http://www.faz.net/-gv6-xrye

Richtiger Anlagemix : Vermögensverwalter setzen 2011 auf Sachwerte

Sachanlagen empfohlen: Vermögensverwalter raten zu Immobilien, Aktien und Rohstoffen Bild: obs

Eine Umfrage der F.A.Z. zeigt große Beunruhigung über die Schuldenkrise: Zehn befragte Vermögensverwalter raten überwiegend zu hohen Quoten in Aktien, Rohstoffen und Immobilien. Lang laufende Anleihen werden dagegen gemieden.

          Viele Vermögensverwalter raten dazu, in diesem Jahr einen Großteil des Vermögens in Sachanlagen wie Aktien, Rohstoffen und Immobilien zu investieren und Nominalwerte wie Anleihen weitgehend zu meiden. Dieser Schluss lässt sich aus einer Umfrage dieser Zeitung ziehen, an der zehn Vermögensverwalter teilgenommen haben. Wir wollten wissen, auf welche Anlageklassen ein 30 und ein 60 Jahre alter Anleger ihr Geld verteilen sollten. Ein Ergebnis: Sieben von zehn Vermögensverwaltern empfehlen dem Dreißigjährigen, überhaupt keine lang laufenden Anleihen im Depot zu haben.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Den Grund für diese eindeutige Empfehlung bringt Bert von Flossbach so auf den Punkt: „Der reale Erhalt des Vermögens ist das dominierende Investmentthema. Angesichts der ultralockeren Geldpolitik der Notenbanken müssen sich Anleger auf spürbar höhere Inflationsraten einstellen, auch wenn in den offiziellen Preisstatistiken noch Friedhofsruhe herrscht.“ Der Gründer des Kölner Vermögensverwalters Flossbach & von Storch spricht mit seiner Sorge um die Stabilität des Geldwertes vielen seiner Kollegen aus der Seele.

          Käme es tatsächlich zu Inflation, verlöre eine Anleihe umso mehr an Realwert, je länger die Laufzeit und damit die Rückzahlung für den Anleger noch dauert. „Wir erwarten steigende Zinsen und entsprechend im Gegenzug Kursverluste. Die Kupons der derzeit verfügbaren Langläufer bezahlen unseres Erachtens dieses Risiko nicht ausreichend“, sagt auch Timon Heinrich vom Vermögensverwalter Hansen & Heinrich. Hans-Georg Kuhlmann von PAM gehört zwar zu den wenigen Vermögensverwaltern, die 10 Prozent der Mittel in lang laufende Anleihen investieren, aber auch er sieht die Risiken und rät zu Zinspapieren mit variablem Zins (Floatern), zu inflationsgeschützten oder zu Anleihen aus den stark wachsenden und wenig verschuldeten Schwellenländern.

          Aktien sind erste Wahl für Vermögensverwalter

          Auch wenn Vermögensverwalter oft zu kurzfristigen Anleihen raten, so ähneln diese für sie doch im Charakter oft der „Kasse“, stehen also potentiell für Anlagen zur Verfügung, falls sich neue Chancen auftun. Nur wenige wie Johannes Führ und Joachim Paul Schäfer von PSM halten das aktuelle Zinsniveau - Bundesanleihen mit fünf Jahren Laufzeit werfen derzeit 2,2 Prozent ab - für hoch genug, um nach Inflation den Wert des Vermögens zu erhalten. Aber beide raten dazu, Aktien aus den Schwellenmärkten oder solche von Unternehmen, die dort wachsen, beizumischen.

          Dagegen sind für die meisten Vermögensverwalter Aktien erste Wahl, gefolgt von Edelmetallen wie Gold, Rohstoffen und Wohnimmobilien, deren Mieteinnahmen stabilisierend auf das Depot einwirken können. „Letztlich bietet keine Anlage einen besseren Schutz vor Inflation als die Aktie“, sagt Flossbach. Anleger sollten aber darauf achten, global aufgestellte Unternehmen auszuwählen, die ihre Preise überwälzen könnten und in den Schwellenländern stark wüchsen.

          Wachstum hauptsächlich in den Schwellenländern

          Gottfried Heller, Seniorpartner von Fiduka und langjähriger Weggefährte von Börsenguru André Kostolany, rät einem 30 Jahre alten Anleger zu 75 Prozent Aktienquote, darunter sollten 20 Prozent in Aktien von Rohstoff- und Edelmetallminen in Australien, Kanada und Südafrika und 20 Prozent in dividendenstarke Aktien aus Europa, die vorwiegend in den Branchen Öl, Versorger und Telekommunikation zu finden sind, investiert sein. Dem 60 Jahre alten Anleger rät Heller wie viele seiner Kollegen zu einer etwas niedrigeren Aktienquote wegen des kürzeren Anlagehorizontes, der bei den oft stark schwankenden Aktien ins Gewicht fällt.

          Beherrschendes Thema für die Aktienanlage ist für die Vermögensverwalter, dass sie den Schwellenländern weiterhin ein stärkeres Wachstum zutrauen als den Industrieländern in Europa. „Wirtschaftliches Wachstum als Grundlage zum Vermögensaufbau wird auf absehbare Zeit hauptsächlich in den Schwellenländern wie Mexiko, Brasilien, Indien und China stattfinden“, sagt Georg Thilenius.

          Der für seine hohe Aktienquote bekannte Stuttgarter Vermögensverwalter rät, zyklische Aktien aus Branchen wie Automobil und Maschinenbau zu meiden und vielmehr auf Konsum- und Medizinwerte zu setzen. Aktien von Goldminen hält Thilenius anders als viele Kollegen für aussichtsreicher als physisches Gold. Von Industriemetallen rät er Anlegern ganz ab, weil wegen der hohen Preise gerade neue Produktionskapazitäten erschlossen würden und zudem der Rohstoffhunger Chinas abnehmen werde.

          Weitere Themen

          Italien schwächt den Euro

          Euro-Tief : Italien schwächt den Euro

          Der Wechselkurs der Gemeinschaftswährung fällt auf den niedrigsten Stand seit Juni 2017. Am Markt herrscht Einigkeit: Schuld daran ist Italien. Und das Verhalten der populistischen Regierung in Rom verheißt auch für die Zukunft nichts Gutes.

          Pampers statt iPhones

          Wall Street : Pampers statt iPhones

          An den amerikanischen Aktienmärkten gehen Anleger in die Defensive. Apple ist weniger gefragt, dafür Procter&Gamble oder McDonald’s.

          Topmeldungen

          Amerikas Vizepräsident Mike Pence spricht in Papua-Neuguinea.

          Amerika gegen China : Ein Clash der Systeme

          Beim Apec-Gipfel auf Papua-Neuguinea machen sich Amerika und China heftige Vorwürfe – und präsentieren ihre konkurrierenden Entwürfe für eine Weltordnung. Beide Länder stehen jedoch vor dem gleichen Problem.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.