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Rentenmärkte Das Kreuz mit dem Inflationsschutz

18.05.2010 ·  Inflation ist ein Thema, das viele Anleger umtreibt, seit die Notenbanken ihre Schleusen geöffnet haben. Doch sie ist nicht in Sicht. Und auch der Schutz des Depots vor derselben ist nicht so einfach.

Von Martin Hock
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Inflation ist ein Thema, das Anleger seit Beginn der Rettungsaktionen für Banken, Konjunktur und mittlerweile ganze Staaten umtreibt. Denn die gängige ökonomische Logik besagt, dass eine massive Ausweitung der Geldmenge unweigerlich Inflation nach sich zieht.

Davon war aber bislang nichts zu sehen. Als Grund wurde dafür immer wieder die Logik der Rezession ins Feld geführt, wonach der drastische Fall der Kapazitätsauslastung für ausreichende Reserven sorgte, die ein stärkeres Ansteigen der Preise verhindert.

Inflationserwartungen auf dem Rückzug

Doch mittlerweile scheinen sich insbesondere die Vereinigten Staaten auf dem Weg heraus aus der Rezession zu befinden, derweil die Geldpolitik immer noch nahezu nicht existiert, so dass die Inflationssorgen zunehmen. Doch auch hier zeigen alle Daten ein beruhigendes Bild: Die Inflationserwartungen in den Vereinigten Staaten haben zuletzt eher abgenommen, zeigt der Indikator der University of Michigan, der die mittelfristigen Inflationserwartungen misst.

Und Eric Le Coz, Chefstratege der französischen Fondsgesellschaft Carmignac weist darauf hin, dass es Prognosen gebe, wonach sich das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft ab dem Sommeranfang wieder verlangsamen werde.

Die Welt in drei Gruppen - und Großbritannien

Weltweit zeigt sich die Inflation mit vom Internationalen Währungsfonds prognostizierten 3,3 Prozent für das laufende Jahr also eher von der ruhigen Seite. Richard Batty, Investmentstratege der Fondsgesellschaft Standard Life, sieht indes die Welt in drei Gruppen aufgeteilt: Teile der Eurozone und Japan befänden sich weiter in einem deflationären Umfeld, in einer Gruppe von Ländern wie den Vereinigten Staaten sei die Inflation gemäßigt. Doch in einigen Schwellenländern und auch in Australien sei die Geldpolitik zu locker gewesen.

Und dann gebe es noch Großbritannien, wo die Inflation hartnäckig über den Zielvorgaben der Bank of England liege. Dies spreche für einen permanenten Kapazitätsabbau, aber auch für eine schlechte Prognose der Wechselkurseffekte.

Ein schwer zu fassendes Problem

Inflationsängste halten die Strategen derzeit für verfrüht. Während für den Franzosen Le Coz das Thema daher im Grunde keine Rolle spielt, sieht der Brite Batty das Problem im Grunde als schwer zu fassen an. Die Inflationsraten hätten in jüngster Zeit stärker geschwankt. Nicht auszuschließen, dass dies einen Anstieg der Inflationserwartungen nach sich ziehe. Auch könne die Inflation in manchen Schwellenländern angesichts der losen Geldpolitik über höhere Rohstoffpreise wenigstens vorübergehend stärker steigende Preise bewirken.

Anderseits wieder könnten die Inflationserwartungen mit dem jüngsten Nachlassen des Preisauftriebs fallen. Dann bestehe das Risiko darin, dass es zu einer raschen Wende komme. Zwar vertritt auch er die Ansicht, dass in den kommenden Jahren in weiten teilen der Welt die disinflationären Kräfte dominieren werden, hält aber angesichts dieser Unsicherheit ein pro-aktives Absichern für eine mögliche Strategie.

Nicht immer ist die heimische Inflation ausschlaggebend

Dabei sei ein ausgewogenes Depot mit einer starken Übergewichtung an Sachwerten im Vorteil, sagt Batty und verweist auf eine Analyse für Großbritannien und die Vereinigten Staaten über die vergangenen 13 Jahre. Ein dauerhaftes Ansteigen der Inflation in beiden Ländern führte zu massiven Kursverlusten festverzinslicher Staatsanleihen.

Doch die Ergebnisse der Analyse sind uneindeutig. So verzeichneten auch Aktien in Reaktion auf einen dauerhaften Anstieg der amerikanischen Inflationsrate deutliche Kursanstiege. Doch in Bezug auf die britische Inflation ist eine Reaktion der Aktienmärkte nicht festzustellen - noch nicht einmal für den britischen Leitindex FTSE 100, der sehr wohl auf die amerikanische Inflation reagierte. Das erscheint ein deutlicher Beleg für die Erfahrung zu sein, dass die Aktienkurse weltweit sehr wohl auf kleine Veränderungen in den amerikanischen Konjunkturdaten reagieren, doch nationale Daten auf Dauer zu vernachlässigen sind.

Das gilt auch für die Rohstoffpreise, die auch auf eine vorübergehend höhere Inflation in den Vereinigten Staaten mit überproportionalen Preisanstiegen reagierten. Die britische Inflation spielte dagegen nur für gewerbliche Immobilien auf der Insel eine kleine Rolle, die in etwa wertstabil blieben - und für Gold. Offenbar sind Anleihenmärkte und der Goldmarkt stärker national orientiert, wobei auch die traditionelle Bedeutung Londons für den Goldhandel eine Rolle spielen dürfte.

Linker: Spekulation auf die Inflation

Für deutsche Anleger könnte das unter Umständen keine allzu schlechte Botschaft sein. Denn traditionell ist die Inflationsrate in den Vereinigten Staaten spürbar höher als in Europa bzw. Deutschland. Wenn die Aktienkurse und Rohstoffpreise also vorwiegend auf Preissteigerungen in Amerika reagieren, so könnten deutsche Anleger preisbereinigt höhere Renditen verbuchen.

Wer sich aber nicht auf Vermutungen einlassen will und das größere Risiko der Rohstoff- und Aktienmärkte scheut, könnte noch immer zu inflationsindexierten Anleihen (Linker) greifen, die sich in der Analyse als wertstabile Anlage erweisen habe. Seit Jahresbeginn sind die Break-even-Inflationsraten, also die Inflationsraten, bei denen Renditen von festverzinslichen Anleihen und inflationsgeschützten Anleihen gleich sind, im Trend zurückgekommen. Lag diese für die 2016 fällige Bundesanleihe im März noch bei 1,67 Prozent, sind es mittlerweile nur noch 1,57 Prozent.

Wer auf Sicht zum Laufzeitende höhere Inflationsraten erwartet, kann zugreifen. Die aktuellen Inflationsprognosen dagegen sprechen kaum dafür. Sie liegen für 2010 bei 1,5 und für 2011 bei 1,7 Prozent. Seit März waren inflationsindexierte Anleihen auch jenseits der Inflation ein gutes Investment. Doch auch hier gilt: Sollten die Erwartungen nachhaltig sinken, dürfte sich das auch in den Kursen der Linker niederschlagen. Und sollte die Inflation ausbleiben, hat sich ein Investment nicht gelohnt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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