Angestellten von 4,6 Prozent. Britische Konzern-Vorstände verdienen derzeit etwa 2,7 Millionen Pfund im Jahr.

Die Branche schrumpft

Die Stimmung in der Bankbranche ist indessen so schlecht, dass die Schlagzeilen von Spitzenboni wenig über das Los der Normalbanker in der City aussagen. Jedes Quartal werden etwa 9000 bis 11.000 Stellen im britischen Finanzsektor gestrichen, heißt es in einer City-Studie des britischen Industrieverbandes (CBI) und von Pricewaterhouse-Coopers.

Die Branche schrumpft und Banker geben sich mit weniger zufrieden als zuvor: Der ehemals für Übernahmen im Telekom-Sektor einer Großbank zuständige leitende Mitarbeiter ist froh, dass er nach zwei Kündigungen während der Finanzkrise nun nach langwieriger Suche bei der dritten Großbank untergekommen ist; der ehemals im Infrastrukturbereich führende Banker ist nach zwei Kündigungen während der Krise zufrieden, dass er bei einem Infrastrukturfonds arbeitet. Ein während der Krise bei Lehman Brothers und UBS gefeuerter Banker überlegt, ob er mit seiner Familie nicht nach Nigeria zum dortigen Öl-Finanzboom zurückkehren soll; andere Banker, die glaubten, sich auf dicken Polstern hochwertiger Depots von Bankaktien ausruhen zu können, heuern wieder reumütig in der City an.

Nach Aussage der City-Headhunter Astbury Marsden beträgt das durchschnittliche Grundgehalt der Banker in der City derzeit 82.874 Pfund, umgerechnet etwa 95.000 Euro Jahresgehalt. Etwa 44 Prozent der Mitarbeiter erhielt eine Gehaltserhöhung im Schnitt von knapp 12 Prozent. Befördert wurden 27 Prozent. Ein Viertel der Mitarbeiter hat in den vergangenen 12 Monaten den Job gewechselt und damit eine Gehaltserhöhung von knapp 20 Prozent erzielen können. Diejenigen, die aber weder den Arbeitgeber wechselten oder befördert wurden, strichen eine Gehaltserhöhung von 7,6 Prozent ein. Mehr als die Hälfte der Banker wissen derzeit nicht, ob sie für das Jahr 2011 einen Bonus erhalten, und wenn, wird er wohl knapp 24 Prozent des Grundgehaltes ausmachen. Zwei Drittel der Mitarbeiter glauben, dass sie keinen höheren Bonus als 2010 bekommen. Nur leitende Mitarbeiter und Manager von Hedgefonds und Private-Equity-Gesellschaften stellen höhere Ansprüche.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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