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Kursmanipulation Warum die Aktie eines unbekannten Net-Providers in die Höhe schoss

08.11.2009 ·  Analysen sogenannter unabhängiger Analysehäuser haben einen bisweilen zweifelhaften Ruf. Oft trieben sie Kurse obskurer Unternehmen zum schaden der Anleger. So auch den des Breitband-Internetanbieters Key-On.

Von Ben Steverman
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Der amerikanische Aktienmarkt hat seit dem Frühjahr einen gewaltigen Höhenflug erlebt. Doch nur wenige Unternehmen reichen an den kometenhaften Aufstieg des kleinen Internet-Anbieters aus Omaha heran. Seit dem 1. Mai kletterte die Aktie von Key-On Communications Holdings, die Internetanschlüsse an Unternehmen und Privathaushalte verkauft, von 4 Cent auf 2,10 Dollar - ein Kursgewinn von über 5000 Prozent. Kein Unternehmen im Standard & Poor's 500-Aktienindex oder des Russell 2000 Small Cap Index konnte im selben Zeitraum auch nur annähernd eine solche Entwicklung vorweisen.

Die Anleger haben die Key-On-Aktie in der Hoffnung nach oben getrieben, das Unternehmen werde ein Stück vom Milliardenkuchen abbekommen, den die amerikanische Regierung verteilt, um das Breitband-Internet im Land zu fördern. Das Unternehmen hat ungefähr 150 Millionen Dollar an Zuschüssen und Darlehen beantragt, die nach Aussage von Key-On darauf verwendet werden sollen, sein Geschäft auszuweiten und seine Finanzlage zu verbessern.

Der Cashflow, der (noch) keiner ist

Derzeit erbringt as Unternehmen Dienstleistungen für drahtloses Internet für 15.000 ländliche Kunden in 11 Staaten des Westens und des mittleren Westens. „Wir waren gewiss mehr wert als [nur] 4 Cent“, rechtfertigt sich Jonathan Snyder, Vorstandsvorsitzender von Key-On. „Wir haben ein echtes Geschäft mit echten Kunden und einem echten Produkt, und ein Geschäft, das echten Cashflow generieren kann.“

Aber Key-On generiert keinen Cashflow, und es ist mehr als fraglich, ob das Unternehmen je in der Lage sein wird, die hohen Erwartungen der Anleger zu erfüllen. Der Kursanstieg wurde durch optimistische Kommentare eines Analysten gefördert, der vom Unternehmen dafür bezahlt wurde - eine fragwürdige Praxis, über die die Anleger nicht immer informiert wurden.

Key-On verliert Geld in solchen Mengen, dass Snyder in diesem Jahr achtmal Aktien verkaufen musste, um seine Liquidität zu sichern. Und es ist durchaus möglich, dass Key-On keinen roten Heller vom staatlichen Breitband-Fördergeld sehen wird, weil die beantragten Mittel insgesamt siebenmal so hoch sind wie das verfügbare Geld. Ein Wettbewerber von Key-On kommentiert, dass Snyder die Zukunft seines Unternehmens praktisch an einen „Lotteriegewinn“ knüpfe.

Risiko und Ertragschancen von kleinen Werten

Key-On ist ein typisches Beispiel für die Risiken und Ertragschancen von Microcaps - in der Regel Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von weniger als 350 Millionen Dollar. Die Anleger haben in den vergangenen Monaten tüchtig in die Aktien solcher Unternehmen investiert, wodurch der Russell Microcap-Index seit seinem Tief im März um 75 Prozent zugelegt hat.

Laut Steven DeSanctis, Small-Cap-Stratege bei der Bank of America Merrill Lynch (BAC), sind die Kleinunternehmen mit der besten Kursentwicklung solche wie Key-On - mit geringem Marktwert, niedrigen Aktienkursen und ohne Gewinne.

Key-On ging 2007 an die Börse und erlebte einen Aktienkurs von 16 Dollar, bevor man im vergangenen Jahr zwischen die Zahnräder der Rezession geriet. Die Kreditquellen versiegten, die Anleger ließen riskante Papiere fallen wie heiße Kartoffeln,. Die Key-On-Aktie stürzte im Mai 2008 auf 2 Dollar und war gegen Ende des Jahres nur noch Cents wert.

Aktien gegen Investor Relations

Das Blatt begann sich für das Unternehmen Mitte Mai zu wenden, als es John Liviakis an Bord holte, dessen Unternehmen aus dem kalifornischen Mill Valley sich an Kleinunternehmen beteiligt und im Gegenzug Investoren über die Zukunftsaussichten des Unternehmens informiert. Liviakis und seine Partner erhielten 2,12 Millionen Aktien mit eingeschränkten Bezugsrechten von Key-On - das sind 19 Prozent der begebenen Aktien - unter der Bedingung, dass sie mindestens ein Jahr lang nicht verkauft werden dürfen.

Liviakis erklärte, sein Ziel sei die Schaffung einer „landesweiten Präsenz“ für Key-On gewesen, indem er bei allen ihm bekannten Brokern und Institutionen die Telefone heiß laufen ließ. Ende Mai hatte die Key-On-Aktie 72 Cent erreicht - das Achtzehnfache ihres Ausgangswertes.

„Ich liebe dieses Unternehmen“

Der Aktienkurs kletterte dank positiver Kommentare anderer Befürworter weiter. Joseph Noel, ein Analyst bei Emerging Growth Research, begann im Juli, optimistische Berichte über KeyOn zu verfassen, und gab Toninterviews, die im Internet zu hören waren. In einem Interview im September äußerte er: „Dieses Unternehmen wird sehr viele Zuschüsse bekommen.“

Was Noel den Anlegern in diesem Interview verschwieg, war, dass er, bevor er über das Unternehmen zu berichten begann, von Key-On 75.000 Aktien mit eingeschränkten Bezugsrechten bekam. Noel erklärte gegenüber der Business Week, dass, „wenn jemand fragt, ich kein Geheimnis aus [meinen finanziellen Beteiligungen mache].“ Und fügte hinzu, er habe auch mehr als 200.000 Aktien von seinem eigenen Geld erworben: „Ich liebe dieses Unternehmen!“

In seinem September-Bericht über Key-On ließ er wissen, dass er „keine Vergütung für das Verfassen dieses Berichts erhalten hat oder erhalten wird“. Was, so Noel, die Wahrheit sei, denn Key-On habe ihn nur für seinen ersten Bericht vom Juli bezahlt. „Wer will schon seinen Bericht verderben, indem er ein großes Dementi auf die erste Seite setzt“, rechtfertigt er sich.

„Keine böse Absicht“

Für Michael W. Mayhew, den Verwaltungsratsvorsitzenden von Integrity Research Associates, die Anleger zu Forschungsfragen beraten, sind solche Finanztransaktionen anrüchig. „Auf die Branche der bezahlten Marktforschung fällt der Verdacht der voreingenommenen Berichterstattung - vielleicht sogar der Täuschung“. Das meine er allgemein und nicht explizit auf Key-On bezogen. Die meisten erfahrenen Anleger wüssten, dass sie nicht jedes Wort für bare Münze nehmen dürften. Aber die unerfahrenen könnten getäuscht werden. „Privatanleger könnten es für einen objektiven Forschungsbericht halten.“

Für Key-On-Vorstandschef Snyder war Noels Analyse seines Unternehmens „durchaus unparteiisch.“ Und: „Wenn [Noel] nicht korrekt berichtet, dann denke ich nicht, das dahinter eine böse Absicht steckt.“

Den Kursanstieg gleich verwässert

Der Kursgewinn der Key-On-Aktie hat einige von Snyders Problemen gelöst. Durch die Begebung von Millionen junger Aktien zu den neuen, höheren Kursen konnte Key-On fast 1,9 Millionen Dollar Schulden begleichen. Dennoch haben die frisch emittierten Aktien die Bestände der Altaktionäre verwässert, und aus dem Unternehmen fließt weiterhin Geld ab.

Nach dem Verlust von 8 Millionen Dollar gegenüber einem Umsatzerlös von 7,8 Millionen Dollar im letzten Jahr verlor das Unternehmen 1,5 Millionen Dollar während der ersten sechs Monate dieses Jahres bei einem Umsatzerlös von 3,6 Millionen Dollar. Hinzu kommen 4 Millionen Dollar an langfristigen Schulden, deren Rückzahlung im nächsten Jahr beginnen soll.

„Erfahrung beim Stellen von Anträgen“

Man kann praktisch unmöglich wissen, ob Key-On Breitband-Fördergelder aus dem Staatssäckel erhalten wird, wenn in den kommenden Monaten die Geldvergabe stattfindet. Das Unternehmen hat 95,6 Millionen Dollar an Darlehen und 56,3 Millionen Dollar an Zuschüssen beantragt, und laut Snyder stehen seine Chancen gut. „Wir haben Erfahrung beim Stellen von Anträgen“, erklärt er selbstbewusst.

Das Unternehmen will nach eigener Aussage das Geld in den Ausbau seines Funknetzes investieren, um 16 Bundesstaaten mit 6,5 Millionen potenziellen Kunden abdecken zu können.

Doch Experten meinen, dass die Erfolgschancen für jedes Unternehmen schlecht stehen. Die Unternehmen haben insgesamt 28 Milliarden Dollar für Breitbandprojekte beantragt, aber nur 4 Milliarden Dollar werden in der aktuellen Verteilungsrunde einen neuen Besitzer finden. „Aufgrund der Nachfrage und der Konkurrenz wird es eine Menge langer Gesichter geben“, prognostiziert James Lightfoot, Chef der Beratungsgesellschaft ACRS 2000 aus Oklahoma City, die Unternehmen zum Antragsverfahren berät. „Es steht einfach nicht genügend Geld zur Verfügung.“

Steverman ist Reporter für den Investing Channel der BusinessWeek.

Quelle: BusinessWeek
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