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Im Gespräch: Analyst Claus Vogt „In 8 Jahren ist das Geld nur noch die Hälfte wert“

Claus Vogt sieht schwarz: Der Chefstratege der Quirin Bank , der ersten Honorarberaterbank in Deutschland, warnt vor steigender Inflation und dem nahen Börsencrash.

© Andreas Pein Vergrößern Claus Vogt: „Gold ist der beste Schutz”

Als die Welt noch vor Alan Greenspan niederkniete, schrieb Claus Vogt 2004 eine wütende Abrechnung mit dem Präsidenten der amerikanischen Notenbank: „Das Greenspan-Dossier. Wie die US-Notenbank das Weltwährungssystem gefährdet“. 2009 legte er nach. „Die Inflationsfalle“ heißt sein aktuelles Buch (wiederum mit Koautor Roland Leuschel).

Im Hauptberuf arbeitet Vogt als Chefstratege der Quirin Bank, der von Karl Matthäus Schmidt gegründeten ersten Honorarberaterbank in Deutschland. Quirin finanziert sich nicht durch Provisionen, sondern durch die Gebühren der Kunden für die Beratung. Im Zuge der Finanzkrise gewann die Bank enorm an Kunden und verwaltet heute ein Vermögen im Wert von 1,6 Milliarden Euro.

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Muss die griechische Tragödie die Privatanleger ängstigen?

Ja, schon deshalb, weil Griechenland nur der Vorbote dessen ist, was uns in Europa, Amerika und Japan bevorsteht. Alle Industrieländer haben dieselben Probleme: Schulden, Schulden, Schulden. Griechenland ist nur der Auslöser, um die eh schon verunsicherten Märkte durchzurütteln. Es braut sich was zusammen, davon künden die jüngsten Panikattacken.

Wo konkret sehen Sie Gefahr?

Zunächst am amerikanischen Immobilienmarkt, da rollt im Herbst die nächste Pleitewelle an.

Wie kommen Sie darauf?

Nach der Subprime-Krise droht Immobilienkrediten mit etwas besserer Bonität dasselbe Schicksal: In den wilden Jahren der Häusereuphorie wurden Kredite vergeben, die anfangs nur mit geringen Beträgen bedient werden. Nun nähert sich der Punkt, an dem die monatliche Zahlung steigt - und nach den Erfahrungen der letzten Jahre rechnen wir damit, dass 40 bis 50 Prozent dieser Kredite notleidend werden. Wenn ich recht behalte, erleben wir im Sommer den zweiten Akt der Hypothekenkrise.

Um welche Summen geht es dabei?

Da sind wir ganz schnell bei Abschreibungen von 300 bis 400 Milliarden Dollar für die Banken, dann geht alles von vorne los: neue Milliarden zur Bankenrettung, neue Milliarden für Konjunkturprogramme, noch mehr Staatsschulden. Ein Horror.

Was bedeutet das für die Börse? Wie tief sehen Sie die Kurse?

Der Markt kann sich problemlos halbieren, so überbewertet, wie die Aktien gerade sind. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt in Deutschland bei etwa 20, in Amerika bei 24 - in der Größenordnung wie vor dem Crash aus dem Jahr 1929.

Haben Sie gar kein Zutrauen in die Konzerne, die die Krise verdaut haben und wieder prächtig verdienen?

Der Aufschwung der Aktienmärkte der vergangenen 14 Monate war vor allem durch die immense Liquidität befeuert: Das viele Geld wollte angelegt werden. Jetzt wächst die Geldmenge in den Industrieländern nicht mehr, der Hausse geht folglich der Treibstoff aus. Zudem hat die starke Rally die Stimmung der Marktteilnehmer auf ein Rekordniveau getrieben.

Und die ausgelassene Stimmung ist für einen Pessimisten wie Sie das untrügliche Zeichen dafür, dass es bald kracht?

So ist es. Die überschießende Euphorie drückt sich durch weiche Faktoren wie harte Zahlen aus: Die amerikanischen Investmentfonds haben nur noch eine Cash-Quote von 3,5 Prozent; so niedrig war sie in der Geschichte genau einmal zuvor: im Sommer 2007. Sie wissen, was danach passiert ist.

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