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Griechische Defizite Die Schuld der anderen

10.02.2010 ·  In Griechenland liefern Teile der politischen und publizistischen Öffentlichkeit eine überraschende Erklärung für die Athener Krise: Das Ausland ist schuld.

Von Michael Martens
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In Griechenland liefern Teile der politischen und publizistischen Öffentlichkeit eine überraschende Erklärung für die Athener Krise: Das Ausland ist schuld. Dass derlei Ansichten von der mit unerschütterlicher Regelmäßigkeit ins Parlament gewählten Kommunistischen Partei (KKE) geäußert werden, überrascht nicht. So sprach die KKE-Chefin Papariga unlängst davon, dass sich das Land im „Kriegszustand“ befinde und rief zu Streiks auf. Doch auch aus gemäßigten Kreisen ist Erstaunliches zu hören.

Das linksliberale Athener Blatt „Eleftherotypia“ kritisierte, dass sich Deutschland nicht solidarisch mit Griechenland verhalte und stellte nicht zum ersten Mal einen Zusammenhang mit dem Weltkrieg her – schließlich weigere Berlin sich auch, Reparationen zu zahlen. Besonders hat es das Blatt auf Finanzminister Schäuble abgesehen, den man mit „mittelalterlich-teutonischer Barbarei“ zu Werke gehen sieht.

Der Athener Publizist Takis Michas, seinen Landsleuten durch die Enthüllung der finanziellen Unterstützung Griechenlands für den serbischen Gewaltherrscher Miloevi bekannt geworden, hat die Haltung, die Schuld für die hausgemachte Misere im Ausland zu suchen, in einem Beitrag für das „Wall Street Journal“ analysiert: Gebe das Management einer Firma falsche Daten zur finanziellen Lage des Unternehmens heraus, gelte das als Betrug, so Michas. In Athen hingegen müssten die vermeintlich Verantwortlichen keine Furcht davor haben, zur Rechenschaft gezogen zu werden. Der mangelnde Wille oder die Unfähigkeit der griechischen Justiz sowie der Politik, die Drahtzieher der Statistikfälschungen zur Rechenschaft zu ziehen, habe ein „moralisches Vakuum“ geschaffen, dass nun allen möglichen Verschwörungstheorien den Weg ebne.

Laut mehrerer Umfragen bekunden rund zwei Drittel der GriechenVerständnis für harte Entscheidungen der Regierung. Etwa die Hälfte der Befragten war zwar gegen eine Anhebung des Renteneintrittsalters, aber mehr als 70 Prozent zeigten Unverständnis für die Proteste und Streiks.

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