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Beratungsdesaster Falsch beraten

02.07.2011 ·  Master of Desaster: Von Lehman-Zertifikaten über Bernard Madoff bis hin zur Telekom-Aktie reicht die Geschichte aus Pleiten, Pech und Pannen der Finanzberater.

Von Martin Gropp
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Lehman-Zertifikate

Kurz nachdem im September 2008 die Investmentbank Lehman Brothers pleitegegangen war, liefen bei Anwälten die Telefone heiß. Am anderen Ende: verunsicherte Anleger. Sie hatten von ihren Beratern Lehman-Zertifikate angedient bekommen, die mit der Insolvenz der Investmentbank auf einen Schlag so gut wie wertlos geworden waren. Es traf vor allem Kunden von Dresdner Bank, Citibank und mancher Sparkasse.

Der unabhängige Verein „Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger“ ging im Herbst 2008 insgesamt von einem Anlagevolumen im dreistelligen Millionenbereich aus, das gefährdet war, und von rund 50.000 Betroffenen. Nach dem Crash begann das juristische Nachspiel: Viele Anleger zogen vor Gericht. Sie beschwerten sich, nicht ausreichend über Risiken aufgeklärt worden zu sein. Manche bekamen recht. Andere zogen es vor, ihre Anteile gegen einen hohen Abschlag zurückzuverkaufen.

Riesenrad-Fonds

Sie sollten sich in Peking drehen und in Berlin: Riesenräder mit einem Durchmesser von 175 Metern. Die Touristen sollten in Scharen kommen und Eintritt zahlen. Den Anlegern, die die Räder mit ihrem Ersparten finanzierten, winkte eine verlockende Rendite: bis zu zehn Prozent vor Steuern. Fast 10.000 Fondszeichner investierten in den geschlossenen Fonds der DBM Fonds Invest GmbH, einer Tochter der Bank ABN-Amro. Auch die Deutsche Bank vermittelte ihren Kunden im Jahr 2006 das Investment in den Riesenrad-Fonds.

Doch ein Jahr nach dem Start stellten sich erste Probleme bei der Finanzierung ein. Kurz danach wurde deutlich, dass keins der avisierten Riesenräder jemals gebaut werden würde. Es fehlte viel zu viel Geld. Der Fonds ging schließlich pleite. Den Anlegern wollte die DBM Fonds Invest ihre Anteile für 60 Prozent des ursprünglichen Wertes abkaufen. Nicht alle ließen sich allerdings auf diesen Handel ein. Einige zogen stattdessen vor Gericht und klagten mit der Begründung, sie seien nicht ausreichend über die Risiken informiert worden.

Bernard Madoff

Eine Anlagesumme von 65 Milliarden Dollar sollte Bernard Madoff für seine Anleger mehren. Doch als er im Dezember 2008 erst seinen Söhnen und dann der Öffentlichkeit gestand, dass er ein Schneeballsystem à la Charles Ponzi (siehe rechte Spalte) aufgezogen hatte, war davon nur rund eine Milliarde übrig. Madoff lebte von einem Ruf der Exklusivität und schier grenzenlosem Vertrauen - ihm überließen die Reichen ihr Geld.

Zu den Geschädigten zählten gemeinnützige Organisationen wie die Elie Wiesel Foundation for Humanity oder Steven Spielbergs „Wunderkinder Foundation“. Auch deutsche Anleger waren von der Milliardenlüge betroffen. Es handelte sich dabei vor allem um Kunden kleiner Vermögensverwalter, die 220 Millionen Euro in Fonds investiert hatten, die wiederum gutgläubig in Madoffsche Anlagen investiert hatten. „Ich hinterlasse meiner Familie ein Erbe der Schande“, sagte Madoff in der Gerichtsverhandlung im Sommer 2009 an die Geschädigten. Trotz eines Geständnisses verurteilte ihn ein New Yorker Gericht zu einer Haftstrafe von 150 Jahren, die er derzeit verbüßt.

Telekom-Aktie

Einer der Berater kam übers Fernsehen in die Haushalte und war Polizist. Vielleicht machte ihn das so vertrauenswürdig. Denn als Manfred Krug 1997 Fernsehwerbung für die Telekom-Aktie machte, war er den Zuschauern vor allem als Tatort-Kommissar Stoever bekannt. „Die Telekom geht an die Börse“, säuselte Krug mit seinem markanten Bass, „und ich gehe mit.“ Viele Deutsche folgten ihm, der Hype war riesig und erfasste auch Menschen, die zuvor noch nie über Aktien nachgedacht hatten. Von der Kindergärtnerin bis zum Koch gaben Kleinanleger ihr Geld und sahen dann mit wachsendem Entsetzen zu, wie der Börsengang der Telekom zu einem Fiasko geriet.

Er beschäftigt das Oberlandesgericht Frankfurt bis heute: 17.000 Kleinanleger klagen, dass die Telekom beim letzten Teil des Börsenganges im Jahr 2000 im Börsenprospekt falsche Angaben gemacht haben soll. Ursprünglich sollte Ende Mai eine Entscheidung fallen, ob die Telekom Schadenersatz zahlen muss, doch dann verschob das Gericht die Entscheidung abermals. Zwei Kläger hatten neue Anträge. Im Oktober wird der Prozess fortgesetzt. Manfred Krug hatte seine Werbung für die Telekom im Jahre 2007 bereut: „Ich entschuldige mich aus tiefstem Herzen bei allen Mitmenschen, die eine von mir empfohlene Aktie gekauft haben und enttäuscht worden sind“, sagte er damals dem Magazin „Stern“.

Immobilienfonds

Die wichtigste Eigenschaft offener Immobilienfonds wurde in der Finanzkrise zum Verhängnis für mehrere Millionen Anleger: die Offenheit. Offene Fonds waren und sind noch so konstruiert, dass Anleger an jedem einzelnen Börsentag Geld in sie investieren oder eben abziehen können. Doch als in den Vereinigten Staaten die Subprime-Immobilienkredite reihenweise platzten, zogen Großanleger in riesigem Stil ihr Geld aus den Fonds. So schnell kamen die Fonds nicht mit dem Verkauf ihrer Immobilien nach. Sie gerieten in Liquiditätsengpässe und wurden reihenweise auf Eis gelegt.

Für einige kam es noch schlimmer: Sie mussten aufgelöst werden. Zurzeit sind von den für Privatanleger wichtigsten 24 Fonds 11 eingefroren, 3 werden aufgelöst. Drei Millionen deutsche Anleger sind betroffen, einige klagten. Unabhängig vom Ausgang der Klagen wird in Zukunft die verhängnisvolle Konstruktion der offenen Immobilienfonds neu geregelt: Von 2013 an müssen Neuanleger ihre Anteile mindestens 24 Monate halten und eine Kündigungsfrist von zwölf Monaten einhalten.

Charles Ponzi

Charmant, eloquent, gut aussehend - so zog der Selfmade-Berater Charles Ponzi 1920 in Boston 40.000 Anleger in seinen Bann - und ins Verderben. Die versprochene Rendite: 50 Prozent in 45 Tagen. Das wollte Ponzi erreichen, indem er Rückporto-Coupons billig in Europa kaufte, um sie in Amerika teurer weiterzuverkaufen.

Doch statt die Coupons tatsächlich zu erstehen, zahlte er die ersten Kunden mit dem Geld der nächsten aus. Es entstand ein Schneeballsystem, bei dem rund 40.000 Anleger fast 13,5 Millionen Dollar verloren. Ponzi brachte das einen Gefängnisaufenthalt ein - und einen Platz in den Ökonomielehrbüchern: Bis heute wird sein Schneeballsystem an den Universitäten besprochen, meist als warnendes Beispiel.

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