Home
http://www.faz.net/-gw5-6ynau
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Zertifikate und ETFs

Neuer Krisenindikator Hohe Geldmenge deutet auf geringe Finanzstabilität

Die Entwicklung der Einlagen in den Banken weist früh auf Fehlentwicklungen an den Finanzmärkten hin. Eine neue Studie zeigt, dass damit die Bedeutung der Geldmenge als Indikator zunimmt.

© Foto Getty Images Vergrößern

Die Analyse von Bankbilanzen im Zeitablauf kann wertvolle Erkenntnisse zur Risikoneigung und zu gefährlichen Übertreibungen an den Finanzmärkten liefern, die schwere Krisen auslösen können. Besonders wichtig ist die Analyse der Bankeinlagen. Da Einlagen von Kunden bei den Banken wichtige Bestandteile der von Zentralbanken errechneten Geldmengen bilden, sollten Geldmengen wieder eine größere Rolle spielen als in den vergangenen 20 Jahren. Allerdings sollten Geldmengen weniger als Indikatoren für Inflationsgefahren betrachtet werden, sondern als ein Indikator für die Stabilität des Finanzsystems. Das sind die Kernthesen eines neuen Papiers, das der Princeton-Ökonom Hyun Song Shin mit zwei weiteren Autoren verfasst hat.

Mehr zum Thema

Gerald Braunberger Folgen:    

Der Ausgangspunkt der Analyse ist simpel: Eine Bankbilanz hat zwei Seiten, wobei der Kreditvergabe auf der Aktivseite der Bankbilanz die Einlagen auf der Passivseite entgegenstehen. Die Entwicklung der Bankeinlagen kann somit als Reflex der Kreditvergabe und damit der Risikoneigung von Banken angesehen werden. Wichtig, und das ist der zentrale Punkt der Autoren, erscheint vor allem eine Analyse der Bestandteile der Passivseite. Shin & Co. unterscheiden zwischen Kern-Einlagen und Nicht-Kern-Einlagen. Kern-Einlagen sind Gelder, die einer Bank gewöhnlich dauerhaft zur Verfügung stehen und die im Zeitablauf nicht allzu stark schwanken. Hierzu zählen Sichteinlagen und Spareinlagen privater Haushalte, deren Höhe langfristig eher von der Entwicklung der privaten Vermögen bestimmt wird.

In Boomphasen greifen Banken auf kurzfristige Einlagen zurück, um Kredite auszuweiten

Mit diesen eher stabilen Einlageformen lässt sich allerdings kein sehr schnelles Wachstum der Bilanzsummen durch großzügige Kreditvergabe finanzieren, wie es für Boomphasen typisch ist. Vielmehr greifen Banken zur Finanzierung einer solchen Expansion auf andere Gelder zurück, die kurzfristig beschafft werden, eventuell aber auch kurzfristig abgezogen werden können. Shin und seine Mitautoren sprechen von Nicht-Kern-Einlagen, mit denen sich Banken überwiegend Geld von anderen Banken und Unternehmen beschaffen; zum Beispiel durch die Ausgabe von Geldmarktpapieren oder Anleihen mit Laufzeiten von bis zu zwei Jahren.

Häufig nehmen Banken, die sich auf einem starken Expansionskurs befinden, Geld von im Ausland gelegenen Banken auf. Shin verweist in diesem Zusammenhang auf die Erfahrungen seines Heimatlandes Korea, nennt aber auch den Euroraum als Beispiel. Der Immobilienboom in Spanien wie in Irland wäre ohne die Bereitstellung von Geld durch Banken aus anderen europäischen Ländern unmöglich gewesen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Der Preis des Geldes Die neue Welt der Negativzinsen

Wer Geld spart, zahlt jetzt drauf. Wer einen Kredit aufnimmt, muss am Ende weniger zurückzahlen. Das ist die neue Welt der negativen Zinsen. Wie verrückt ist das denn? Mehr Von Christian Siedenbiedel

16.02.2015, 10:15 Uhr | Finanzen
Frankfurt 25 Banken fallen bei Stresstest durch

Zwölf Banken haben die Kapitallücke bereits gefüllt. Die anderen müssen der EZB nun einen Plan vorlegen, wie sie das Kapitalloch schließen wollen. Mehr

26.10.2014, 14:31 Uhr | Wirtschaft
Geldpolitik Die Anleihemärkte unterschätzen den Aufschwung

Die Anzeichen für einen Konjunkturboom nehmen zu, aber die Renditen für europäische Staatsanleihen fallen auf Rekordtiefs. Der Grund ist die EZB. Mehr Von Gerald Braunberger

27.02.2015, 08:36 Uhr | Finanzen
Deutschland lernt sparen (10) Das müssen Sie kaufen

Banken bieten viele Wertpapiere an - aber welche soll man kaufen? Finanzprofessor Andreas Hackethal hat zwei Kriterien, nach denen Sie auswählen müssen. Mehr

19.12.2014, 09:29 Uhr | Finanzen
Mayers Weltwirtschaft Mythos Geldflut

Wer ist wirklich schuld an den niedrigen Zinsen? Mehr Von Thomas Mayer

28.02.2015, 15:14 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 22.03.2012, 17:40 Uhr

Studie des Umweltbundesamtes Immer mehr Elektrogeräte gehen früh kaputt

Waschmaschinen, Trockner, Kühlschränke: Verbraucher tauschen viele Haushaltsgeräte schneller aus als früher. Das liegt oft an einem technischen Defekt. Mehr 79 19

Wertpapiersuche