Die hohe Unsicherheit an den Finanzmärkten hinterlässt tiefe Spuren im Investmentbanking. Unter der Flaute leiden nicht nur die großen Finanzmetropolen New York und London, sondern auch der Finanzplatz Deutschland, an dem das Investmentbanking nicht nur von heimischen Häusern, sondern auch von zahlreichen Auslandsbanken betrieben wird.
Aktuelle Zahlen des Datenanbieters Thomson Reuters für die erste Hälfte des Jahres 2012 verdeutlichen die Misere. Demnach sind die von den Banken vereinnahmten Gebühren für abgeschlossene Fusionen und Übernahmen unter Beteiligung deutscher Unternehmen gegenüber dem Vorjahr um 70 Prozent auf 233,2 Millionen Dollar eingebrochen. Platz eins in der Rangliste nimmt die amerikanisch-französische Investmentbank Lazard ein, auf die 23,4 Millionen Dollar Gebühren entfielen.
Viele Geschäfte kommen nicht zustande
Zahlreiche Geschäfte befinden sich auf dem Weg, sind aber noch nicht abgeschlossen. Hierzu zählen die Übernahme der Open Grid Europe GmbH, die in Deutschland 12.000 Kilometer Erdgasfernleitungen betreibt, an ein Konsortium von Finanzinvestoren sowie die geplante Übernahme der Rhön Klinikum AG durch die Fresenius SE.
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Viele Geschäfte, darunter auch Börsengänge kommen nicht zustande - zum Teil wegen des schwierigen politischen Umfelds in Europa, zum Teil auch als Folge eines zu langen Zögerns im Frühjahr, als die Aktienmärkte sich noch in einer besseren Verfassung befanden. Die Umstände, unter denen in den Vereinigten Staaten Facebook an die Börse gegangen ist, haben auch nicht geholfen.
„Wir haben mit der Vorbereitung von Deals einiges zu tun. Aber derzeit erblicken aufgrund der Marktvolatilität nur wenige Transaktionen das Licht der Welt“, sagt Stefan Weiner, Leiter Equity Capital Markets bei JP Morgan. „Derzeit lasten erhebliche Unsicherheiten auf den Märkten. Aus der Sicht der Marktteilnehmer kommt es darauf an, wie die politische Führung mit Blick auf die Euro-Krise agiert und wie sich die Gesamtwirtschaft entwickelt.“ Nicht wenige Banker meinen, die Absage des Börsengangs von Evonik werde den Markt lange belasten.
Hohe Infrastrukturkosten
Es sind aber nicht alleine Fusionen, Übernahmen und Börsengänge, die schlecht laufen. Auch die Emissionen neuer Aktien sind in den vergangenen Monaten im Vergleich zu den Vorjahren sehr schwach verlaufen, und mit Emissionen am Anleihemarkt sieht es nicht viel besser aus. Ohne die Berücksichtigung von Wandel- und Optionsanleihen sähe die Statistik bei den Erhöhungen von Eigenkapital noch viel schlimmer aus. An der Gesamtbilanz kann auch die sehr gut verlaufene Kapitalerhöhung der Deutsche Wohnen, die 460 Millionen Euro erlösen konnte, nichts ändern. Die Deutsche Wohnen befindet sich als Besitzerin von Wohnungen in einer Branche, die sich derzeit großer Beliebtheit bei vielen Anlegern erfreut. Eine schlechte Stimmung herrscht auch im Wertpapierhandel. Aus Investmentbanken ist zu hören, große institutionelle Kunden hätten im bisherigen Jahresverlauf ihre Umsätze im Aktiengeschäft um 20 Prozent, in einzelnen Fällen auch um deutlich mehr reduziert.
Manche Investmentbanker halten nach der Sommerpause einen Personalabbau von rund 10 Prozent für möglich. Schon jetzt reduzieren Investmentbanken zum Beispiel auch in London auf eher schleichende Weise Personal. Scheinbar paradoxerweise könnten aber gerade in der Sparte Fusionen und Übernahmen tätige Banker trotz der schlechten Geschäfte noch am ehesten geschützt sein. Denn viele dieser Banker verfügen über enge Kontakte zu deutschen Unternehmen. Damit sind sie als Türöffner wichtig, wenn sich die Zeiten wieder einmal bessern sollten.
Im Wertpapierhandel fallen nicht nur Personalkosten an, sondern auch hohe Infrastrukturkosten wegen der modernen Informationstechnologie an. Viele ausländische Investmentbanken unterhalten ohnehin nur kleine Händlerteams. Rückläufig ist in Deutschland auch die Zahl von Banken, die eigenes Research über den deutschen Aktienmarkt erstellen.
