10.02.2012 · Große Schwellenländer wie China zeigen immer häufiger Interesse an deutschen Unternehmen. Der Vorstandsvorsitzende von Morgan Stanley Deutschland findet dies nicht problematisch.
Herr Notheis, Morgan Stanley war dieser Tage als Berater beim Kauf des deutschen Unternehmens Putzmeister und des österreichischen Telekombetreibers Orange durch chinesische Erwerber beteiligt. Sehen wir den Beginn eines Trends, der Chinesen nach deutschen Unternehmen greifen lässt?
Die Frage lässt sich klar mit „Ja“ beantworten. Vielleicht schreiben wir 2012 auch in Deutschland das Jahr des Drachen. Wir sehen ein breites Interesse an heimischen Unternehmen, weil Deutschland in der Krise in Europa als eine Art Fels in der Brandung wahrgenommen wird. Wir haben aber nicht nur Anfragen aus China, sondern unter anderem auch aus Brasilien oder Indien.
Gibt es eine dazu passende Verkaufsbereitschaft auf Seiten der deutschen Unternehmer?
Das kann man so nicht generell sagen. Es muss überzeugende Gründe wie eine offene Nachfolgefrage für den Verkauf eines Unternehmens geben.
Konzentriert sich das chinesische Interesse auf ausgewählte Branchen?
Nein, aber chinesische Käufer interessieren sich vor allem für das technologische Know-how und die Marken deutscher Unternehmen, die sie dann oft zur Erschließung des Marktpotentials auf dem asiatischen Heimatmarkt nutzen wollen. Diese Überlegung lag etwa dem Kauf der Putzmeister GmbH, eines Herstellers von Betonpumpen, durch das private chinesische Unternehmen Sany zugrunde. Die Größe und die Kosten einer solchen Akquisition sind dann häufig nur mehr zweitrangig.
Chinesische Unternehmen leiden demnach nicht unter Finanzierungsengpässen.
Nein. Chinesischen Unternehmen gelingt es üblicherweise, sich auf ihrem Heimatmarkt problemlos zu finanzieren.
Spüren Sie in Deutschland aus kulturellen Gründen Zurückhaltung gegenüber chinesischen Erwerbern?
Früher gab es auf deutscher Seite fraglos Ressentiments. Aber das ist im Begriff, sich zu ändern. Die deutschen Unternehmer haben verstanden, dass die Zukunft im 21. Jahrhundert auf dem großen chinesischen Markt liegt.
Aber muss man nicht befürchten, dass chinesische Erwerber sich nur für das technologische Wissen interessieren und anschließend das deutsche Unternehmen schließen?
Das Beispiel Putzmeister belegt das genaue Gegenteil. Hier sind keine deutschen Arbeitsplätze gefährdet, sondern das deutsche Management steuert einen kombinierten Weltmarktführer.
Kann man sich Chinesen als feindliche Übernehmer vorstellen?
Das glaube ich aktuell nicht. Die Chinesen legen großen Wert darauf, willkommen und akzeptiert zu sein. Übrigens werden niemals zwei oder noch mehr chinesische Unternehmen gleichzeitig für ein ausländisches Unternehmen bieten. In dieser Hinsicht treten sie untereinander nicht in einen Wettbewerb.
Ausländisches Interesse an deutschen Unternehmen müsste das Geschäft der in Deutschland tätigen Unternehmen beleben, nachdem 2011 für die Branche eher schwierig war.
Sofern es sich um Interesse aus den BRIC-Staaten handelt, ist das zutreffend. Wir werden hier deutlich höhere Volumina sehen als in den vergangenen Jahren. Aber ich bin vorsichtiger, was Transaktionen innerhalb Deutschlands und Europas betrifft.
Leiden Transaktionen innerhalb Europas unter schwierigen Finanzierungsbedingungen?
Es sieht langsam wieder besser aus. Der Dreijahrestender der EZB hat die Lage für die Banken entschärft. Insofern könnten sich im Laufe des Jahres mehr Chancen bieten.
Betrachten Sie die Vermittlung deutscher und chinesischer Unternehmen als ein längerfristig lukratives Geschäftsfeld für Morgan Stanley?
Ich bin davon überzeugt. Wir sind seit 1993 in China, haben dort von allen ausländischen Banken das beste Netzwerk und eignen uns daher als „Brückenbauer“ oder wenn Sie wollen als „Heiratsvermittler“.
Zum Schluss noch eine Frage zum ENBW-Fall. Wie denken Sie über Ihre Zeugenaussage vor dem Untersuchungsausschuss?
Ich sehe dies sehr positiv. Unserer Ansicht nach ist genau dies das geeignete Forum, vor dem wir alle Fragen zu unserer Arbeit beantworten werden.
Das Gespräch führte Gerald Braunberger.
"arms length principle" beachten
Karl Dietrich Naumann (Huga)
- 13.02.2012, 14:53 Uhr
Un-Problematisch?
Michael Meier (never1)
- 11.02.2012, 09:50 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |