http://www.faz.net/-gv6-761u6
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 25.01.2013, 16:30 Uhr

Reform des Bankensystems Bankenlobby im Rückzugsgefecht

Verbietet man den Banken, weiter auf eigene Rechnung zu handeln, muss der Steuerzahler im Krisenfall dafür nicht zahlen. Aber dann droht der Untergang des deutsche Erfolgsmodells - eine Diskussion im House of Finance der Frankfurter Uni.

von
© Wolfgang Eilmes Das House of Finance an der Frankfurter Universität

Die beiden Herren gehen schonend und höflich miteinander um, teilen Artigkeiten aus und versichern sich des gegenseitigen Respekts. Aber in der Sache können sich Jan Krahnen, Professor für Finanzen an der Goethe-Universität in Frankfurt, und Michael Kemmer, Geschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, an diesem Vormittag im House of Finance an der Frankfurter Universität nicht einigen.

Gerald Braunberger Folgen:

Der Disput geht um die Forderung, große europäische Banken sollten ihre Abteilung für den Eigenhandel und ihre Tätigkeit als Marktmacher ausgliedern. Aufgestellt wurde diese Forderung vor wenigen Monaten von einer nach dem finnischen Notenbankpräsidenten Erkki Liikanen benannten „Liikanen-Kommission“, der Krahnen angehörte.

Ersparnis für den Steuerzahler

Eingangs betont Krahnen noch einmal die Logik des Vorschlags: Die systemischen Risiken der Bankbranche sollen verringert werden, damit der Steuerzahler im Falle einer künftigen Krise erst als letzte Instanz zur Kasse gebeten wird und nicht als erste Instanz zahlen muss.

Zu diesem Zweck sollen große Banken ihren Eigenhandel und ihre Marktmachertätigkeit in rechtlich selbständige Einheiten ausgliedern, die im Falle eines Zusammenbruchs vom Rest der Bank abgetrennt und abgewickelt werden können. In Deutschland wäre nicht zuletzt die Deutsche Bank von einer solchen Regelung betroffen.

Deutschlands Untergang

Kemmers Reaktion ähnelt ein wenig den Stimmen, die man seit Wochen nicht-offiziell aus der Deutschen Bank hören kann: Leider muss man den Liikanen-Bericht ernst nehmen, weil er von Profis verfasst worden ist. Die großen Banken haben an einer Ausgliederung des Eigenhandels und der Marktmachertätigkeit allerdings kein Interesse, denn die Ausgliederung würde Geld kosten und die internen Abläufe erschweren. Stattdessen seien neue Regeln für die Vorhaltung von Eigenkapital und Liquidität ausreichend. Mit solchen Bedenken ließe sich in der Öffentlichkeit jedoch vermutlich kein Punktsieg erringen.

So holt Kemmer zu einem seit Wochen aus der Bankenbranche bekannten Schlag aus: Die Vorschläge der Liikanen-Kommission bedeuteten das Ende des erprobten deutschen Universalbankensystems und die Einführung eines Trennbankensystems. Der Erfolg der deutschen Wirtschaft beruhe aber unter anderem auf dem Universalbankensystem.

Werde es geschwächt, könnten eventuell sogar die exportorientierten deutschen Mittelständler leiden. 80 Prozent des deutschen Exports würden von deutschen Banken abgewickelt, gibt Kemmer zu bedenken. Die Stoßrichtung ist klar: Tritt Krahnen mit dem Steuerzahler an seiner Seite auf, sammeln die Banken die Wirtschaft um sich.

Wer die Debatte beherrscht

Krahnen wendet ein, dass die Vorschläge der Liikanen-Kommission das deutsche Universalbankensystem nicht abschaffen, sondern sogar stärken wollen, indem es wetterfester gemacht wird. Denn ausschließlich der Eigenhandel und die Marktmachertätigkeit – zwei an sich kleine, aber möglicherweise folgenreiche Geschäftsbereiche – sollen ausgegliedert werden, keineswegs aber der Rest des Wertpapiergeschäfts, das mit dem Einlagen- und Kreditgeschäft unter dem Dach der Universalbank verbleibt.

Von einem Trennbankensystem amerikanischer Prägung kann keine Rede sein, aber Krahnen muss einräumen, dass ihm diese Debatte in den vergangenen Wochen entglitten ist. In der Sache hat Krahnen recht, aber die andere Seite hat längst effizienter kommuniziert.

Mehr zum Thema

Wer am Ende die Politiker gewinnt, ist noch nicht klar. „Irgendetwas wird von den Politikern ins Schaufenster gestellt“, sieht Kemmer düster voraus und erwähnt die deutsch-französischen Ideen zu einem Trennbankensystem. Krahnen wiederum will sich noch nicht damit abfinden, dass eventuell nur eine abgespeckte Version seiner Vorschläge – in der Branche spricht man von „Liikanen light“ – umgesetzt werden könnte.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Singapur will weg vom Bargeld Smartphone statt Geldbörse

Singapur will den elektronischen Zahlungsverkehr ausbauen und setzt dafür auf das Handy. Als Vorbild dient ein Land in Skandinavien. Mehr Von Christoph Hein, Singapur

31.08.2016, 08:19 Uhr | Finanzen
Kurz erklärt Tagesgeld wechseln – Lohnt sich das?

Die Tagesgeld-Zinsen sinken immer weiter. Nur wenige Banken bieten noch ein bisschen Zins. Wie viel bringt der Wechsel? Mehr Von Kerstin Papon und Reinhard Weber

30.08.2016, 16:48 Uhr | Finanzen
Marktbericht Möglicher Kreditverkauf treibt Bankaktien

Der noch unbestätigte Verkauf eines großen Kreditpakets durch die italienische Unicredit kommt am Dienstag den Kursen der Bankaktien zugute. Ansonsten bleiben Zinsspekulationen das beherrschende Thema. Mehr

30.08.2016, 18:07 Uhr | Finanzen
Deutsche Bank & Commerzbank Vage Fusionsfantasie treibt Bank-Aktien

Ein Bericht zu einem möglichen Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank bringt deren Aktien an der Börse wieder ins Gespräch und zeigt zugleich die ganze Verzweiflung im deutschen Bankenwesen auf. Mehr

31.08.2016, 10:27 Uhr | Finanzen
Aktienanlage in Ungarn Börse Budapest ist Spitzenreiter in der EU

Die beste Börse in der EU? Derzeit Ungarn. Auch die Ratingagenturen honorieren die Wirtschaftspolitik der Regierung Orbán. Mehr Von Christian Geinitz, Wien

30.08.2016, 11:39 Uhr | Finanzen

Versicherungspolice Niedrigzins macht Berufsunfähigkeit teuer

Die Jahresendrally bei privaten Rentenversicherungen um Kunden bleibt dieses Jahr aus. Zu niedrig sind die garantierten Leistungen. Eine Alternative finden viele Versicherer hingegen in den biometrischen Risiken. Mehr Von Philipp Krohn 0

Name Kurs %
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --
Gold -- --

Abonnieren Sie „Finanzen“