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Im Gespräch: Ian Bremmer, Präsident der Eurasia Group : „Regierungen nutzen den Markt für politische Zwecke“

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Die Beziehung zwischen beiden Ländern wird definitiv komplizierter werden. Im Hinblick darauf, dass die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten zehn Prozent beträgt, Chinas Wirtschaft um zehn Prozent wächst, die amerikanische Außenministerin in China faire Wettbewerbsbedingungen erbittet und als Antwort bekommt, dass die Chinesen die Dinge so belassen wollen, wie sie sind, ist das eine sehr ernste Angelegenheit. Ganz egal, wie Hu Jintao und Obama das Verhältnis managen wollen: Konflikte sind unausweichlich. Es wird zunehmenden Streit geben über den Wechselkurs, den Warenhandel, Direktinvestitionen, Internetsicherheit, Klimawandel und nicht zuletzt über Nordkorea. Das Ganze wird noch dadurch erschwert, dass sich beide Staaten brauchen.

Wie meinen Sie das?

Die Vereinigten Staaten und China sind wirtschaftlich aufeinander angewiesen. Das ist ein wichtiger Unterschied zum Kalten Krieg. Die Vereinigten Staaten brauchten die Sowjetunion damals nicht und konnten deswegen die Strategie wählen, den Einfluss des Landes einzudämmen, demokratische Kräfte in den Staaten des Ostblocks zu unterstützen und das System so Stück für Stück auszuhöhlen - was übrigens sehr gut klappte. Die Sowjetunion kollabierte, Europa wurde stärker und Deutschland wiedervereinigt. Für die Weltwirtschaft war das gut. Wenn es um das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und China geht, dann gibt es Gebiete, auf denen die beiden Länder aufeinander angewiesen sind. China so zu behandeln wie die Sowjetunion ist aus amerikanischer Sicht darum keine Option.

Können die Chinesen nicht amerikanische Forderungen ignorieren, weil sie im Zweifel in der Lage sind, nahezu jedes Produkt günstiger herzustellen und zu vertreiben und deswegen immer unabhängiger von Washington werden?

Das ist ein Problem, keine Frage. Die Vereinigten Staaten und vor allem auch Europa müssen erreichen, aus chinesischer Sicht viel unabkömmlicher zu erscheinen als momentan. China versucht beispielsweise gerade, seine Exporte zu diversifizieren und den inländischen Konsum zu stärken und so unabhängiger zu werden. Das sind aber keine Vorhaben, die sich über Nacht umsetzen lassen, und immerhin halten die Chinesen Billionen Dollar amerikanische Staatsanleihen und werden noch lange darauf angewiesen sein, in die Weltleitwährung hinein zu exportieren.

Werden die Vereinigten Staaten durch die Finanzkrise chinesischer?

Langfristig glaube ich das nicht. In den Vereinigten Staaten gibt es sehr starke und etablierte politische Institutionen, und das Gesetz hat einen hohen Stellenwert. Außerdem sind gerade die multinationalen Unternehmen und der Unternehmenssektor an sich sehr mächtig. Und schließlich denken sowohl der Oberste Gerichtshof als auch die beiden großen Parteien in marktwirtschaftlichen Kategorien. Der Staatskapitalismus wird dort keine Gefahr darstellen.

Wird es Krieg geben zwischen Nord- und Südkorea?

Südkorea will das um jeden Preis vermeiden. Die Wahrscheinlichkeit ist aber größer, als wir zuzugeben bereit sind.

Und einen militärischen Konflikt im Nahen Osten?

Ich habe tatsächlich mehr Angst um die Situation auf der koreanischen Halbinsel. Zudem hätte eine Eskalation etwa zwischen Israel und Iran aufgrund der nuklearen Ambitionen Teherans - wobei ich nicht denke, dass die Israelis Iran angreifen werden - in jedem Fall nicht die globalen Auswirkungen einer Auseinandersetzung zwischen Nord- und Südkorea.

Werden politisch-strategische Fragen noch wichtiger werden?

Ziemlich sicher, ja. Ein Punkt, der übrigens auch dafür spricht, ist die Entwicklung der G 20 zu einem heute sehr wichtigen Gremium. Darin sitzen nicht nur mehr Länder als in den G 7, sondern die Teilnehmer unterscheiden sich wesentlich stärker im Hinblick darauf, wie sie sich die Welt und die Zusammenhänge auf ihr denken.

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