19.07.2010 · Hebelzertifikate sind bei risikofreudigen Anlegern beliebt. Wer das Produkt versteht, kennt seine Chancen und Risiken. Der so genannte „Hebel“ wirkt in beide Richtungen. Im Moment lässt er sich gegen den Schweizer Franken richten.
Die deutschen Privatanleger sind nicht einfach zu verstehen. Auf der einen Seite sie sehr konservativ und neigen bei der Geldanlage zu defensiven Strategien. Sie legen ihr Geld lieber aufs Sparbuch, parken es auf Geldmarktkonten oder sie schließen intransparente Bauspar- und teure Kapitallebensversicherungen ab.
Auf der anderen Seite legen sie sich trotz der schlechten Erfahrungen mit Lehman-Zertifikaten während der Finanzkrise wieder öfter derivative und strukturierte Produkte ins Depot. Da die Anbieter gutes Geld damit verdienen, versuchen sie das Geschäft natürlich wieder zu forcieren.
Nur wer ein Produkt versteht, kennt auch seine Chancen und Risiken
Experten empfehlen ihnen, vor dem Kauf unbedingt einen genauen Blick auf die Produkte, die Kosten und auch die Handelsmöglichkeiten zu werfen. Denn nur wer ein Produkt versteht, kennt auch seine Chancen und Risiken. Das gilt unbedingt für die so genannten Hebelprodukte, die besonders bei risikofreudigen Anlegern beliebt sind. Sie sind im Prinzip mit traditionellen Optionsscheinen vergleichbar.
Allerdings reagiert ihr Preis nur in Grenzbereichen auf die Volatilität und die Entwicklung des Zeitwertes spielt nur eine untergeordnete Rolle, während der Kurs des Basiswertes Preis bestimmend ist. Wichtig ist zudem, dass Anleger mit einer gewissen Verlässlichkeit prognostizieren können, in welche Richtung sich der Basiswert, auf den sie spekulieren, entwickeln wird. Liefe er in die falsche Richtung, so näherte er sich einer so genannten „Knock-Out-Schwelle“, an welcher Hebeloptionsscheine üblicherweise wertlos verfallen. In diesem Falle hätte der Anleger das eingesetzte Kapital verloren.
Dagegen liegen die Reize im so genannten „Leverage“ oder Hebel. Es zeigt sich, indem Anleger mit einem vergleichsweise geringen Kapitaleinsatz auf Kursänderungen eines Index, einer Aktie, einer Währung oder anderer Basiswerte mit relativ hohem Gegenwert spekulieren können. Der Effekt zeigt sich am besten an einem Beispiel.
Nachdem der Schweizer Franken gegen den Euro im Rahmen der europäischen Schuldenkrise bis Ende des vergangenen Monats geradezu dramatisch aufwertete, war alleine schon aufgrund der einseitigen Positionierung vieler Marktteilnehmer, der Überbewertung der Schweizer Währung sowie dem Interesser der Schweizer Zentralbank an einer Abwertung eine Gegenbewegung des Wechselkurses zu erwarten. Tatsächlich wertete der Franken in den vergangenen Tagen gegen die europäische Einheitswährung ab aud zuletzt 1,3640 Franken je Euro und etablierte in diesem Rahmen einen kurzfristigen Trend.
Hebel von eins zu hundert
Mittlerweile gibt es Prognosen, die eine weitere Abwertung in Richtung 1,40 Franken je Euro erwarten lassen. Alleine am Montag lag die größte Differenz zwischen Kurstief und -hoch bei einem Prozent. Wer zum Tagestief 10.000 Euro gegen Franken kaufte, machte theoretisch einen Gewinn von 142 Euro. Wer dagegen beispielsweise auf den TurboBull auf den Euro-Frankenkurs der Commerzbank mit der Isin DE000CM5VM75 (endlose Laufzeit, Basispreis und Barriere jeweils bei 1,3402 Franken je Euro) setzte, konnte Kursgewinne von bis zu knapp 100 Prozent erzielen. Das heißt, der so genannte Hebel liegt bei etwa eins zu Hundert.
Allerdings wirkt er nicht nur in eine, sondern in beide Richtungen. Wertete der Franken gegen den Euro rasch und deutlich auf, so würde der Anleger mit diesem Instrument schnell viel Geld verlieren. Sollte sogar die Kursmarke von 1,3402 Euro je Franken touchiert werden, wäre das eingesetzte Kapital verloren. Das ist nie ausgeschlossen, auch wenn der Kurstrend im Moment eindeutig nach oben zeigt.
Grundsätzlich sind Hebelprodukte nichts für schwache Nerven. Sie bieten zwar theoretisch die Möglichkeit, bei richtiger Einschätzung kurzfristiger Chancen rasch viel Geld zu verdienen. Allerdings sind solche Strategien mit ebenso hohen Verlustrisiken verbunden. Im Extremfall kommt es rasch zum Totalverlust (siehe auch: Die aktuellen "Ausfälle" bei Hebelzertifikaten).
Über Zertifikate
Zertifikate sind im Allgemeinen Wertpapiere und zählen zu den strukturierten Finanzprodukten. Sie werden von Banken emittiert und vorwiegend an Privatkunden verkauft. Der Handel findet sowohl an den Börsen, vor allem aber außerbörslich statt. Es handelt sich rechtlich betrachtet um Schuldverschreibungen. Sie dienen der emittierenden Bank als Mittel zur Refinanzierung. Wird sie zahlungsunfähig (wie Lehman Brothers), muss der Anleger unabhängig vom Erfog des Produktes am Markt einen Ausfall hinnehmen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |