Was in anderen Ländern schon längst gang und gäbe ist, soll nun auch in Deutschland seinen Durchbruch schaffen: mobiles Bezahlen dank der NFC-Technologie (Near Field Communication). Anstatt im Bus sein Kleingeld herauszukramen oder mehrere Giro- und Kreditkarten bei sich zu führen, reicht es dann nur noch, sein Mobiltelefon mitzunehmen. Die Targobank startete an diesem Mittwoch ihr Projekt, um das mobile Bezahlen in Deutschland populärer zu machen.
Die Technik dahinter ist sehr einfach: Der Chip mit der sogenannten NFC-Technologie enthält alle relevanten Daten zum Bezahlen. Das Lesegerät - etwa an einer Supermarktkasse - kann diese Daten aus bis zu 4 Zentimetern Entfernung auslesen. Die Targobank setzt auf einen mobilen Chip, der etwas größer als eine Sim-Karte ist, den man dann zum Beispiel an sein Handy wie einen Sticker klebt. Dieser Chip ist eine Außenstelle der Kreditkarte bei der Bank, für die der Kunde dann auch 25 Euro im Jahr zahlen muss.
Einfacher und vielfältiger
Später, wenn mehr Mobiltelefone die NFC-Technologie unterstützen, ist es auch denkbar, dass sich der Chip direkt im Handy befindet und nicht mehr aufgeklebt werden muss. Der Clou: Es ist sehr einfach, damit zu bezahlen. Keine SMS senden, kein Programm auf dem Telefon starten, sondern einfach nur sein Handy hinlegen und maximal die PIN eingeben.
Dass es dafür ein großes Potential gibt, zeigt eine Studie des Branchenverbandes Bitkom. Es gibt mehr als 80 Millionen Handys in Deutschland. 43 Prozent aller Handybesitzer können sich vorstellen, ihr Telefon zum Bezahlen einzusetzen. Bei der jüngeren Generation unter 30 Jahren sind es sogar drei von vier. Jeder Fünfte würde generell überall mit dem Handy bezahlen, wo er heute eine Giro- oder Kreditkarte einsetzt. Der Knackpunkt: „Das Bezahlen mit dem NFC-Handy wird einfacher sein als mit bestehender Technologie und bietet darüber hinaus viel mehr Möglichkeiten als reine Bezahlfunktionen“, sagt Michael Barth von Bitkom.
Nach Schätzungen des Marktforschungsinstitutes Gartner werden im laufenden Jahr auf der ganzen Welt schon Transaktionen von mehr als 171,5 Milliarden Dollar mobil abgewickelt - mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.
„Wir erwarten für das Volumen und den Wert mobiler Transaktionen zwischen 2011 und 2016 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 42 Prozent“, sagt die leitende Gartner-Analystin Sandy Shen: „Außerdem sagen wir für 2016 ein Marktvolumen von 617 Milliarden Dollar bei 448 Millionen Nutzern voraus.“ Der Branchenverband Bitkom verweist auch auf die Chancen, die sich insbesondere Banken bieten. Gerade Finanzinstitute mit einem kleinen Filial- und Automatennetz können ihren Kunden so zusätzliche Dienstleitungen bieten.
Die Methode wird sich erst ab 2016 durchsetzen
Nachholbedarf gibt es bei der Sicherheit. Bis zu 25 Euro kann man zum Beispiel bei der Targobank bezahlen, ohne irgendeine Bestätigung tätigen zu müssen. Zwar gibt es Sicherheitsprotokolle, die den allzu einfachen Diebstahl verhindern sollen. Aber das Missbrauchsrisiko ist groß, falls jemand nah genug an den NFC-Chip kommt. Sollte man sein Handy verlieren, müsste der Chip genau wie etwa die Kreditkarte gesperrt werden.
Laut der Gartner-Schätzung wird sich die Bezahlung über die NFC-Technologie erst vom Jahr 2016 an durchsetzen, der Branchenverband Bitkom schätzt von 2015 an. „Zahlungen per NFC setzen sowohl ein verändertes Nutzerverhalten als auch die Zusammenarbeit von Banken, Carriern, Kartenanbietern und Händlern voraus“, sagt Shen.
Einen anderen Weg des Bezahlens über NFC geht die Sparkasse: Von jetzt an werden alle neuen Giro-Karten mit einem NFC Chip ausgeliefert. Der Kunde kann ganz regulär wie bisher bei der Geldkarte sein Geld auf die Karte laden. Einziger Unterschied: Man muss keine PIN mehr eingeben, sondern die Karte nur noch nahe der Kontaktfläche halten, und das Geld wird abgebucht. Bei den Sparkassen ist man angesichts einer Verbreitung von 95 Millionen Giro-Karten in Deutschland vom Erfolg überzeugt.
Der letzte grosse Coup
Carsten Hensch (CarstenHensch)
- 03.08.2012, 10:30 Uhr
Die Zukunft..
Klaus Letis (odysseus_8)
- 02.08.2012, 23:35 Uhr
Watch out !
Karl Dietrich Naumann (Huga)
- 02.08.2012, 22:32 Uhr
