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Wall Street Kaufen, wenn es zu Rückschlägen kommt

07.10.2009 ·  Die Korrekturneigung an den Börsen hält sich bisher in Grenzen. Die enorme, außerhalb des Aktienmarktes geparkte Liquidität lässt einige Marktanalysten vermuten, dass die Anleger auf einen größeren Kursrückgang warten, um mehr Aktien zu kaufen.

Von David Bogoslaw
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Niemand glaubt, dass dieser Oktober mit Wirtschaftsnachrichten aufwarten wird, die den Horrormeldungen des vergangenen Jahres Konkurrenz machen werden. Aber das bedeutet nicht, dass die meisten Anleger nicht nervös nach kleinen Rückschlägen Ausschau halten, die aus dem Schatten hervorkriechen und die Aktienkurse nach unten treiben können.

Seit der Standard & Poor's 500-Aktienindex am 23. September 2009 ein Innertageshoch von 1.080,15 erreichte - fast 60 Prozent über dem Tief vom 9. März - hat eine Welle enttäuschender Wirtschaftsdaten die Investoren verängstigt. Am 30. September drückten ein Rückgang des Chicago Purchasing Manager's Index von 50 auf 46,1 und Meldungen, dass private Arbeitgeber im September 180.000 weitere Arbeitsplätze gestrichen haben, den S&P 500-Index kurzzeitig um 1,3 Prozent nach unten, während ein Einbruch von 23 Prozent bei den Autoverkäufen von August bis September zur Folge hatte, dass der Gesamtmarkt am 1. Oktober 2,6 Prozent niedriger schloss.

Der größer als erwartet ausgefallene Rückgang bei den „Nonfarm Payrolls“ - der Zahl der Arbeitsplätze ohne Berücksichtigung der Landwirtschaft - um 263.000 im September löste in Verbindung mit einem Anstieg der Erwerbslosenquote auf 9,8 Prozent fast einen weiteren drastischen Abverkauf am 2. Oktober aus. Alle drei bedeutenden Aktienindizes erholten sich jedoch von ihren Tiefs und schlossen an dem Tag gerade einmal 0,46 Prozent niedriger ab. Das lasse vermuten, dass die Anleger die Rückwärtsentwicklung als eine Chance sahen, einige Aktien zu niedrigeren Kursen zu erwerben, meint Sam Stovall, Chefinvestmentstratege bei Standard & Poor's.

Warten auf den freien Fall

Sind die Anleger nun aber, da die Wirtschaftsgewässer unruhiger werden und die Zeit der Erträge im dritten Quartal beginnt, weniger geneigt als noch vor ein paar Wochen, Aktien zu kaufen, wenn der Markt rückläufig ist? „Vor ein paar Wochen warteten [die Anleger] auf einen Rückgang [, der nicht eintrat]. Sie haben sich an das Gefühl gewöhnt, dass es keinen großen Rückgang geben wird. Darum leisten sie sich sogar ein paar Innertageskäufe“, erklärt Stovall.

Während einer Telefonkonferenz am 30. September sagte Mark Arbeter, technischer Chefanalyst bei S&P, er sehe einen recht gleichmäßigen Anstieg des S&P 500 auf 1.120 bis Ende 2009. Damit wäre die Hälfte der Marktverluste, die der Bärenmarkt angerichtet hat, wieder hereingeholt. Arbeter erwartet, dass der Markt von dort aus um 5 bis 10 Prozent rückläufig sein wird, bevor er wieder steigt.

Die Mentalität, bei Rückläufigkeit in den Markt einzusteigen, besteht nach wie vor. Aber jetzt warteten die Anleger auf größere Rückgänge als die einem oder zweiProzent am Tag, von denen sie sich noch vor ein paar Wochen verführen ließen, meint Stuart Hoffman, Chefvolkswirt bei PNC Wealth Management in Pittsburgh. „Wenn sich der Markt von seinem September[ Hoch] um fünf Prozent nach unten entwickeln und von dort weiter nachgeben würde, dann würden die Leute zugreifen, weil sie meinen, nun sei etwas zu holen.“

Ein unsteter Oktober

Hoffman erwartet für den Oktober ein weit stärkeres Schwanken der Aktienkurse, was sich bereits an den ersten beiden Handelstagen bemerkbar macht. Die jüngsten enttäuschenden Wirtschaftszahlen haben vor dem Hintergrund der fortdauernden Sorge um die Tragfähigkeit der wirtschaftlichen Erholung die Marktstimmung gedrückt, urteilt Bruce McCain, Chefmarktstratege der Key Private Bank (KEY) in Cleveland. „Es ist ganz normal, dass man nach einem sechsmonatigen Entwicklungstrend eine größere Korrektur zu erwarten hat“, meint er. „Bei einem Rückgang von 10 Prozent würden wir davon ausgehen, dass der Markt auf die eine oder andere Weise Unterstützung findet und wieder Fahrt aufnimmt.“

Rob Lutts, Präsident und Chief Investment Officer bei Cabot Money Management, meint, erst dann überzeugt zu sein, dass die positive Marktdynamik nicht aufrecht erhalten werden könne, wenn er sehe, dass der Aktienmarkt 5 Prozent unter seinen September-Hochs abschließe. Die liquiden 3,4 Billionen Dollar, die außerhalb des Marktes bereitliegen, lassen ihn darauf schließen, dass eine große Geldwelle in den Markt schwappen werde, die eine signifikante Korrektur verhindere. „Ich kann nicht glauben, dass 3,4 Billionen Dollar heute dort sind, wo sie sein sollten“, resümiert er. „Ich denke, sie sind am falschen Ort, weil sie keine Rendite abwerfen.“

Skepsis gegenüber dem vierten Quartal

Der größte Teil der 500 Milliarden Dollar, die seit Januar aus den Geldmarktfonds abgezogen wurden, seien aufgrund überzeugend niedriger Anleihenpreise und hoher Erträge in Rentenfonds geflossen. Nun aber, da die Credit Spreads von Unternehmensanleihen und amerikanische Schatzanweisungen mit vergleichbaren Fälligkeiten so viel weniger voneinander abweichen, sei es wahrscheinlicher, dass weniger risikoscheue Anleger ihr Geld lieber in Aktien als in Anleihen investieren, vermutet Talley Leger, Vizepräsident für amerikanische Portfoliostrategien bei Barclays Capital. Laut seiner Analyse werde der Aktienmarkt in einer wiedererstarkenden Wirtschaft höchstwahrscheinlich besser abschneiden als Anleihen.
Man mache sich keine großen Sorgen, dass mittelmäßige Ertragsberichte für das dritte Quartal einen stärkeren Abverkauf im Aktienmarkt auslösen könnten. Den meisten Anlegern sei klar, dass sie ab der Talsohle eines Bärenmarktes neun Monate warten müssten, bevor sich die Erträge nennenswert erholten, meint Stovall von S&P. Das lasse vermuten, dass man die Ergebnisse des vierten Quartals genauer unter die Lupe nehmen werde, als die unmittelbareren Ergebnisse.

Die betrieblichen Erträge der S&P 500-Unternehmen, berichtet Stovall, entwickelten sich von einem Absturz (im Jahresvergleich) von 101 Prozent im vierten Quartal 2008 zu Rückgängen von 39 Prozent im ersten Quartal 2009 oder. 19 Prozent im zweiten Quartal. Seine jüngste Schätzung gehe von einem siebenprozentigen Rückgang der Ergebnisse des dritten Quartals im Vergleich zum Vorjahr aus und es gebe Grund zu der Annahme, dass dieser Wert besser sein werde als erwartet. Nicht nur, weil ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im dritten Quartal auf Jahresbasis um 2,5 Prozent oder mehr erwartet werde - auch die Ölpreise seien im Vergleich zum Ende des dritten Quartals des Vorjahres um 33 Prozent niedriger. Er glaube auch, dass der schwächere Dollar die Erträge steigen lassen könne, „weil nach unserer Schätzung etwa 50 Prozent der Umsatzerlöse von Unternehmen des S&P 500 aus dem Auslandsgeschäft stammen“, so Stovall.

Warten auf den richtigen Moment

Nach Ansicht von Stuart Hoffman von PNC ist die Gefahr, dass der Markt durch die strengen Vergleiche mit den Vorjahresergebnissen Enttäuschungen erleben werde, noch lange nicht gebannt, wenn man bedenke, dass das durch den Zusammenbruch von Lehman Brothers ausgelöste Finanzmarktdebakel gegen Ende des dritten Quartals 2008 eingetreten sei. Das überzeuge ihn, dass dies „eine Zeit ist, in der man besser auf den richtigen Moment wartet, anstatt beim ersten Anzeichen von Rückläufigkeit überhastet in den Markt einzusteigen“.

David Bogoslaw ist Reporter für den Business Week Investing Channel.

Quelle: BusinessWeek Online
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