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Mittelstandsanleihen : Sympatex will Gläubiger mit 10 Prozent abfinden

Aus besseren Zeiten: Eine Mitarbeiterin der Sympatex-Tochter Ploucquet überwacht im Labor den Wasserdichtigkeitstest für eine Jacke aus Sympatex. Bild: ddp

Die Textilholding Smart Solutions, einst Sympatex, lädt zur Gläubigerversammlung ein. Diese sollen sich mit einer Abfindung von zehn Prozent bescheiden - und das sei noch viel.

          Man kann nicht sagen, dass die Einladung der Smart Solutions Holding zu einer Anleihegläubigerversammlung am 4. Oktober unerwartet gekommen wäre.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zehn Prozent des Nominalwerts bietet das Unternehmen, das sich in einer wirtschaftlichen Krise befinde, den Anleihegläubiger als einmalige Abfindung. Das sei auch nur möglich, weil der Investor, der Sympatex nun für einen Euro erwirbt, diese 1,3 Millionen Euro aufbringen will. Das sei mehr als im  Insolvenzfall, heißt es zum Trost.

          Im November 2013 hatte sich das noch ganz anders angehört: Der nach eigenen Worten „weltweit führende Spezialanbieter von Hightech-Funktionsmaterialien“ warb damals 13 Millionen Euro für eine Anleihe ein. Dank der „überlegenen Produkteigenschaften“ habe das Material „Sympatex“ „deutliches Potential“. Es gebe Wachstumschancen in 18 bereits erschlossenen Ländern, margenstarke Bereiche wie Contract & Workwear sollten noch stärker ausgebaut, neue Anwendungsbereiche wie die  Medizintechnik oder die Automobilindustrie sollten erschlossen werden.

          SMART SOLUTIONS IHS 13/18

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          Tatsächlich schob das Unternehmen bei tendenziell seit vier Jahren stagnierenden Umsatz einen Verlustvortrag von rund 50 Millionen Euro vor sich her und nur dank einer Zwischenfinanzierung des Haupteigentümers Stefan Sanktjohanser hatte das Unternehmen überhaupt Eigenkapital aufzuweisen.

          Rasch schon zeigte sich, dass aus den hoch fliegenden Plänen nichts werden würde. Schon im Juli 2014 senkte die Rating-Agentur Creditreform hat die Bonitätsnote von „BB-“ auf „B+“. Die geplante Akquisition eines europäischen Mitbewerbers sei aufgrund unterschiedlicher Preisvorstellungen nicht zustande gekommen, geplante Umsatzsteigerungen würden sich auf 2015 verschieben.

          Nur fünf Monate später hieß das Rating nur noch „B-“. Die verbesserte Auftragslage spiegele sich nicht in ausreichendem Maße im Zahlenwerk der Unternehmensgruppe wider. Zusätzlich sei ein avisierter Unternehmenskauf zur Senkung der durchschnittlichen Fixkosten bisher nicht zustande gekommen.

          Der Umsatz dümpelte weiter dahin und schon 2014 war das Eigenkapital wieder aufgezehrt. Diese Lücke vergrößerte sich 2015 von 215.000 auf fast 12 Millionen Euro. Im gleichen Jahr kündigte Smart Solutions an, die Anleihe zu Kursen um den Nominalwert zurückkaufen zu wollen.

          Doch weil es dem Unternehmen nicht gelang, eine beschlussfähige Gläubigerversammlung zusammenzubringen, scheiterte das Vorhaben schon im Ansatz.

          Danach war nicht mehr viel zu hören. Es folgte die Namensänderung und der Verkauf des Werks in Zittau und jetzt die faktische Selbstauflösung.

          Im Geschäftsjahr 2016 betrug der Umsatz noch  26,1 Millionen Euro und der neuerliche Verlust lag bei 6,9 Millionen.

          Quelle: FAZ.NET

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