08.05.2007 · Man sollte sich die Villa des Vorstandsvorsitzenden ansehen, bevor man in Aktien seines Unternehmens investiert. Eine Studie will beweisen, dass ein teures Anwesen die Kursentwicklung oft negativ beeinflusst.
Von Norbert Kuls, New YorkIn New York gibt es zwei Branchen, die die Phantasie der wirtschaftlich interessierten Einwohner am meisten anregen. Die erste ist die Immobilienbranche, deren Bild von den Wolkenkratzern Manhattans geprägt wird und deren astronomische Wohnungspreise ein beliebtes Gesprächsthema sind. Die zweite ist die Finanzbranche, deren Herz an der Wall Street schlägt.
Daher ist es kein Wunder, dass eine jüngst von zwei Finanzprofessoren veröffentlichte Studie an der Wall Street auf besondere Aufmerksamkeit stieß. Die Wissenschaftler belegten nämlich eine klare Verbindung zwischen Immobilien und Aktienmarkt. Genauer gesagt: zwischen der Größe der Anwesen von Vorstandschefs und dem Aktienkurs der von ihnen geführten Unternehmen. Der provokante Titel: „Wo sind die Villen der Aktionäre?“ Die Antwort auf diese Frage: Für Aktionäre amerikanischer Unternehmen, deren Vorstandschefs die größten Villen kaufen, stehen die Chancen schlecht, selbst zu einem herrschaftlichen Anwesen zu kommen.
Studie über Erstwohnsitze und Immobilienkäufe
Einzelbeispiele belegen diesen Trend, auch wenn die Autoren in der Studie keine Namen nennen. Der Investor Warren Buffett, nach Bill Gates zweitreichster Mann der Welt und Vorstandsvorsitzender der Holding-Gesellschaft Berkshire Hathaway, lebt weiterhin in Omaha in dem bescheidenen Haus, das er im Jahr 1958 für 31.000 Dollar gekauft hatte. Bernard Ebbers dagegen, der wegen Bilanzbetrugs zu 25 Jahren Haft verurteilte langjährige Vorstandschef des früheren Telekommunikationskonzerns Worldcom, residierte in einer weitläufigen Villa in Mississippi. Während Buffett seine frühen Aktionäre reich machte, verloren die Anteilseigner von Worldcom den Großteil ihres Besitzes.
In ihrer Studie haben die Professoren David Yermack von der New York University und sein Kollege Crocker Liu von der Arizona State University Daten über die Erstwohnsitze und Immobilienkäufe von fast allen Vorstandschefs der im Aktienindex S&P 500 abgebildeten Unternehmen zum Stichtag Ende 2004 gesammelt. „Wir erkennen, dass die Aktien der Unternehmen von Vorstandschefs, die extrem große Immobilien erwerben, im Nachhinein eine schlechtere Wertentwicklung an den Tag legen“, heißt es in der Studie. Für das Jahr 2005 entwickelten sich die Aktienkurse der Unternehmen, die von den Chefs mit den größten Villen geführt wurden, um 6 bis 10 Prozent schlechter als die Kurse der anderen Unternehmen.
Typischer Marktwert: 2,3 Millionen Dollar
Das typische Haus eines amerikanischen Vorstandschefs hat den Autoren zufolge 11 Zimmer sowie 4,5 Badezimmer auf einer Wohnfläche von rund 520 Quadratmetern. Dazu kommt ein Grundstück von etwas mehr als einem halben Hektar. Der typische Marktwert lag im vergangenen Jahr bei 2,3 Millionen Dollar. Insgesamt sind die Chef-Anwesen mehr als doppelt so groß wie ein normales Haus in den Vereinigten Staaten. Der Marktwert, der von Lage und Ausstattung abhängt, liegt neunmal so hoch.
Einer ganzen Reihe von Unternehmenslenkern bietet ein typisches Anwesen allerdings kaum genug Platz. Als „extrem große Immobilien“ bezeichneten die beiden Wissenschaftler Anwesen, die mindestens 930 Quadratmeter Wohnfläche oder vier Hektar Land besitzen - im besten Fall sogar beides. Die Anwesen von 15 Prozent der Vorstandschefs der S&P-500-Unternehmen erfüllten die Bedingungen. Ein Zehntel der Häuser liegt zudem direkt neben einem Golfplatz, und mindestens ein Anwesen besitzt einen privaten Polo-Spielplatz und eine Pferdereitbahn.
Erwerb von weitläufigen Anwesen wirkt negativ
Robert Nardelli, der frühere Vorstandschef der Baumarktkette Home Depot, kaufte sich nach seinem Antritt im Dezember 2000 umgehend eine 2.800 Quadratmeter große Villa. Bis zu seinem Rücktritt Anfang dieses Jahres entwickelte sich der Aktienkurs des Unternehmens deutlich schlechter als der Markt.
Der Erwerb von weitläufigen Anwesen könnte nach Ansicht von Yermack und Liu ein Zeichen sein, dass sich ein Vorstandschef in seiner Position sicher fühlt und deswegen weniger hart arbeitet. Eine andere Erklärung für die schwächelnden Aktienkurse könnte sein, dass Vorstandschefs zu stark mit der Erhaltung ihrer neuen Besitztümer und ihrem öffentlichen Status beschäftigt sind, als dass sie sich um eine Fortentwicklung ihres Unternehmens kümmern.
Ausnahme: Bill Gates
Aktienkurse von Unternehmen müssen sich aber nicht zwingend schlechter entwickeln, nur weil der Vorstandschef ein großes Haus hat. So stieg der Aktienkurs des Software-Riesen Microsoft weiter kräftig an, nachdem Mitgründer und Vorstandschef Bill Gates 1995 seinen mehr als 6.100 Quadratmeter großen Wohnkomplex fertiggestellt hatte.
Den Rückgang des Microsoft-Kurses nach dessen Höchststand Anfang 2000 musste Gates' Nachfolger Steve Ballmer verantworten. Ballmer lebt für Chef-Verhältnisse allerdings vergleichsweise bescheiden - sein Haus hat nur 380 Quadratmeter Wohnfläche.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3213 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 117,85 $ | −0,04% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |