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Tagesgeld ING-Diba senkt Tagesgeldzins

Der Marktführer bei Tagesgeldkonten ING-Diba senkt den Zinssatz von 1,25 auf 1 Prozent. Insgesamt waren die Erträge von Tagesgeld noch nie so niedrig wie zur Zeit.

© Wresch, Jonas Vergrößern Die ING-Diba zahlt auch nicht mehr viel

Die Verzinsung auf Tagesgeldkonten ist derzeit so niedrig wie nie zuvor. Nach Erhebungen der FMH Finanzberatung ist der Zinssatz dieser Tage auf ein Rekordtief von nur noch 1 Prozent gefallen. Vor einem Jahr hatte die durchschnittliche Verzinsung noch 1,7 Prozent betragen. Vor der Finanzkrise waren es über Jahre hinweg in der Regel mehr als 2 Prozent, gelegentlich mehr als 3 Prozent gewesen.

Daniel Mohr Folgen:

Tagesgeldkonten bieten Anlegern eine tägliche Verfügbarkeit des Geldes. Dafür ist die Verzinsung in der Regel niedriger als auf Festgeld- oder Sparkonten.

Nur normal

Max Herbst, Inhaber der FMH Finanzberatung und seit Jahren ein genauer Beobachter der Bankzinsen, sieht in den aktuell sinkenden Zinsen eine Normalisierung. Noch immer liege die Verzinsung auf vielen Tagesgeldkonten höher als der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) von derzeit 0,75 Prozent. Das sei vor der Finanzkrise stets anders gewesen.

„Warum sollte eine Bank den Kunden hohe Zinsen zahlen, wenn sie bei der Zentralbank billiger Geld bekommt?“, fragt Herbst rhetorisch. „Die Banken sind mit kurzfristig verfügbaren Mittel mehr als ausreichend ausgestattet und müssen den Kunden daher keine tollen Konditionen bieten.“ Anders als früher seien daher seit geraumer Zeit keine größeren Werbeaktionen um Kundengelder mehr zu beobachten.

Auch Neukunden bekommen weniger

Ein Blick auf die Tabelle mit den derzeit attraktivsten Konditionen für Neukunden bestätigt diese Einschätzung. Maximal 2 Prozent sind für die Anleger derzeit auf Tagesgeldkonten möglich. Die Wüstenrot Bank zahlt dies auch nur für Anlagebeträge bis zu 10.000 Euro und dann auch nur für sechs Monate.

Immerhin können auch Bestandskunden in den Genuss des Sonderzinses von 2 Prozent kommen. Dazu müssen sie bis Ende März einen Zinsgutschein ausfüllen und erhalten dann auf neu zufließendes Geld bis 10.000 Euro für sechs Monate den höheren Zins. Ansonsten beträgt die Verzinsung des Tagesgeldkontos 0,75 Prozent.

Neukunden der Santander Bank erhalten für Anlagebeträge bis 5000 Euro zeitlich unbegrenzt ebenfalls 2 Prozent Zinsen. Darüber hinaus gehende Beträge werden bis 25.000 Euro allerdings nur mit 0,5 Prozent verzinst. Wird auch diese Marke überschritten, sinkt der Zins auf 0,25 Prozent. Immerhin zwölf Monate lang erhalten Neukunden von Cortal Consors für Anlagebeträge bis 50.000 Euro einen Zins von 1,85 Prozent, darüber hinaus und nach Ablauf eines Jahres beträgt die Verzinsung derzeit 1 Prozent. Neukunden wie auch Bestandskunden der Rabobank erhalten auf Einlagen bis zu 500.000 Euro 1,85 Prozent Zinsen. Die Bank hat die Verzinsung zum heutigen Freitag von vordem 2 Prozent gesenkt.

ING Diba senkt auch Kreditzinsen

Noch deutlicher und vor allem für sehr viel mehr Menschen spürbar ist hingegen die Zinssenkung der ING-Diba. Mit mehr als fünf Millionen als „Extrakonto“ bezeichneten Tagesgeldkonten ist die ING- Diba Marktführer in Deutschland. „Aufgrund der aktuellen Marktsituation“ senkt die Bank von Donnerstag an die Zinsen für Bestandskunden von 1,25 auf 1 Prozent.

Bislang hatte die ING-Diba meist Zinsänderungen der EZB auch für ihre Tagesgeldkunden nachvollzogen. Nun hat die EZB jedoch seit mehr als einem halben Jahr ihre Zinsen nicht mehr gesenkt. Ein Sprecher bestätigt zwar, dass die EZB-Zinsen der Haupteinflussfaktor für die Entwicklung der ING-Diba-Zinssätze seien, dass aber auch das generelle Zinsumfeld und die Zinssätze der Konkurrenz berücksichtigt würden. Überdies hat die ING-Diba gleichzeitig auch die Zinssätze für Raten-, Auto- und Wohnkredite um je 0,2 Prozentpunkte gesenkt. Die Verzinsung für Neukunden beläuft sich weiterhin auf 1,75 Prozent.

Weniger als Leitzins ist unfair

Mit einem Zinssatz von 1 Prozent für Bestandskunden befindet sich die ING-Diba nun im Mittelfeld der Zinskonditionen. Etliche Sparkassen und Volksbanken bleiben mit Zinssätzen von manchmal nur 0,15 Prozent weit dahinter zurück. Auch eine Großbank wie die Commerzbank zahlt auf dem Tagesgeldkonto nur 0,45 Prozent Zinsen.

„Eine faire Bank geht nicht unter den Leitzins“, sagt Max Herbst. „Wer dies tut, nutzt die Trägheit der Kunden aus und kann natürlich sagen, die sind selbst schuld, wenn sie nicht wechseln. Eine Bank, die ihre Kunden schätzt, sollte ihnen mindestens das zahlen, was sie auch der EZB zahlen muss.“

Auch Festgeld bringt’s nicht

Wer als Kunde höhere Zinsen haben möchte, muss in den sauren Apfel beißen und sein Geld festlegen. Das nimmt den Kunden zwar ein Stück Flexibilität. Geld, das in absehbarer Zeit nicht gebraucht wird, wirft dafür aber wenigstens höhere Zinsen ab. Gleichwohl sind auch hier die Zinsen zuletzt deutlich gesunken.

Festgeld mit einer Zinsbindung von einem Jahr wird mit durchschnittlich 0,9 Prozent sogar noch schlechter verzinst als Tagesgeld. Auch bei zwei Jahren Laufzeit gibt es keine Anbieter, die deutlich mehr als 2 Prozent Zinsen zahlen und selbst bei vier Jahren Laufzeit zahlt kein Anbieter wenigstens 3 Prozent.

Hier scheint es für viele Anleger sinnvoller, auf steigende Zinsen zu warten als sich für mehrere Jahre fest an niedrige Zinsen zu binden. Relativ an Attraktivität gewonnen haben indes Kredite wie zum Beispiel Baugeld. Als Kehrseite der sinkenden Zinsen sind auch sie günstiger deutlich günstiger geworden.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 14.02.2013, 16:40 Uhr

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