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Veröffentlicht: 31.01.2013, 12:07 Uhr

Peter Thiel Das schräge Superhirn aus dem Internet

Peter Thiel hat Facebook und Paypal groß gemacht. Und einen Hedgefonds ruiniert. Jetzt bietet er Stipendien für Studienabbrecher.

© Müller, Andreas Ein Jahr lang lebt Peter Thiel in Deutschland, das erste Jahr nach seiner Geburt im Jahr 1967. Danach wandert er mit seinen Eltern in die Vereinigten Staaten aus. Bis heute spricht er gut Deutsch: Wenn ihm die Formulierung wichtig ist, spricht er lieber Deutsch, bei sachlich komplizierten Themen lieber Englisch. Thiel hat an der Eliteuniversität Stanford Jura und Philosophie studiert, danach als Anwalt und Investmentbanker gearbeitet. 1998 stieg er als Chef bei Paypal ein und wechselte so in die Internetbranche.

Es gibt einen Mann, der hat den Internet-Bezahldienst Paypal mitgegründet und für 1,5 Milliarden Dollar an Ebay verkauft. Wenig später hat er als Erster einem jungen Harvard-Aussteiger namens Mark Zuckerberg Geld für dessen Startup „The Facebook“ gegeben. Er hat einen Hedgefonds gegründet und mit erfolgreichen Wetten gegen die Finanzkrise groß gemacht - aber den Fonds dann wieder zugrunde gerichtet. Politisch engagiert er sich gegen seine eigenen Interessen: Obwohl er schwul ist, unterstützt er den republikanischen Tea-Party-Vorkämpfer Ron Paul. Beliebt macht man sich damit nicht im Silicon Valley. Doch der Mann tut es trotzdem. Und er gibt Geld für die Entwicklung von Wohnplattformen im Ozean, deren Bewohner so der Gesetzgebung aller Staaten und ihrer Bürokratie entfliehen sollen. Wie denkt dieser Mann, was treibt ihn an?

Patrick Bernau Folgen:

Am Interview-Treffpunkt in einem Münchener Café ist er aber erst mal fast nicht zu entdecken. Peter Thiel stellt sich nicht ins Zentrum des Geschehens, sondern bescheiden an die Seite und betrachtet den Raum. So zurückhaltend er im Umgang ist, so deutlich sind seine Ideen. „Technologien entwickeln, die die Gesellschaft auf die nächste Ebene bringen.“ Dazu sucht er den Dissens geradezu, wenn auch nicht um des Streites willen. Manchmal fragt er sich, ob man innovativ sein kann, ohne so viel Unruhe zu stiften. Doch im Prinzip glaubt er: Wo andere gleicher Meinung sind, lohnt sich oft das Engagement nicht.

So erklärt er auch seine politischen Spenden: Er bezeichnet sich als „liberal, in gesellschaftlichen Fragen progressiv, in Fragen des Staatshaushalts konservativ“. So eine Partei gibt es in Amerika aber nicht. „Es wird in den nächsten Jahren zusätzliche Rechte für Schwule geben, je schneller, desto besser. Ich bin da optimistisch. In wirtschaftlichen Fragen bin ich aber gar nicht optimistisch“, sagt Thiel. Er fürchtet einen Staatsbankrott - also engagiert er sich vor allem in diesen Fragen. So eine Haltung hat er auch in seinen Investitionen. Er hat sie zusammengefasst in Form einer Frage, die er inzwischen jedem Bewerber stellt: „Für welche wichtige Wahrheit finden Sie bei anderen nur wenig Zustimmung?“

Peter Thiels ungewöhnliche Engagements

 

22996612 Staaten entfliehen: Auf dem Ozean gelten die Gesetze der Land-Staaten nicht. Darum will das „Seasteading Institute“ dort Wohnplattformen schaffen, … © Seasteading Institute Bilderstrecke 

Facebook zum Beispiel hatte eine wichtige Wahrheit entdeckt, sagt Peter Thiel heute: Damals glaubten alle, Kommunikation im Internet müsse anonym stattfinden, unter Spitznamen und Pseudonymen. Facebook dagegen setzte von vornherein darauf, dass die Menschen unter ihrem richtigen Namen kommunizieren wollen. Und setzte sich damit durch. Thiel traf Firmengründer Mark Zuckerberg über den einflussreichen Freundeskreis ehemaliger Paypal-Mitarbeiter, ließ sich von dem Konzept überzeugen und gab 500.000 Dollar. Für Zuckerberg hatte er nur einen Rat: „Versau es nicht.“ Trotzdem glaubt der frühere Facebook-Spitzenmanager Matt Cohler, dass Thiel für den Erfolg des Netzwerks wichtig gewesen sei: indem er Mark Zuckerberg immer wieder darin bestärkt habe, das Netzwerk schnell zu vergrößern.

Ein Schachweltmeister lobt ihn als „sehr intelligent“

Thiels entschiedener, eigenständiger Investitionsstil ist nicht leicht nachzumachen. Denn es ist zwar einfach, eine Außenseiter-Position einzunehmen - aber es ist schwer, damit recht zu haben. Thiel schafft es immer wieder. Reiner Zufall? Das kann keiner wissen. Sicher ist: Wer ihn wirklich kennt, lobt, wie schnell und tief Thiel denkt. Selbst der ehemalige Schachweltmeister Garri Kasparow bezeichnet seinen Freund Peter Thiel als „sehr intelligent“. Und er hat sich großes Ansehen erworben. Die Samwer-Brüder, die mit deutschen Kopien amerikanischer Startups reich geworden sind - beim Namen ihres Beteiligungsfonds haben sie sich an den Namen von Thiels Fonds angelehnt: Thiel hat den „Founders Fund“ gegründet, die Samwer-Brüder den „European Founders Fund“.

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