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Deutsche Bank Das Gleichgewicht ist noch fern

Anlegerschützer kritisieren die Deutsche Bank, denn die Bonuszahlungen an Mitarbeiter übertreffen die Dividende um das Mehrfache. Dabei hatte die Doppelspitze der Bank eine gerechtere Verteilung angekündigt.

© AFP Vergrößern Gemessen an den Gesamterträgen beträgt der Personalaufwand der Deutschen Bank 40 Prozent

Die Zahlen der Deutschen Bank sprechen eine klare Sprache: 13,5 Milliarden Euro für die 98.219 Mitarbeiter und 700 Millionen Euro für die 660.000 Aktionäre. Selbst mit Erfolgsprämien werden die Mitarbeiter deutlich reichlicher bedacht als die Anteilseigner, obwohl der Großputz von Altlasten und die Rückstellungen für Rechtsrisiken den Nettogewinn 2012 um 85 Prozent auf 665 Millionen Euro zurückgehen ließen. Zwar sinkt der Boni-Pool um 11 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro, aber er entspricht dem 4,6-fachen der Ausschüttung an die Aktionäre.

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Die von der Doppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen angekündigte gerechtere Verteilung zwischen der Vergütung der Mitarbeiter und den Aktionären lässt sich aus diesen Zahlen nicht ablesen. „Die Höhe der Boni für die Mitarbeiter - vor allem im Investmentbanking - und die Höhe der Dividenden stehen in einem deutlichen Missverhältnis zueinander“, kritisiert Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Seiner Ansicht nach ist von dem viel beschworenen Kulturwandel noch nicht viel zu sehen.

Die Anteilseigner spüren die Sünden der Vergangenheit

Trotz des Milliardenverlustes im vierten Quartal halten die Co-Vorstandsvorsitzenden an der Dividendenkontinuität fest. Die Aktionäre erhalten eine gegenüber den beiden Vorjahren 2010 und 2011 unveränderte Dividende von 75 Cent je Aktie. Das sind zehn Cent mehr als das Ergebnis je Aktie, während in den beiden Vorjahren der Gewinn je Anteilsschein um 2,32 Euro (2010) und um 3,70 Euro (2011) höher ausgefallen war. Die Deutsche Bank ist kein Einzelfall: Die Schweizer Großbank UBS zahlt ihren Aktionären sogar eine um 50 Prozent höhere Dividende, obwohl im vergangenen Jahr - vor allem wegen der Milliardenstrafe in der Libor-Zinsaffäre - ein Verlust von 2,5 Milliarden Franken ausgewiesen wurde.

Infografik / Die Deutsche-Bank-Aktie nach der Kapitalerhöhung © F.A.Z. Bilderstrecke 

Die Dividendenkontinuität ist nach Ansicht von Ingo Speich, Aktienfondsmanager von Union Investment, in einem vom Investmentbanking geprägten und damit schwankungsanfälligen Geschäftsmodell schwierig darzustellen. Zudem seien Banken in einem durch aufsichtsrechtliche Änderungen geprägten Umfeld tätig. Höhere Dividenden in den kommenden Jahren sind für die Aktionäre der Deutschen Bank nicht in Sicht. Denn Jain machte auf der Jahrespressekonferenz klar, dass die weiterhin notwendige Stärkung der Kapitalausstattung durch die Einbehaltung von Gewinnen erfolgen soll. Speich hält dies für richtig, weil dadurch das Unternehmen gestärkt und somit eine gute Kursentwicklung wahrscheinlicher werde. Schließlich soll einer abermalige Kapitalerhöhung so vermieden werden.

Die Anteilseigner der Deutschen Bank spüren die Sünden der Vergangenheit, die das Ergebnis der Bank mit 3,5 Milliarden Euro belastet haben, an der Dividende zwar nicht. Doch dafür im Kursverlauf: Seit der Kapitalerhöhung um 10 Milliarden Euro im Herbst 2010, mit der die vollständige Übernahme der Postbank finanziert wurde, ist der Börsenwert um rund 4 Milliarden auf 34 Milliarden Euro gesunken. Hatte der Aktienkurs damals noch über 40 Euro gelegen, sind es nun weniger als 37 Euro. Zumindest liegt der aktuelle Kurs inzwischen wieder über den Bezugspreis der im Oktober 2010 begebenen Aktien. Dieser belief sich auf 33 Euro. Grundsätzlich ist Speich dafür, die Vergütungskomponenten an den Ertrag der Aktionäre zu koppeln.

Auch der Staat partizipiert am Erfolg

Im Vergleich zu 2010 ist der Bonipool der Bank um ein Viertel geschrumpft, während der Börsenwert um 10 Prozent sank. Allerdings stieg in diesem Zeitraum der gesamte Personalaufwand um 6 Prozent, was zum einen auf die höheren Fixgehälter und zum anderen auf die für frühere Jahr zugesagten, aber später ausbezahlten Boni zurückgeführt werden kann. Gemessen an den Gesamterträgen beträgt der Personalaufwand der Deutschen Bank 40 Prozent und liegt damit auf Vorjahresniveau. Gegenüber 2010 sind es 5 Prozentpunkte weniger. Im Vergleich mit der Schweizer Konkurrenz schneidet die Deutsche Bank gut ab: Die UBS kam im vergangenen Jahr auf eine Personalaufwandsquote von 58 Prozent und die Credit Suisse auf 52 Prozent. Aber die amerikanische Großbank JP Morgan kommt nur auf 31,5 Prozent.

Nicht nur Aktionäre und Mitarbeiter partizipieren am Erfolg der Deutschen Bank, sondern auch der Staat. Aufgrund des Gewinnrückgangs sinkt die Ertragssteuer 2012 auf 732 Millionen Euro. Die Bank schlüsselt nicht auf, wie viel davon an den deutschen Fiskus geht. Aber ein Vergleich mit dem Vorjahr lässt erahnen, dass es nicht viel sein kann. Für das Geschäftsjahr 2011 führte das Institut insgesamt 1,1 Milliarden Euro an Ertragssteuern ab. Laut Bundesbank zahlten die vier deutschen Großbanken - Deutsche Bank, Commerzbank, Hypo-Vereinsbank und Postbank - Steuern von insgesamt 563 Millionen Euro. Die Differenz ist auch auf Steuerrückerstattungen zurückzuführen. Zudem führt die Deutsche Bank eine Bankenabgabe an den Staat ab. Diese belief sich 2011 auf 247 Millionen Euro, die jeweils zur Hälfte in Deutschland und Großbritannien bezahlt wurde. Im vierten Quartal 2012 hat die Bank für diese Abgabe 133 Millionen Euro verbucht.

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Quelle: F.A.Z.

 
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