Home
http://www.faz.net/-gv6-761u6
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Reform des Bankensystems Bankenlobby im Rückzugsgefecht

Verbietet man den Banken, weiter auf eigene Rechnung zu handeln, muss der Steuerzahler im Krisenfall dafür nicht zahlen. Aber dann droht der Untergang des deutsche Erfolgsmodells - eine Diskussion im House of Finance der Frankfurter Uni.

© Wolfgang Eilmes Vergrößern Das House of Finance an der Frankfurter Universität

Die beiden Herren gehen schonend und höflich miteinander um, teilen Artigkeiten aus und versichern sich des gegenseitigen Respekts. Aber in der Sache können sich Jan Krahnen, Professor für Finanzen an der Goethe-Universität in Frankfurt, und Michael Kemmer, Geschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, an diesem Vormittag im House of Finance an der Frankfurter Universität nicht einigen.

Gerald Braunberger Folgen:    

Der Disput geht um die Forderung, große europäische Banken sollten ihre Abteilung für den Eigenhandel und ihre Tätigkeit als Marktmacher ausgliedern. Aufgestellt wurde diese Forderung vor wenigen Monaten von einer nach dem finnischen Notenbankpräsidenten Erkki Liikanen benannten „Liikanen-Kommission“, der Krahnen angehörte.

Ersparnis für den Steuerzahler

Eingangs betont Krahnen noch einmal die Logik des Vorschlags: Die systemischen Risiken der Bankbranche sollen verringert werden, damit der Steuerzahler im Falle einer künftigen Krise erst als letzte Instanz zur Kasse gebeten wird und nicht als erste Instanz zahlen muss.

Zu diesem Zweck sollen große Banken ihren Eigenhandel und ihre Marktmachertätigkeit in rechtlich selbständige Einheiten ausgliedern, die im Falle eines Zusammenbruchs vom Rest der Bank abgetrennt und abgewickelt werden können. In Deutschland wäre nicht zuletzt die Deutsche Bank von einer solchen Regelung betroffen.

Deutschlands Untergang

Kemmers Reaktion ähnelt ein wenig den Stimmen, die man seit Wochen nicht-offiziell aus der Deutschen Bank hören kann: Leider muss man den Liikanen-Bericht ernst nehmen, weil er von Profis verfasst worden ist. Die großen Banken haben an einer Ausgliederung des Eigenhandels und der Marktmachertätigkeit allerdings kein Interesse, denn die Ausgliederung würde Geld kosten und die internen Abläufe erschweren. Stattdessen seien neue Regeln für die Vorhaltung von Eigenkapital und Liquidität ausreichend. Mit solchen Bedenken ließe sich in der Öffentlichkeit jedoch vermutlich kein Punktsieg erringen.

So holt Kemmer zu einem seit Wochen aus der Bankenbranche bekannten Schlag aus: Die Vorschläge der Liikanen-Kommission bedeuteten das Ende des erprobten deutschen Universalbankensystems und die Einführung eines Trennbankensystems. Der Erfolg der deutschen Wirtschaft beruhe aber unter anderem auf dem Universalbankensystem.

Werde es geschwächt, könnten eventuell sogar die exportorientierten deutschen Mittelständler leiden. 80 Prozent des deutschen Exports würden von deutschen Banken abgewickelt, gibt Kemmer zu bedenken. Die Stoßrichtung ist klar: Tritt Krahnen mit dem Steuerzahler an seiner Seite auf, sammeln die Banken die Wirtschaft um sich.

Wer die Debatte beherrscht

Krahnen wendet ein, dass die Vorschläge der Liikanen-Kommission das deutsche Universalbankensystem nicht abschaffen, sondern sogar stärken wollen, indem es wetterfester gemacht wird. Denn ausschließlich der Eigenhandel und die Marktmachertätigkeit – zwei an sich kleine, aber möglicherweise folgenreiche Geschäftsbereiche – sollen ausgegliedert werden, keineswegs aber der Rest des Wertpapiergeschäfts, das mit dem Einlagen- und Kreditgeschäft unter dem Dach der Universalbank verbleibt.

Von einem Trennbankensystem amerikanischer Prägung kann keine Rede sein, aber Krahnen muss einräumen, dass ihm diese Debatte in den vergangenen Wochen entglitten ist. In der Sache hat Krahnen recht, aber die andere Seite hat längst effizienter kommuniziert.

Mehr zum Thema

Wer am Ende die Politiker gewinnt, ist noch nicht klar. „Irgendetwas wird von den Politikern ins Schaufenster gestellt“, sieht Kemmer düster voraus und erwähnt die deutsch-französischen Ideen zu einem Trennbankensystem. Krahnen wiederum will sich noch nicht damit abfinden, dass eventuell nur eine abgespeckte Version seiner Vorschläge – in der Branche spricht man von „Liikanen light“ – umgesetzt werden könnte.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Zinsskandal 2,5 Milliarden Dollar Strafe für die Deutsche Bank

Im Libor-Skandal um die Manipulation von Zinssätzen hat die Deutsche Bank einen Vergleich mit britischen und amerikanischen Behörden geschlossen. Die Strafe fällt höher aus als von der Bank erwartet. Mehr

23.04.2015, 14:21 Uhr | Wirtschaft
Deutschland lernt sparen (10) Das müssen Sie kaufen

Banken bieten viele Wertpapiere an - aber welche soll man kaufen? Finanzprofessor Andreas Hackethal hat zwei Kriterien, nach denen Sie auswählen müssen. Mehr

19.12.2014, 09:29 Uhr | Finanzen
Griechenlands Schuldenkrise Staatsbankrott ohne Euro-Austritt?

Griechenland geht das Geld aus. Lange kann das klamme Land seine Schulden nicht mehr ohne weitere Hilfe bedienen. Deswegen denken die Kreditgeber offenbar darüber nach, wie Hellas trotz Pleite im Euro bleiben kann. Mehr

15.04.2015, 14:44 Uhr | Wirtschaft
Mehr als nur Schmuck Glänzendes Geschäft mit Gold in der Türkei

Gold ist bei vielen Türken beliebt - nicht nur als Schmuck, sondern auch als Wertanlage. Das Land ist der viertgrößte Goldmarkt der Welt und der zweitgrößte Exporteur. Die Firmen reagieren auf die Nachfrage, Banken bieten zum Beispiel die Ausgabe von Münzen an Automaten an. Mehr

24.02.2015, 16:48 Uhr | Gesellschaft
Richtungsstreit Was wird aus der Deutschen Bank?

Die Deutsche Bank steht vor der wichtigsten Aufsichtsratssitzung seit Jahren. Sie sucht nach einer neuen Strategie – ohne die Postbank. Es geht um nicht weniger als das Wesen des Instituts. Mehr Von Gerald Braunberger

18.04.2015, 13:41 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 25.01.2013, 16:30 Uhr

Schweiz „Negativzins widerspricht nicht der menschlichen Natur“

Die Schweizer Notenbank verteidigt ihre Geld- und Währungspolitik vor ihren Aktionären. Diese bekommen eine kleine Dividende – und warnen vor Risiken. Mehr Von Johannes Ritter

Letzte Chance für die Deutsche Bank

Von Gerald Braunberger

Nach siebenstündiger Sitzung hat der Aufsichtsrat der Deutschen Bank einstimmig einen Kompromiss geschlossen – mit Stärken und Schwächen. Nun ist überzeugendes Management gefragt. Mehr 1

Wertpapiersuche