Zuletzt sind an den Aktienmärkten wieder Zinsängste aufgekeimt. Zu beachten war dies insbesondere vergangenen Freitag, als in Amerika überraschend gut ausgefallene Arbeitsmarktdaten veröffentlicht wurden. Inzwischen haben sich diese Ängste zwar wieder etwas gelegt, denn es gibt viele Marktbeobachter, die davon ausgehen, dass die amerikanische Notenbank ihre Nullzins-Politik nicht so rasch aufgeben wird.
Trotzdem haben die jüngsten Diskussionen um dieses Thema wieder einmal gezeigt, dass mögliche Zinserhöhungen von den Börsianern nach wie vor kritisch beäugt werden. Und das wiederum hat mit der Überzeugung zu tun, dass schon im Vorfeld einer Zinswende die Kursentwicklung negativ beeinflusst wird.
Vor Zinserhöhungen laufen Industriemetalle oft besser als Gold
Doch im Rückspiegel betrachtet erscheinen diese Bedenken Fehl am Platz. Zumindest lässt diesen Schluss eine Studie der Credit Suisse zu, in der die letzten fünf Zinserhöhungszyklen in Amerika untersucht wurden und die damit einhergehende Anlageperformance in den neun Monaten davor und danach. In der Vergangenheit haben sich die Weltbörsen demnach in den neun Monaten vor der ersten Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank durchaus gut entwickelt.
Staatsanleihen bleiben dagegen bei der ersten Zinserhöhung häufig hinter Aktien zurück (siehe Grafik), während am Aktienmarkt selbst zyklische Werte in dieser Phase häufig besser abschneiden als defensive Aktien. Und im Rohstoffbereich zeigt sich nach einer Untersuchung der Credit Suisse, dass sich Industriemetalle häufig besser entwickeln als Gold.
Nun sind historische Erfahrungen zwar keine Garantie für eine Wiederholung in der Zukunft. Zumindest rechtfertigt es die Vergangenheit aber auch nicht, bei möglichen Zinserhöhungen reflexartig auf sinkende Aktienkurse zu setzen.
Entwicklung der Frühindikatoren im Blick behalten
Mut macht übrigens auch die Beobachtung, wonach es sich in der Vergangenheit häufig lohnte, bei Aktien so lange am Ball zu bleiben, wie sich die Frühindikatoren und die Realwirtschaft erholen. Und in dieser Hinsicht gehen beispielsweise die Analysten der Commerzbank davon aus, dass die schwachen Oktober-Zahlen aus der europäischen Industrie nur ein Ausrutscher in einem intakten Aufwärtstrend waren. Dem Ifo-Geschäftsklima traut man jedenfalls zu, sich im Dezember wieder von zuletzt 93,9 auf 95,0 zu verbessern.
Für die Aktienmärkte wäre ein Eintreffen dieser Prognose sicherlich ein positives Signal, dürfte es doch den seti März bestehenden Kursaufschwung stützen. Kritisch würde es allerdings dann, wenn im Verlauf des kommenden Jahres die Frühindikatoren wieder nach unten drehen sollten. Denn das wäre dann vermutlich das Signal, um bei der Anlagestrategie wieder vorsichtiger zu werden.
