30.01.2012 · Die Entwicklung an den Kapitalmärkten sorgt für niedrigere Gewinne und sinkende Erfolgsprämien der Banker. Der Rückgang wird im zweistelligen Prozentbereich erwartet.
Von Markus Frühauf, Hanno MußlerDie Staatsschuldenkrise, der damit verbundene Wachstumseinbruch und die schlechte Entwicklung an den Kapitalmärkten werden viele Mitarbeiter deutscher Banken in ihrem Portemonnaie spüren. Einen Vorgeschmack liefert die Wall Street, wo die Banken die Boni-Zahlungen für das abgelaufene Geschäftsjahr im Durchschnitt um 30 Prozent gesenkt haben, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg ausgewertet hat.
Betroffen sind vor allem die obersten Führungsebenen. So soll die Investmentbank Goldman Sachs, deren Gewinn um 47 Prozent eingebrochen ist, sämtliche Leistungen für führende Mitarbeiter gegenüber dem Vorjahr um 50 bis 70 Prozent gekürzt haben. Darin enthalten sind Fixgehalt, Boni, Aktienrückstellungen und Sozialleistungen. Auf den Ebenen darunter fallen die Kürzungen nicht ganz so drastisch, aber immer noch deutlich aus: Die Goldman-Sachs-Mitarbeiter, auch in der Frankfurter Niederlassung, müssen sich auf einen Gehaltsrückgang von 20 bis 30 Prozent einstellen.
Ähnlich dürfte es bei anderen Frankfurter Niederlassungen amerikanischer Investmentbanken wie Morgan Stanley, JP Morgan oder Citigroup sowie auch bei den Schweizer Banken UBS und Credit Suisse aussehen. „Es würde mich nicht wundern, wenn am Ende ein Drittel weniger herausspringt als noch vor einem Jahr“, sagt ein Investmentbanker, der nicht genannt werden will. Die Wall-Street-Banken liefern einen Vorgeschmack auf die Deutsche Bank, die erst im März in ihrem Vergütungsbericht ausführlich die Zahlungen an ihre Angestellten darstellen wird.
Am Donnerstag wird der Ende Mai scheidende Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann zum letzten Mal über ein abgelaufenes Geschäftsjahr berichten. Das Vorsteuerergebnis dürfte nach Schätzungen von Analysten mit 6,5 Milliarden Euro höher ausfallen als 2010. Aber Ackermann hatte ursprünglich ein Ziel von 10 Milliarden Euro genannt, das er nach dem dritten Quartal aufgegeben musste. Nach den ersten neun Monaten sank der Personalaufwand für Investmentbanker um 7 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro. Doch diese Zahl wird durch verzögert ausgezahlte Erfolgsprämien verzerrt, die aus zurückliegenden Geschäftsjahren stammen. Es ist davon auszugehen, dass die für 2011 gewährten Boni gerade im Investmentbanking der Deutschen Bank sogar noch deutlicher sinken dürften.
Dirk Friederich, Partner der Personalberatung Boyden, erwartet in diesem Jahr Boni-Kürzungen von 10 bis 20 Prozent. Stefanie Schulz, die für die Personalberatung Michael Page den Bankbereich verantwortet, rechnet ebenfalls mit einer deutlichen Verringerung aufgrund der schwachen Ertragslage 2011. Personalberater Matthias Saenger von Saenger Advisory erwartet eine starke Spreizung: „Wer Erträge erzielt, ob als Mitarbeiter oder Führungskraft, wird glimpflich davon kommen.“ Hohe Kürzungen der variablen Vergütung sieht Saenger dagegen in kundenfernen Geschäftsbereichen und im Kapitalmarktgeschäft. „Ausgewählte Top-Leute aber werden von allen Banken auch im jetzigen Umfeld gut behandelt werden. Denn die hinter ihnen stehenden künftigen Erträge zu verlieren, wäre fatal.“
Dies gilt etwa für das Firmenkundengeschäft, in dem kaum eine Bank schrumpfen will und das eine Domäne der Commerzbank ist. Die variable Vergütung bemisst sich hier aus drei Komponenten: dem Jahresergebnis der Bank, dem Ergebnis des Geschäftsbereiches und inwiefern der einzelne Mitarbeiter die gesteckten Jahresziele erreicht hat.
Die Commerzbank hat nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Martin Blessing im Jahr 2011 ein vorläufiges IFRS-Konzern-Ergebnis nach Steuern von 1,6 Milliarden Euro erzielt. Das wäre etwas mehr als im Jahr 2010 mit 1,5 Milliarden Euro.
Für 2010 hatte die teilverstaatlichte Commerzbank an 30.000 außertariflich beschäftigte und an 20.000 nach Tarif bezahlte Angestellte 440 Millionen Euro an variablen Bezügen ausgeschüttet. Das sind 10 Prozent der gesamten Gehaltssumme und knapp 9.000 Euro pro Kopf. Damit wurde der „außerordentliche persönliche Einsatz insbesondere bei der Integration der Dresdner Bank honoriert“. In diesem Jahr dürften es weniger werden, selbst wenn die Commerzbank am 23. Februar ein höheres Jahresergebnis für 2011 als für 2010 vorlegt. Zudem hofft Blessing darauf, dass viele Mitarbeiter sich ihren Bonus nicht in bar, sondern für die Bank kapitalschonend in Commerzbank-Aktien auszahlen lassen.
An die Mitarbeiter der Helaba schrieb der Vorstandsvorsitzende Hans-Dieter Brenner in der vergangenen Woche, die Landesbank habe 2011 an ihr „sehr erfreuliches IFRS-Vorjahresergebnis anknüpfen können“. Damit weckte Brenner Hoffnungen, dass alle 5000 Mitarbeiter wie in den Vorjahren rund 10 Prozent erfolgsabhängige Prämie auf ihr Gehalt erhalten, im Vorjahr insgesamt 25 Millionen Euro.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |