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Geldanlage Vier Strategien für Besitzer von Aktien und Aktienfonds

09.08.2011 ·  Gerade in den aktuellen Krisenzeiten ist es wichtig, sich über die Risikoneigung klarzuwerden. FAZ.NET gibt vier verschiedene Ratschläge: Für Unentschlossene, für vorsichtige Optimisten, für Mutige und für sehr Mutige.

Von Daniel Mohr, Tim Höfinghoff und Gerald Braunberger
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1. Für Unentschlossene: An der Börse gibt es praktisch für jede Marktlage genügend kluge Sprüche. Einer davon lautet, dass Panik ein schlechter Ratgeber sei und deshalb in hektischen Marktphasen die Füße am besten stillgehalten werden sollten. Wer dieser Kaufen-und-Halten-Empfehlung folgt, fährt damit langfristig am Aktienmarkt nicht schlecht, denn etliche Erhebungen belegen, dass gerade Privatanleger in hektischen Marktphasen oft in einem Anfall von Panik zu niedrigen Kursen verkaufen und erst in der Endphase einer stabilen Hausse wieder den Mut finden, in den Aktienmarkt einzusteigen. Versuche, zu Hochpunkten auszusteigen und am Tief wieder einzusteigen, misslingen meist. Zudem verursachen der Ein- und Ausstieg am Aktienmarkt oft unterschätzte Kosten in Form von Bank- und Börsengebühren.

Wem allerdings manche Börsenphasen zu heikel sind, kann sich und seinem Depot eine Pause gönnen, ohne gleich alle Aktien verkaufen zu müssen. Zur Sicherung des Depots taugt der Kauf eines Optionsscheins auf fallende Aktienkurse. Fallen die Aktiennotierungen weiter, gleicht der Optionsschein die Verluste aus. Gewinnen die Aktien hingegen an Wert, verliert der Optionsschein. Ein breit gestreutes Depot aus deutschen Aktien kann zum Beispiel mit einem Commerzbank-Papier auf einen fallenden F.A.Z.-Index (Put) mit der Kennnummer CK1AE9 abgesichert werden. Es kostete am Montag 1,75 Euro. Fällt der Index bis zum Ende der Laufzeit Mitte Dezember um weitere 10 Prozent, gewinnt das Hebelpapier 1,10 Euro auf 2,85 Euro hinzu. Für ein Depot im Volumen von 10 000 Euro müssten zum Ausgleich des Aktienkursverlustes von 1000 Euro somit - steuerliche Fragen ausgeklammert - 909 Optionsscheine für 1600 Euro gekauft werden, um den Verlust exakt auszugleichen. Die bereits deutlich gefallenen Kurse in Kombination mit gestiegenen Volatilitäten am Markt haben diese Form der Absicherung in den vergangenen Wochen jedoch deutlich teurer gemacht. Langfristig bringt diese Strategie überdies keine Rendite, sie sichert nur den Status Quo.

2. Für vorsichtige Optimisten: Ein Weg, den Turbulenzen am Aktienmarkt auszuweichen, besteht darin, nur in guten Zeiten in ihm investiert zu sein. Es existiert zwar wie üblich kein Weg, der Gewinne garantiert, wohl aber eine alte Strategie, die gerade bei Turbulenzen häufig nicht schlecht abschneidet. Das einzige Hilfsmittel, das der Anleger hierfür benötigt, ist ein Chart mit der Notierung einer Aktie oder eines Aktienindex und zusätzlich zu der Notierung die sogenannte 200-Tage-Linie. Die 200-Tage-Linie bildet für jeden Tag den durchschnittlichen Kurs der vergangenen 200 Handelstage ab. Die Idee besteht darin, Aktien oder Aktienfonds dann zu verkaufen, wenn die aktuelle Notierung die 200-Tage-Linie von oben deutlich durchschneidet. Das freiwerdende Geld legt der Anleger zinstragend und sicher an. Früher hatte man empfohlen, das Geld in einem Fonds mit Staatsanleihen zu parken. Heute erscheint eine Anlage als Tages- oder Festgeld vielleicht naheliegender. Der Anleger parkt sein Geld so lange, bis im nächsten Aufschwung am Aktienmarkt die aktuelle Notierung die 200-Tage-Linie von unten deutlich durchschneidet.

Nun steigt der Anleger wieder in den Aktienmarkt ein. Was dies in der Praxis bedeutet, zeigt ein Blick auf den amerikanischen Dow-Jones-Index seit dem Jahr 2007: Zum Jahresende 2007 unterschritt der Dow seine 200-Tage-Linie bei 13 366 Punkten. Als Anleger hätte man danach einige Tage warten müssen, um zu sehen, ob diese Tendenz sich verfestigt. Der Anleger wäre dann im Verlauf des Januar 2008 aus dem Aktienmarkt gegangen und hätte sein Geld zinstragend angelegt bis Mitte 2009. Da kämpfte der Dow ein paar Wochen lang mit der 200-Tage-Linie, aber im Juli überschritt er sie bei 8323 Punkten. Kurze Zeit später wäre der Anleger wieder in den Markt eingestiegen und dort bis Anfang August 2011 geblieben, als der Dow seine 200-Tage-Linie bei 12 132 Punkten wieder unterschritt. Der Chart zeigt allerdings auch, dass es Zeiten gibt wie im August 2010, in denen der Index um seine 200-Tage-Linie pendelt, ohne dass sich ein klares Kauf- oder Verkaufssignal ergibt. Die Strategie ist somit nicht immer, aber häufig gut anwendbar, obwohl oder vielleicht weil sie in den vergangenen Jahren aus der Mode gekommen ist.

3. Für Mutige: Die deutschen Standardaktien notieren so niedrig wie seit rund elf Monaten nicht mehr. Das ist der ideale Zeitpunkt, um verstärkt in Aktien zu investieren, argumentieren langfristig orientierte Anleger. Sie handeln getreu dem Motto: Kaufen, wenn die Kanonen donnern - also die meisten Anleger verschreckt sind und in großem Stil Aktien abstoßen. Dann lassen sich Schnäppchen machen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Dax liegt bei nur noch dem Neunfachen der diesjährigen Gewinne, während der langjährige Durchschnitt 15 beträgt. Wer davon überzeugt ist, dass sich die Aktienmärkte wieder beruhigen, findet Aktien, die deutlich an Wert verloren haben und günstig erscheinen. Anleger blicken etwa auf Dax-Schwergewichte wie BASF oder Siemens. Analysten attestieren diesen Unternehmen, gut geführt zu sein und mit Blick auf die Bilanz gut dazustehen.

Es bleibt ein Nachteil: Diese Unternehmen sind global sehr stark präsent. Dies verschafft ihnen zwar eine gute Position im Welthandel, sie sind aber umso mehr von einem globalen Wirtschaftsabschwung betroffen. Statt lediglich auf Schwergewichte zu setzen, deren Kurs stark gesunken ist, zählt umso mehr die Verschuldung der Unternehmen: Investoren suchen Aktien aus, deren Unternehmen trotz Konjunktursorgen wachsen, ohne zu hohe Schulden angehäuft zu haben. Denn die Refinanzierungskosten werden in Zukunft eher zunehmen. Auffällig ist auch, dass manche Branchen wie der Telekomsektor verhältnismäßig wenig unter dem Ausverkauf gelitten haben. Sollten die Aktienmärkte bald eine Gegenbewegung erleben, könnten solche Industriezweige steigende Kurse versprechen. In kritischen Marktphasen wie jetzt sind ebenfalls konjunkturresistente Unternehmen wie der Nahrungmittelhersteller Nestlé bei Anlegern, die nun zukaufen wollen, gefragt.

4. Für sehr Mutige: In fast jedem Lehrbuch zur längerfristigen Aktienanlage steht, dass kurz- oder mittelfristiges Kaufen und Verkaufen ("Trading") in der Regel keine Extrarendite einbringt, aber dafür über hohe Gebühren die Bank zum sicheren Gewinner macht. Das stimmt meistens, doch gibt es Anleger, denen Trading Spaß macht, und es existieren beeindruckende Erfolgsgeschichten. Eine Strategie besteht in der Ausrichtung an Indikatoren aus der sogenannten technischen Analyse, die aber wie alles an der Börse nicht zuverlässig ist. Die Grafik mit dem BASF-Chart zeigt einen solchen Indikator. Das sogenannte Momentum, das aber niemals alleine als Grundlage einer Entscheidung dienen sollte, zeigt die Dynamik eines Aufwärts- oder Abwärtstrends. In der Grafik verdeutlicht das Momentum die tiefe Baisse der BASF-Aktie. Eine Verlangsamung der Abwärtsbewegung oder gar der Beginn einer Aufwärtsbewegung des Momentums würde ein Kaufsignal liefern.

Trading kann man aber auch betreiben, ohne sich stark auf technische Indikatoren zu verlassen. Die Alternative besteht darin, aus der vermuteten wirtschaftlichen Entwicklung auf Preisänderungen an Märkten zu spekulieren. Einige aktuelle Ideen (die aber nicht als Empfehlungen gemeint sind) für den Fall einer erwarteten Abkühlung der Weltkonjunktur: Man kann auf einen Preisverfall bei Industrierohstoffen und Rohöl oder alternativ auf Kursrückgänge bei Minenaktien (außer Gold) spekulieren. Da Silber konjunkturabhängiger sein dürfte als Gold, ließe sich mit Optionsscheinen auf eine Vergrößerung des Preisverhältnisses von Gold und Silber ("Gold/Silver-Ratio") setzen. Wer eine besonders starke wirtschaftliche Abkühlung in Europa erwartet, kann am Ölmarkt darauf spekulieren, dass sich der Preisabstand zwischen den Sorten Brent (Europa) und WTI (Amerika) verringern wird. Eine Idee am Devisenmarkt besteht darin, auf eine Erholung des Euro gegenüber dem nach herkömmlichen Kriterien stark überbewerteten Franken zu setzen.

Quelle: F.A.Z. von dmoh., gb. und tim.
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